die nordstory - Die "Peking" fährt heim

Vom East River an die Elbe

Dienstag, 15. September 2020, 14:15 bis 15:15 Uhr

Durch vier Jahrzehnte Liegezeit am East River gleich neben der Brooklyn Bridge in Manhattan ist der alte Hamburger Großsegler Flying P-Liner "Peking" zum Wahrzeichen in New York geworden. Und nun soll das Schiff dort weg? Die New Yorker Nachbarn sind sprachlos. Joachim Kaiser und Detlev Löll sind aus Hamburg gekommen, um die schwimmende Legende abzuholen.

Von der Salpeterfahrt zum Schul- und Museumsschiff

Die Geschichte der "Peking" begann im Jahr 1911. Bei Blohm + Voss wurde die Viermastbark für die Laeisz-Reederei gebaut und über 20 Jahre lang in der für Hamburgs Wachstum so wichtigen Salpeterfahrt eingesetzt. 34 Mal segelte sie um Kap Hoorn, ehe sie 1932 als Schulschiff nach England und 1975, da bereits im Schlepp, zum South Street Seaport Museum nach New York kam. Und jetzt geht es wirklich noch einmal über den Atlantik? Nach 40 Jahren ohne Generalüberholung? Eigentlich undenkbar!

Magnet des zukünftigen Deutschen Hafenmuseums

Doch bald soll die "Peking" in Hamburg spektakulärer Magnet des zukünftigen Deutschen Hafenmuseums werden. Der Haushaltsausschuss des Deutschen Bundestags hatte im November 2015 die Mittel dafür bereitgestellt. Aber wie soll das Schiff nur an den Ort seines Stapellaufs zurückkommen? Es war doch nahezu schrottreif, ein "Seelenverkäufer" am Kai.

Segler muss zunächst auf die Werft in New York

Zunächst muss der Segler auf eigenem Kiel von Manhattan nach Staten Island über die New Yorker Upper Bay in die Werft gegenüber. Dazu sind zwei Spezialisten aus Hamburg gekommen: Joachim Kaiser und Detlev Löll gehen unter Deck, sichten die Schätze und Schwachstellen, denn die "Peking" hat mehr als ein Leck. Aber wenn der Wind nicht zu stark wird, die Fahrt nicht zu lange dauert, dann sollte sie zumindest auf den paar Seemeilen nicht kentern.

Die "alte Dame" wird monatelang instand gesetzt

Auf der Caddell-Werft in Staten Island wird die "alte Dame" abgetakelt. Jetzt sind es die Werftarbeiter aus Puerto Rico, die schweißen und staunen: Das marode Schiff soll tatsächlich zurück nach Deutschland? Geht das gut? Über Monate wird aufgeräumt und ausgemistet, genug Zeit, um mit dem Schiff Freundschaft zu schließen.

Atlantikpassage ist eine Herzensangelegenheit

Dann wartet das Dockschiff. Die "Combi Dock III" von der Bremer Combi Lift Reederei liegt in der Upper Bay, bereit, den alten Segler aufzunehmen. Die Bremer Ingenieure und Hamburger Schiffbauer überlegen jetzt gemeinsam, wie das Schiff-ins-Schiff eingeschwommen, wie es atlantikfest gesichert werden kann. Joachim Kaiser wird die Atlantikpassage begleiten und lässt die "Peking" nicht mehr aus den Augen. Aber es ist der ukrainische Kapitän der "Combi Dock III", Dmytro Poteshkin, der die Verantwortung auf dem Ozean hat. Auch für ihn ist dieser Transport eine Herzensangelegenheit, kommt er doch aus der ukrainischen Seefahrtshauptstadt Cherson und hat sein Handwerk auf der "Towarischtsch", der ehemaligen "Gorch Fock I" gelernt.

Geschichte
Schwarzweiß-Aufnahme der Stahlbark "Peking" in der Elbmündung, im Hintergrund ein Dampfschiff. © dpa Foto: Hans Hartz

"Peking": Die Geschichte des Flying P-Liners

1911 in Hamburg gebaut, fährt die "Peking" bis 1932 als Frachtsegler über die Meere. Seit 2020 ist sie zurück im Heimathafen. mehr

Auch auf der Fahrt über den Atlantik ist der NDR dabei. Die "Combi Dock III" weicht mit ihrer kostbaren Fracht erfolgreich jeder schweren Dünung, allen ungünstigen Winden aus, die "Peking" wird wie ein Augapfel von der ganzen Crew gehütet und erreicht am 30. Juli 2017 die Elbmündung, zum ersten Mal seit 1932. Als sie auf eigenem Kiel in die Peters Werft in Wewelsfleth überführt wird, sind viele Menschen aus Norddeutschland dabei.

Restaurierung in der Peters Werft

Mit dem Mastenziehen beginnt die Restaurierung in der Peters Werft, dann wird die "Peking" in eine Art Privatgarage gezogen, sie bekommt für bis zu zwei Jahre ein Dock und ein Dach. Und jetzt geht es eigentlich erst richtig los: Das marode Holz des Oberdecks kommt heraus, der Rumpf und die Stahlträger werden vom Rost befreit, bis nur noch ein Gerippe übrig bleibt. Und jeden Dienstag kommen Joachim Kaiser und Detlev Löll und gucken, was mit der "Peking" passiert.

Die "Peking" war, so schien es, nur noch reif für den Hochofen. Mit dem jüngsten Kapitel, mit der Heimkehr nach Deutschland findet eine geradezu märchenhafte Geschichte ihre Fortsetzung.

Hintergrund
Die "Passat" vor Travemünde. © picture alliance / dpa Foto: Angelika Warmuth

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Redaktion
Birgit Schanzen
Produktionsleiter/in
Edgar Rygol
Autor/in
Ulrich Patzwahl