die nordstory - Steinreiches Lübeck

Freitag, 15. Januar 2021, 20:15 bis 21:15 Uhr

Lübeck ist berühmt für seine Backsteinarchitektur. Wegen der schönen Fassaden kommen Touristen in die Hansestadt, um die Altstadtinsel, die seit gut 30 Jahren zum UNESCO-Weltkulturerbe gehört, zu besichtigen. Aber man kann kaum einen Blick dahinter werfen. Die nordstory zeigt, wer heutzutage dort lebt und arbeitet.

Familienleben im Denkmal

Marie-Louise Arndt wohnt mit ihrer Familie im Zöllnerhaus des Lübecker Burgtors. Schon Literaturnobelpreisträger Thomas Mann stand hier einst am Fenster und blickte auf die Stadt. © NDR
Schon Thomas Mann stand hier einst am Fenster des Zöllnerhauses des Lübecker Burgtors.

Marie-Louise Arndt und Max Zeidler wohnen mit ihren drei Kindern in einem der ältesten Baudenkmäler Lübecks. Das Burgtor ist, neben dem berühmten Holstentor, das Einzige, das noch von der Stadtmauer aus dem Mittelalter erhalten ist. In dem historischen Gemäuer beben immer mal die Wände, denn direkt über dem Torbogen, wo täglich Autos und Busse hindurchfahren, gibt Musiker Max Zeidler im Turm Schlagzeugunterricht. Die Lübecker Familie hat eine besondere Beziehung zum Burgtor. Künftig will sie das historische Zöllnerhaus, in dem schon Literaturnobelpreisträger Thomas Mann ein und aus ging, vermehrt auch für kulturelle Veranstaltungen nutzen.

Szene-Lokal auf historischem Boden

Wolf-Dietrich Turné betreibt in der Lübecker Altstadt ein kleines Szenelokal. Der steinerne Stecknitzfahrer erinnert an die Männer, die zur Hansezeit mit ihren Kähnen über die Stecknitz schipperten und Salz – das "weiße Gold" – von Lüneburg nach Lübeck transportierten. © NDR
Wolf-Dietrich Turné betreibt in der Lübecker Altstadt ein kleines Szenelokal.

Sein Grundstück gehörte einst den Stecknitzfahrern, die im Mittelalter über den Stecknitzkanal schipperten und Salz, das "weiße Gold", aus Lüneburg nach Lübeck transportierten. "Die kleinen Buden waren wohl so baufällig, dass sie leider abgerissen werden mussten", erzählt Wolf-Dietrich Turné.

Das Stecknitzfahrer-Amtshaus in der Lübecker Hartengrube erinnert an die Stecknitzfahrer, die im Mittelalter Salz von Lüneburg nach Lübeck transportierten. Heute ist dort ein kleines Szenelokal. © NDR
Die Stecknitzfahrer transportierten im Mittelalter Salz von Lüneburg nach Lübeck.

In Erinnerung daran wurde dort 1904 das Alte Stecknitzfahrer Amtshaus errichtet, das der Fotograf und jetzt auch Wirt Wolf-Dietrich Turné vor gut 13 Jahren gekauft hat. Er fühlt sich für dieses Fleckchen Lübeck mit seiner rund 600 Jahre alten Geschichte verantwortlich. Er betreibt dort ein kleines Szenelokal und gibt Lübecks Stecknitzfahrer-Gilde wieder ein Zuhause.

Ein Kaufmannshaus im Familienbesitz

Die bewegte Geschichte ihres Kaufmannshauses reicht bis ins 13. Jahrhundert zurück, seit gut 300 Jahren ist es im Familienbesitz. Typisch für Lübeck ist auch der kleine Garten im Innenhof, den ihr Ururgroßvater einst angelegt hat. Noch immer schöpft Angela Evers aus dieser Blütenpracht. Die Unternehmerin verkauft kandierte Blüten aus ihrem Garten. Mittlerweile betreibt die Hanseatin dort auch eine Schokoladenmanufaktur.

Schmuck aus Backstein

Sie ist das Symbol norddeutscher Backsteingotik: Die Lübecker St. Marienkirche. Mit ihrem fast 40 Meter hohen Hauptschiff und den beiden 125 Meter hohen Türmen gehört sie zu den Wahrzeichen der Hansestadt. Der Kern der Altstadt steht komplett unter Denkmalschutz und gehört seit mehr als 30 Jahren zum Unesco-Welterbe. © NDR
Sie ist das Symbol norddeutscher Backsteingotik: die Lübecker St. Marienkirche.

In einer der beliebtesten Einkaufsstraßen Lübecks arbeiten Menschen täglich mit Steinen, die schon zur Hansezeit ein Symbol für Reichtum waren. Vom Europäischen Hansemuseum hat die Goldschmiede Panzerknacker einen außergewöhnlichen Auftrag erhalten: Schmuck aus Backstein zu fertigen. Für die Schmuckdesigner*innen absolutes Neuland.

Autor/in
Julia Lindenau
Produktionsleiter/in
Angela Hennemann
Redaktion
Katrin Glenz
Andrea Jedich
Leitung der Sendung
Norbert Lorentzen

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