die nordstory - Neuer Kurs für alte Planken

Donnerstag, 04. April 2024, 15:00 bis 16:00 Uhr

Christian hat sich seinen Traum vom eigenen Traditionssegler erfüllt, indem er die 75 Jahre alte "Albin Köbis" gekauft hat und auch seine Freundin Ela für alte Schiffe begeistert. Gemeinsam krempeln sie in Flensburg ihr Leben um, restaurieren liebevoll den alten Fischkutter und starten mit ihm ein neues Kapitel.

Für Ela ist das Leben an Bord eine völlig neue Erfahrung. Die Seefahrt und alte Schiffe hat sie erst lieben gelernt, als sie mit Christian zusammenkam. Nun hat sie ihren Lebensmittelpunkt auf das Deck verlagert und sogar einen Nebenjob bei einem Segelmacher begonnen, um traditionelle Nähtechniken zu erlernen. Abends nach der Arbeit büffelt sie gemeinsam mit Freunden für ihren Sportbootführerschein, um bei künftigen Fahrten mehr Verantwortung zu übernehmen und Christian an Deck zu unterstützen.

Kein Urlaub, stattdessen Werftarbeit

Harte Arbeit, mehrere Jobs gleichzeitig und immer neue Reparaturen - all das ist auf dem Wasser schnell vergessen. © NDR/Johanna Jannsen
Harte Arbeit, mehrere Jobs gleichzeitig und immer neue Reparaturen - all das ist auf dem Wasser schnell vergessen.

Für das Paar beginnt die Saison bereits im Winter. Mithilfe von Stahlseilen ziehen sie das 60 Tonnen schwere Segelschiff aus der Flensburger Förde, um einen klaren Blick auf die Außenhülle zu bekommen. Sie hoffen, dass es keine unangenehmen Überraschungen gibt, da sie größere Reparaturen in ihrem ersten Jahr als neue Eigentümer nicht bezahlen könnten. Es ist ein aufregender Moment, denn Christian weiß, wie viel Arbeit ein altes Schiff mit sich bringen kann.

Einfach mal das Handy auslassen

Rund 30 Jahre war die "Albin Köbis" als Fischkutter auf der Ostsee unterwegs, bevor der Umbau zum Segelschiff folgte. © NDR/Johanna Jannsen
Rund 30 Jahre war die "Albin Köbis" als Fischkutter auf der Ostsee unterwegs, bevor der Umbau zum Segelschiff folgte.

Im Frühling ernten Ela und Christian die Früchte ihrer arbeitsintensiven Winterzeit, wenn sie mit den ersten Gästen der Saison von ihrem Heimathafen Flensburg Richtung Dänemark segeln. "Hier draußen auf dem Wasser kann ich meine Probleme an Land lassen und den Kopf freibekommen", erklärt Bootsmann Kjell, während er das 18 Meter lange Holzschiff mit Blick auf Sonderburg manövriert. Der 16-Jährige hat eine Reise für seine Freunde organisiert und hofft, sie endlich für das unbeschwerte Gefühl des Segelns begeistern zu können. Selbstverpflegung, Gemüseschneiden unter freiem Himmel und das Schlafen in den engen Kojen gehören zur Erfahrung dazu.

An Land ankommen

Pauken für den Sportbootführerschein: Ela möchte in der kommenden Saison noch mehr Verantwortung an Board übernehmen. © NDR/Johanna Jannsen
Pauken für den Sportbootführerschein: Ela möchte in der kommenden Saison noch mehr Verantwortung an Board übernehmen.

"Waldbaden" und "das Salz abspülen" gelingen Christian am besten auf dem Hof seiner Eltern. Im Nordosten von Flensburg, auf dem Land in Angeln, haben er und Freundin Ela ihren Ankerpunkt gefunden. Dort verbringen sie Zeit an Land, holen eingekochte Marmeladen für ihre Gäste ab und treffen Freunde, für die sie in der hektischen Saison von April bis Oktober nur wenig Zeit haben. Die Stunden auf festem Boden sind umso wertvoller.

"die nordstory" begleitet Ela und Christian über zwei Jahre und beobachtet die Herausforderungen, denen sie sich mit ihrem historischen Traditionssegler stellen müssen. Die Reportage taucht dabei ein in das Leben der beiden Flensburger und zeigt die "Albin Köbis" beim größten Gaffelsegler-Event Nordeuropas: der Rumregatta in Flensburg.

Autor/in
Johanna Jannsen
Produktionsleiter/in
Karin Hauschildt
Redaktion
Katrin Glenz
Das Logo von #NDRfragt auf blauem Hintergrund. © NDR

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