Länder - Menschen - Abenteuer

Mit dem Schiff durch Sibirien. - Auf dem Irtysch in Russlands hohen Norden

Donnerstag, 09. April 2020, 20:35 bis 21:20 Uhr

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Von Omsk nach Salechard gibt es keine Straßen. Im Sommer tuckert ein Schiff nach Norden, im Winter rattern LKW über die Eisstraße, dem zugefrorenen Irtysch. Er ist der längste Nebenfluss der Erde und ganze 4.248 Kilometer lang.

Unten am Fluss werden Wurst und Klopapier eingepackt und dann fährt das Schiff mit dem schönen Namen "Rodina" - "Heimat", los. An Bord: russische Rucksacktouristen und Omas mit ihren Enkeln, die aus dem Urlaub im Süden, in den Norden zurückkehren.

Leibesübungen und Ikonen-Malerei

Viktor Geier macht jeden Morgen Ertüchtigungsübungen auf dem Vorderdeck und singt patriotische Lieder, eine Angewohnheit aus seiner Zeit als Aktivist auf der Baikal-Amur-Magistrale.

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In der Ikonenschule von Tobolsk.

Auch mit an Bord: Eine russische Familie. Vater, Mutter und zwei Kinder. "Wir waren schon in Europa, in Italien, Spanien, aber jetzt wollen wir Russland entdecken und Tobolsk". Die Stadt war bis zur Revolution geistliches Zentrum Sibiriens. Seit kurzem gibt es wieder eine Schule, wo Darja und Anna mit Hingabe lernen, Ikonen zu malen. Der Bedarf ist riesig. Überall werden Lager und Hallen zu Kirchen umgebaut und die müssen ausgestattet werden.

Russlanddeutsche in Sibirien

Das Schiff schwimmt vorbei an Dörfern, in denen bis heute von Stalin verbannte Russlanddeutsche leben. Doch die träumen keineswegs mehr vom reichen Westen. Jakob Kalcher lebte in Hamburg. Er hatte dort ein reicheres und bequemeres Leben, als das in Sibirien, aber schöner war es nicht, sagt er. Ihm habe seine Wirtschaft gefehlt, das Vieh, die Werkstatt, die Nachbarn. Also sind sie zurückgekehrt und haben es nicht bereut.

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Durch die Weiten Sibiriens.

Dichte Wälder ziehen vorbei, am Ufer liegt säuberlich gestapeltes Holz. Der Umweltaktivistin Ludmilla Schukowa fiel auf, dass immer mehr Holz gefällt und über die Grenze nach Kasachstan mit gutem Gewinn verschoben wurde. Sie wandte sich an Staatsanwaltschaften und Journalisten. Sogar bis zu Putin drangen ihre Beschwerden. Seitdem seien die Kontrollen schärfer geworden, sagt sie zufrieden.

Das Leben der Chanten in der Tundra

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Abends auf dem Irtysch.

Bei der Stadt Chanty-Mansijsk fließt der Irtysch in den Ob und bildet mit ihm zusammen einen der längsten Flussläufe der Erde, insgesamt 5.410 Kilometer. Sein Einzugsgebiet entspricht etwa der fünffachen Fläche Deutschlands. Hier beginnt das Gebiet der Chanten, die ihre Rentiere durch die Tundra treiben und auch im 50 Grad minus kalten Winter in ihren Jurten leben. Ihre Kinder sind nur im Sommer in der Tundra. Sie gehen auf Internate und kehren später nicht mehr in die Tundra zurück.

Wohlstand dank Gazprom

Endstation der Reise auf der "Rodina" ist Salechard. Gemessen am Durchschnittseinkommen, ist sie die reichste Stadt Russlands. Das monatliche Familieneinkommen in Salechard liegt oft höher als 3.000 Euro.

Die Öl- und Gasfelder von Gazprom, Rosneft und Lukoil sind nicht weit. Die Straßen sind glatt, die SUV-Dichte hoch, die Häuser nagelneu, eine neue Kirche, gesponsert von Gazprom, ist im Bau. Der Aufschwung kam mit "Neftj i gas" - "Öl und Gas". Arbeitgeber zahlen inzwischen in der Stadt des Permafrosts die sogenannte "Nordzulage". Das ist ein Aufschlag von 80 Prozent als Ausgleich für eiskalte Winter mit bis zu minus 60 Grad.

Das von Dimitrij Tereschuk geführte Restaurant "Panorama" liegt hoch oben in einem Brückenpfeiler und ist bei der feinen Gesellschaft Salechards sehr angesagt. Die Designer-Möbel für sein Restaurant kommen jedoch aus dem viertausend Kilometer entfernten Moskau.

Autor/in
Rita Knobel-Ulrich
Kamera
Michael Donnerhak
Schnitt
Nico Sandhof
Redaktion
Timo Großpietsch
Produktionsleiter/in
Tim Carlberg
Redaktionsleiter/in
Ralf Quibeldey

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