Expeditionen ins Tierreich

Wildes Venedig

Mittwoch, 25. November 2020, 21:00 bis 21:45 Uhr
Donnerstag, 26. November 2020, 06:35 bis 07:20 Uhr

Venedig ist ein Mythos, eine der prächtigsten Kulissen der Welt. Doch die Stadt führt ein Doppelleben, zum einen als quirlige Lagunenstadt, zum anderen als faszinierende Welt der vielen zum Teil unbewohnten Inseln und Sandbänke.

Frühling in Venedig, doch in den Alpen herrscht noch Winter; rechts der schiefe Kirchturm (San Martino) von Burano. © NDR/EPO Film
Frühling in Venedig, in den Alpen herrscht noch Winter.

Sie vermitteln noch heute den Eindruck jener Zeit, zu der die ersten Siedler ihre Pfähle in den schlammigen Boden rammten. Mensch und Natur schufen einen gemeinsamen Lebensraum, den sie sich seit Jahrtausenden teilen: die Lagune von Venedig.

Hinter der malerischen Fassade aus Palästen, Kirchen und Kanälen existiert ein bis heute kaum erforschter Kosmos voller außergewöhnlicher Lebewesen, allgegenwärtig, aber kaum sichtbar.

Lebensraum: Sandbänke, Inseln und Gärten

Gemeine Strandkrabben (Carcinus maenas) in der Lagune von Venedig. © NDR/EPO Film
Gemeine Strandkrabben (Carcinus maenas) leben in der Lagune von Venedig.

Die Tiere in Venedig leben mitten in der Stadt, tauchen unter ihr hinweg oder blicken von hoch aus der Luft auf sie herab. Wer vermutet schon bunte Riffe am Rande der Lagune, bevölkert von einer Vielzahl wundersamer Meerestiere? Die Sandbänke und Inseln sind auch Lebensraum für eine Vielzahl von Wildtieren, Füchse, Marder und Tausende Zugvögel. Und auch die Tierwelt in den versteckten Gärten von Venedig-Stadt ist kaum entdeckt.

Rastplatz für Zugvögel

Zweimal im Jahr sucht eine kaum zu benennende Zahl von Zugvögeln die Lagune auf, um sich dort mit nahrhaftem Eiweiß der vielen Krustentiere zu stärken. Allen voran die Flamingos: Die Kolonie von Venedig ist die am nördlichsten gelegene im Mittelmeerraum. Sieht man im Frühling die Flamingos vor dem Panorama der verschneiten Alpenkette, wird klar, warum die Tiere nicht über Venedig hinaus weiter nach Norden fliegen.

Unterwasserwelt am Übergang zur Adria

Sonnenuntergang über der Lagune von Venedig. © NDR/EPO Film
Postkartenmotiv: ein Sonnenuntergang über der Lagune von Venedig.

An der anderen Seite der Lagune, am Übergang zum offenen Meer, überrascht ein bunter Mikrokosmos nur wenige Meter unter der Wasseroberfläche: Es ist die Welt der Tegnùe. Im flachen Becken der oberen Adria wunderten sich die Fischer über Jahrhunderte, dass ihre Netze in gewissen Bereichen beschädigt wurden oder gerissen waren. So sind die Sagen über böse Wassergeister entstanden. In Wahrheit jedoch steckt dahinter eine geologische Besonderheit: Felsriffe organischen Ursprungs, vergleichbar mit den Korallenriffen in der Südsee. Venedigs Tegnùe wurden nicht von Korallen gebildet, sondern von kalkhaltigen und Kalk absondernden Algen.

Die Felsschluchten des Mittelmeeres sind heute Habitate mit großer Artenvielfalt, kaum erreicht von irgendeinem anderen Lebensraum im Mittelmeer. Nicht nur bizarre Seeanemonen und Seeschwämme leben hier, sondern auch eine unüberschaubare Vielzahl bunter Fische oder Kalmare.

Erkundungsreise abseits der Touristenströme

Die Naturdokumentation des österreichischen Regisseurs Klaus Steindl erforscht das weitgehend unbekannte Venedig der Tiere, begleitet die Falken und Zugvögel der Stadt, entdeckt das wilde Tierleben auf den stillen Laguneninseln abseits des Touristentrubels und findet sogar die seltene Wasserspitzmaus: Sie ist eines der ganz wenigen giftigen Säugetiere der Erde und wurde bei einem Unterwasserbeutezug in der Lagune gefilmt. Es ist zugleich auch eine Reise an die versteckten Plätze der Lagune, die dem normalen Touristen verschlossen bleiben.

Autor/in
Klaus Steindl
Produktionsleiter/in
Eva-Maria Wittke
Redaktion
Ralf Quibeldey
Susanne Lummer
Sprecher/in
Franz Robert Wagner
Regie
Klaus Steindl