Stand: 14.01.2014 15:22 Uhr  | Archiv

Zwei Witzfliegen mit einer Klappe schlagen

Extra 3 Redakteur Klaas Butenschön im Interview mit Ella Carina Werner vom "Exot. Zeitschrift für komische Literatur und Karikaturen".

EXOT: Anders als Schrift- oder Radiosatire existiert extra 3 als Fernsehsatire ja nicht ohne Bilder. Ohne optische Darstellungsmöglichkeit geht nichts. Habt ihr manchmal Situationen, wo ihr denkt: "Tolles Thema, aber das ist optisch nicht umsetzbar"?

Butenschön: Bilder sind im Fernsehen das Wichtigste überhaupt. Manchmal gibt es Themen, bei denen es zwar Bilder gibt, aber nicht die richtigen für einen lustigen, satirischen Beitrag. Der Syrienkonflikt ist so ein Thema. Da sind die Kriegsbilder so schrecklich, dass man keinen ironischen Text darüberlegen kann. Dann ist meistens eine grafische Animation eine gute Lösung. Manchmal ist es aber auch so, dass zum Beispiel Frau Merkel irgendwo mit einem Satz zitiert wird, den wir partout nicht als O-Ton in einer Nachrichtensendung finden können, weil sie das vielleicht in einem Zeitungsinterview gesagt hat. Ärgerlich sowas!

EXOT: In vielen Einspielern parodiert extra 3 bekannte Fernsehformate, z.B. "Die Sendung mit der Maus" oder Jean Pütz’ "Hobbythek". Kommt diese Vorgehensweise der Fernseh-Satire besonders entgegen?

Butenschön: Auf jeden Fall, weil wir so zwei Witzfliegen mit einer Klappe schlagen. Erstens über die inhaltlichen Gags und zweitens, weil Parodien lustig sind. Es kommt aber noch etwas dazu: Das Entschlüsseln und Erkennen der Gags in einem satirischen Beitrag ist ja der große Spaß für den Zuschauer, deshalb nutzen wir so gerne Gefäße wie "Die Sendung mit der Maus".

EXOT: Eure Einspieler haben alle klassisches Magazin-Format, wenn es um die Länge geht: Im Durchschnitt sind sie 132 Sekunden lang. Warum wird diese Länge nie gesprengt?

Butenschön: Als Magazinsendung wollen wir ein möglichst hohes Tempo in der Sendung haben. Da macht ein 10-minütiger satirischer Kurzfilm keinen Sinn. Der ließe sich in 4 Arbeitstagen ja auch nicht produzieren. Wir haben freitags immer unsere Themenkonferenz und am Mittwochabend ist dann schon die Sendung.

EXOT: Ihr zeigt viel Realsatire, unter der Rubrik "Der reale Irrsinn". Als Zuschauer könnte man auch denken: Das ist doch eine leichte Darstellungsform, man muss doch nur die Kamera draufhalten auf alltägliche Absurditäten. Oder trügt da der Schein?

Butenschön: Erst mal muss man gute Geschichten finden! Und dann muss man alle Beteiligten dazu bringen, vor der Kamera aufzutreten. Das ist gar nicht so leicht - mittlerweile kennen uns ja schon die meisten Amtsleiter und Pressesprecher in Norddeutschland. Wenn die hören, dass wir von extra 3 um ein Interview bitten, ist Verhandlungsgeschick gefragt. Wenn man dann alle beisammen hat und endlich losdrehen kann, versuchen die Autoren eine extra 3-ige Bildsprache umzusetzen. Eine Realsatire in extra 3 sieht ja anders aus als der Beitrag über dasselbe Thema bei RTL Nord. Und sie hört sich auch anders an. Denn bei jeder Realsatire überlegen sich die Autoren eine besondere Textfigur, die den Beitrag erzählt. Als Märchen, als Werbung, aus Sicht der Verantwortlichen, als Kulturbeitrag, oder, oder, oder.

EXOT: Dürft ihr bei extra 3 eigentlich machen, was ihr wollt, oder redet euch da der Programmleiter des NDR dauernd rein?

Butenschön: Nein, uns redet niemand rein. Wenn man sich mal so umguckt in der Medienlandschaft, besonders im Ausland, ist unsere Unabhängigkeit ein großes Glück. Wir genießen großes Vertrauen beim Chefredakteur, weil wir zwar eine lustige, aber eben auch eine verantwortungsbewusste journalistische Redaktion sind. Fast alle unsere Mitarbeiter haben das NDR Volontariat absolviert, sind also in erster Linie Journalisten und keine reinen Gagschreiber. Wir wissen, wie man recherchiert und wir machen keine Witze, die über die Grenzen des guten Geschmacks hinausgehen.

EXOT: Toll, dass extra 3 Moderator Christian Ehring bei jedem Einspieler den Namen des verantwortlichen Autoren nennt. Es sind relativ oft weibliche Namen, viel häufiger als sonst auf dem Feld der politischen Satire. Wie kommt es bei extra 3 zu diesem üppigen Frauenanteil?

Butenschön: Ich empfinde das als total normal und frage mich eher, ob das in anderen Satireredaktionen wirklich so anders ist. Vielleicht gibt es da einfach mehr Männer vor der Kamera - also mehr männliche Rampensäue? Ich weiß es nicht, ich weiß bloß, dass ich ungern in einer reinen Männerredaktion arbeiten würde.

EXOT: Klaas, danke für das Gespräch!

 

Das Interview erschien in der aktuellen Ausgabe Nr. 16 des Magazins "Exot. Zeitschrift für komische Literatur".