Die Nordreportage: Kleiner Grasbrook

Die Nordreportage: Kleiner Grasbrook - Hamburgs vergessener Stadtteil im Aufbruch

Montag, 18. Januar 2021, 18:15 bis 18:45 Uhr
Mittwoch, 20. Januar 2021, 11:30 bis 12:00 Uhr

Direkt gegenüber der Elbphilharmonie befindet sich der Stadtteil Kleiner Grasbrook. Noch sind hier hauptsächlich hafennahe Unternehmen angesiedelt, doch das Viertel wandelt sich. Junge Kreative entdecken die Elbinsel für sich. Es soll sogar ein neues Wohnviertel entstehen. Der Film ermöglicht einen Einblick in die unbekannte Nachbarschaft, die es so nur im Norden geben kann.

Die Firma Prahl & Barsoe ist eine der vielen Firmen auf dem Kleinen Grasbrook. Hier werden pro Tag etwa 40 Containerladungen umgeschlagen. Im Teelager der Firma befinden sich knapp 3.000 Tonnen Grün- und Schwarztee. © NDR/DHF Media GmbH
Im Teelager der Firma Prahl & Barsoe befinden sich knapp 3.000 Tonnen Tee.

Claas Bartels bewegt täglich etwa 40 Containerladungen. Seine Firma Prahl & Barsoe schlägt Stückgut aus der ganzen Welt um. Ein zweites Standbein ist das Teelager, in dem auch Mischungen aus Grün- und Schwarztee hergestellt werden. Knapp 3.000 Tonnen Tee lagern hier aktuell. Bartels liebt das Hafenflair und die rauen, aber sehr herzlichen Menschen hier. Sein Tag beginnt um sechs Uhr morgens. Selten sitzt er in seinem Büro im vierten Stock und genießt die Aussicht auf die Elbphilharmonie, meist ist er unten im Lager und an der Rampe, an der die Lkws ankommen, und kontrolliert, ob alles läuft. Denn jeder zusätzliche Tag, an dem die Waren bei ihm lagern, kostet seinen Kunden viel Geld. Schnell rein und schnell raus, so lautet seine Devise.

Ein Traditionssegler fährt ins Winterquartier

Die "Melpomene" gehörte einst Hamburgs erster Schipperin. Der sogenannte Besan-Ewer transportiere bis in die 1960er-Jahre Fracht von Seeschiffen über die Elbe in verschiedene Binnenhäfen. Heute wird die "Melpomene" von einem Verein in Schuss gehalten und als Ausbildungsschiff genutzt, um das traditionelle Segelhandwerk an junge Leute weiterzugeben. © NDR/DHF Media GmbH
Carla Enchelmaier und ihr Team werden den Traditionssegler "Melpomene" ins Winterquartier überführen.

Das Hafenmuseum liegt nur einen kurzen Spaziergang entfernt. Hier bereiten Carla Enchelmaier und ihre Crew den Traditionssegler "Melpomene" für die Fahrt in sein Winterquartier vor. Denn die gefährlichen Winterstürme stehen vor der Tür. Deshalb müssen die beiden Masten der "Melpomene" umgelegt werden, sonst passt das Schiff nicht unter den Brücken hindurch. Das alles per Hand, ohne Kran. Tide und Wetter passen. Wenn das Schiff muss an diesem Tag in einen ruhigen Hafen in der Dove Elbe gebracht werden, sonst könnte es zu spät sein. Für Carla Enchelmaier ist die Fahrt ins Winterquartier durch den Hansahafen und die Norderelbe immer wieder bewegend. Diesmal erwartet sie sogar eine Überraschung.

Bei ihrer Fahrt passiert die "Melpomene" auch den Spreehafen in Harburg. Hier liegen mehrere historische Schiffe am Ponton. Auf einem Lieger hat die renommierte Maskdesignerin Pia Norberg ihr Atelier. Normalerweise hätte sie jetzt internationale Jobs in der Maskenbildnerei, aber wegen Corona bleibt sie an der Elbe. Pia Norberg versucht, das Beste aus den weggefallenen Aufträgen zu machen: Sie nutzt die freie Zeit, um Perücken auszubessern, an neuen Entwürfen zu arbeiten und Probe zu schminken.

Ein Plausch über die Liebe zum Kleinen Grasbrook

Georg Albinus ist Bootsbauer und Rigger. Er macht die historische MS Süderelbe winterfest. Das ehemalige Inspektionsfahrzeug aus dem Hamburger Hafen wurde im Jahr 2004 von einem Verein komplett restauriert und ist komplett funktionsfähig. © NDR/DHF Media GmbH
Georg Albinus ist Bootsbauer und Rigger. Er macht die historische MS "Süderelbe" winterfest.

Gleich nebenan wird auch gearbeitet. Auf dem ehemaligen Inspektionsfahrzeug "Süderelbe" repariert Georg "Schorsch" Albinus das Skylight und die Fenster. Auch er arbeitet gegen die Zeit und muss rechtzeitig vor dem nasskalten Winterwetter fertig werden. Bei einem Kaffee plaudern Pia Norberg und "Schorsch" Albinus über ihre Liebe zum Kleinen Grasbrook.

Der Film zeigt den Stadtteil aus dem Blickwinkel der Protagonisten. Durch sie wird deutlich, was das Viertel südlich der Elbe einzigartig und liebenswert macht.

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Produktionsleiter/in
Virginia Maassen
Redaktion
Birgit Schanzen
Autor/in
Sylvie Hoschke