die nordstory - Alte Kanäle in Schleswig-Holstein

Freitag, 21. August 2020, 20:15 bis 21:15 Uhr

Kanäle waren Lebensadern und technische Meisterwerke ihrer Zeit und haben in Schleswig-Holstein, dem Land zwischen den Meeren, schon immer eine wichtige Rolle gespielt. Ohne sie wäre, in einer Zeit, in der es deutlich weniger Straßen gab als heute, vieles buchstäblich auf der Strecke geblieben. Im Laufe der Jahrzehnte sind einige der Kanäle aber fast in Vergessenheit geraten.

Die nordstory macht eine Reise entlang der Kanalufer und erzählt die Geschichten der Menschen, die heute dort leben.

Ohne Schiffe kein Zement: Der Breitenburger Kanal

Fast 100 Jahre lang war der zehn Kilometer lange Kanal die Lebensader für die Zementindustrie im Kreis Steinburg. Bis zu 3.000 Schiffe pro Jahr waren dort unterwegs, zwischen der Stör und den Fabriken in und um Lägerdorf. Sie brachten Rohstoffe und transportierten den fertigen Zement ab. Ende des 19. Jahrhunderts zogen die Kanalschiffer ihre Holzkähne mit Muskelkraft vom Ufer aus ans Ziel. Die letzten Schiffe auf dem Kanal waren 1974 motorisierte Öltanker. Gut ausgebaute Straßen und die Eisenbahn machten den Breitenburger Kanal überflüssig, das Kapitel der Binnenschifffahrt ging zu Ende. Seitdem holt sich die Natur den Kanal Stück um Stück zurück.

Und dann kam der Bagger: Ein Leben am Kanal

Waltraud Marquardt ist im Schleusenwärterhäuschen direkt an der Münsterdorfer Schleuse aufgewachsen, ihr Vater war jahrzehntelang Schleusenwärter. Sie hat den Kanal im Wandel der Zeit erlebt und erzählt aus ihrem Leben am Wasser und vom plötzlichen Ende des Kanals als befahrbare Wasserstraße. Als junges Mädchen hat sie in den 1960er-Jahren die Schiffe geschleust, wenn ihr Vater nicht zu Hause war. 2011 wurde der Kanal endgültig unpassierbar, da das äußere Schleusentor durch ein festes Bauwerk aus Beton ersetzt wurde.

Marode Schleuse, und jetzt? Der Achterwehrer Schifffahrtskanal

Wer bei Quarnbek im Kreis Rendsburg-Eckernförde vom Nord-Ostsee-Kanal nach Süden abbiegt, landet vor der maroden Schleuse Strohbrück. Eine große Warntafel zeigt der Schifffahrt an, dass es hier nicht weitergeht. Früher waren auf der drei Kilometer langen Wasserstraße zwischen Eider und Nord-Ostsee-Kanal vor allem Getreidetransportschiffe unterwegs. Seit vor knapp 20 Jahren ein Schleusentor stark beschädigt wurde, ist der Achterwehrer Schifffahrtskanal "vorübergehend gesperrt". Was mit ihm passiert, steht noch nicht fest. Inzwischen ist der Kanal zu einem Geheimtipp für Kanufahrer geworden. Ausgangspunkt für viele Touren ist der alte Kornspeicher in Achterwehr, der eine bewegte Geschichte hinter sich hat. Die nordstory zeigt, wie aus der Ruine wieder ein schmuckes Stück Kanalgeschichte wurde.

Jules Verne in Schleswig-Holstein

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Autor Frank Trende war schon als Schüler fasziniert von den Romanen des französischen Autors Jules Verne.

Der Nord-Ostsee-Kanal feiert in diesem Jahr sein 125-jähriges Bestehen. Dabei gerät fast in Vergessenheit, dass schon 100 Jahre früher eine Wasserstraße Nord- und Ostsee verband. Der Eiderkanal war als Vorläufer des Nord-Ostsee-Kanals seit 1784 in Betrieb. Wer damals den langen Weg um das Skagerrak sparen wollte, nahm von der Nordsee kommend die Eider bis Rendsburg und fuhr auf dem Eiderkanal weiter bis nach Kiel. 1881 schipperte der französische Autor Jules Verne auf dem Eiderkanal durch Schleswig-Holstein. Sein Bruder, Paul Verne, hat einen eindrücklichen Reisebericht über die Fahrt verfasst. Die nordstory macht eine Zeitreise auf den Spuren der Verne-Brüder.

Ratgeber Reise

Jahrhundertbau Nord-Ostsee-Kanal

Der Bau des Nord-Ostsee-Kanals schlägt nicht nur politisch Wellen. Auch die technische Herausforderung ist immens. In acht Jahren errichten Ingenieure und Arbeiter ein Jahrhundertbauwerk. Ein Dossier. mehr

Autor/in
Nikolai Hotsch
Produktionsleiter/in
Angela Hennemann
Redaktion
Katrin Glenz
Andrea Jedich
Leitung der Sendung
Norbert Lorentzen