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Kanadas deutsche Küste – New Brunswick und die Bay of Fundy

Donnerstag, 23. April 2020, 20:30 bis 21:15 Uhr

"New Brunswick", das klingt doch wie..? Richtig. Nach Braunschweig - genauer: nach dem welfischen Königshaus in Braunschweig wurde diese kanadische Provinz einst benannt. Unter den vielen Einwanderern in die Neue Welt waren hier an der Ostküste besonders viele Norddeutsche - auch die Ortsnamen künden bis heute davon, wie Lunenburg im gegenüberliegenden Nova Scotia oder Lubec im südlich angrenzenden US-Staat Maine.

New Brunswick wurde aber nicht nur von Deutschen, sondern von Einwanderern aus aller Welt geprägt. Heute ist dies die einzige offiziell zweisprachige Provinz Kanadas, in der gleichermaßen englisch wie französisch gesprochen wird, nicht wie im übrigen Land nur das eine oder das andere. New Brunswick und die Bay of Fundy offenbaren sowieso ein ganz anderes Kanada, mit liebenswerten und zuweilen etwas verschrobenen Bewohnern und einer zu den sieben Naturwundern Nordamerikas zählenden spektakulären Meeresbucht.

In dieser Dokumentation sind die erstaunlichsten Geschichten über alle vier Jahreszeiten hinweg zusammengetragen. Kanada, wie man es noch nicht so kennt.

Der höchste Tidenhub der Welt

New Brunswick ist eine Region der Extreme. In der Bay of Fundy herrscht der höchste Tidenhub der Welt. Hier fällt tatsächlich zwei Mal am Tag der 18, stellenweise 21 Meter tiefe Ozean trocken. Der launige Titel des alljährlichen Zehn-Kilometer-Wettlaufs auf dem Meeresboden, bei dem die Teilnehmenden guten Grund haben rechtzeitig ins Ziel zu kommen, heißt dann auch "Just like Moses" (wie einst Moses). Zur Sicherheit gibt es auch Taucher als Streckenposten.

Weinanbau in Schnee, Eis und Fossilien

Das ständige Auf und Ab des Meerwassers spült regelmäßig spektakuläre Funde aus der Frühgeschichte der Erde aus der Steilküste, bis zu 300 Millionen Jahre alte Fossilien. Auch wenn die Küste von New Brunswick felsig ist, wird ausgerechnet hier in großem Stil Wein angebaut. Nicht zuletzt ein von Gourmets besonders geschätzter Eiswein. Die Trauben werden nach den ersten heftigen Schneefällen des Winters geerntet, haben aber in den warmen Sommermonaten ausreichend Sonne abbekommen.

Der Kürbis als Rennboot

Das Land ist dünn besiedelt, die Menschen hier sind von einem ganz besonderen Schlag. Im Herbst kann man an der Stelle, wo der Wettlauf im Sommer stattgefunden hat, bei Flut im Kürbis um die Wette paddeln. Denn es gedeihen hier auch die größten Kürbisse der Welt, bis zu 500 Kilogramm schwer. Ausgehöhlt und bunt angemalt, dienen sie beim großen "Pumpkin Race" als Rennboot. Bis zu vier Leute quetschen sich in einen Kürbis und hoffen, nicht zu kentern. Gar nicht so einfach.

Zwei Mal durch den Zoll

Eine der vielen bewohnten Inseln, Campobello Island, ist von US-amerikanischem Territorium umschlossen. Nur im Sommer gibt es eine direkte Fähre zum kanadischen Festland. Wer im übrigen Jahr einkaufen will, muss die Brücke nutzen und zwangsläufig in die USA einreisen, nach einer längeren Fahrt dann wieder über die Grenze nach Kanada. Hin- und zurück heißt das: vier Mal durch den Zoll, der vor allem auf der US-Seite streng ist. Die Ein- und Ausfuhr von frischem Obst und Gemüse ist verboten. Lästig. Dafür ist aber das Zusammengehörigkeitsgefühl der Bewohner von Campobello Island besonders groß. Ihre Wege kreuzen sich in Angela Smarts Souvenirshop, der örtlichen Tauschbörse für Klatsch und Gefälligkeiten.

Autor/in
Rachel Bower
Kamera
Wade Cornell
Schnitt
Ken Petersen
Sarah Byrne
Producer
Edward Peill
Produktionsleiter/in
Daniel Buresch
Redaktion
Ralf Quibeldey