Berühmte Weihnachtslieder und ihre Geschichte

Sendedatum: 21.12.2020 18:45 Uhr

Zu Weihnachten gehören Weihnachtsbaum und Weihnachtslieder - sagen fast zwei Drittel der Deutschen. Ein Weihnachts-Hit aus dem 19. Jahrhundert führt in ein kleines Dorf bei Wolfsburg.

von Sabine Knor

"Morgen kommt der Weihnachtsmann" gehört, wie "Oh Tannenbaum", zu einem der beliebtesten Weihnachtslieder der Deutschen. Gedichtet übrigens von Heinrich Hoffmann von Fallersleben 1835. August Heinrich Hoffmann, geboren Ende des 18. Jahrhunderts im kleinen Dorf Fallersleben, heute ein Stadtteil von Wolfsburg, Professor für Germanistik, galt als einer der kreativsten und politisch unbequemsten Köpfe seiner Zeit.

Bürgertum entdeckt Familie als Kern ihrer Identität - und inspiriert Hoffmann von Fallersleben

Die Biedermeier-Zeit beeinflusst Hoffmann von Fallersleben und die Dichtung des berühmten Weihnachtsliedes. Damals entwickelt sich nämlich das ganze Spektrum des weihnachtlichen Brauchtums: Vom Weihnachtsbaum über das Ritual der Geschenke bis zur familiären Idylle. Die bürgerliche Familienstruktur ist patriarchalisch, der Mann das Oberhaupt der Familie; der Wirkungskreis der Frau gilt dem Haushalt. Eine Zeit, in der das Bürgertum die Familie als Kern ihrer Identität entdeckt. Die Bürger gewinnen im Biedermeier Geld und Ansehen, haben allerdings keinerlei politisches Mitspracherecht. "Deshalb ziehen sie sich in die eigenen vier Wände zurück und schätzen das häusliche und private Glück. Die Wohnung wird zum Mittelpunkt des Lebens" - so wird es in "Lebensweise und Kultur der Biedermeier-Zeit" beschrieben.

Melodie des Weihnachtsliedes hat internationale Wurzeln

Neben dem Rückzug ins Private gewinnen auch Kaffeehäuser und Theater an Bedeutung. Musik wird wesentlicher Bestandteil des kulturellen Lebens, insbesondere die Volksmusik erlebt im Biedermeier einen neuen, auch internationalen Aufschwung. Und so geht die Melodie des Weihnachtsliedes "Morgen kommt der Weihnachtsmann" auf ein französisches Kinderlied zurück. Schon Mozart kennt es und in Großbritannien ist es noch heute ein Schlaflied. Fallersleben versetzt sich darin in die, zu der Zeit noch militärisch geprägte, Wunschwelt eines Jungen. Eine Trommel, ein Kindergewehr und möglichst viele Zinnsoldaten. Gleichzeitig versammelt sich offenbar die ganze Familie, "Kind, Vater und Mama, und sogar der Großpapa", zum Weihnachtsfest. So heißt es im Originaltext von Hoffmann von Fallersleben noch:

Trommel, Pfeife und Gewehr,
Fahn und Säbel und noch mehr,
Ja ein ganzes Kriegesheer,
Möcht’ ich gerne haben.

Kein Happy End für den kritischen Dichter

Hoffmann von Fallersleben teilt mit vielen kritischen Geistern die nationalliberale Stimmung dieser Zeit, verliert dafür seine Professur in Breslau und führt daraufhin ein unstetes Wanderleben. Er träumt aber weiter von einem einigen und freiheitlichen Deutschland und fasst diese Sehnsucht im "Lied der Deutschen" zusammen - und wird damit später zur Legende. Sein irdisches Leben endet mit 75 Jahren in Corvey, heute Höxter: Er stirbt, in der Zwischenzeit rehabilitiert, nach mehreren familiären Schicksalsschlägen an einem Schlaganfall.

"Oh Tannenbaum" eine germanische Baumkult-Hymne?

Wer den Weihnachtsbaum in der Geburtsgeschichte Jesu sucht, wird ihn dort nicht finden. Die Symbolik des Baumes spielt vor allem in Weihnachtsliedern eine besondere Rolle: "Der Text von 'Oh Tannenbaum' beispielsweise erinnert mehr an eine antike germanische Baumkult-Hymne als an christliche Weihnachtsfrömmigkeit", schreiben Simone und Claudia Paganini in ihrem Buch "Von wegen Heilige Nacht. Der große Faktencheck zur Weihnachtsgeschichte". Am 21.Dezember bei DAS! zu Gast.

Auf der Suche nach den Ursprüngen der Weihnachtsbaum-Tradition

Auf der Suche nach den Ursprüngen der Weihnachtsbaum-Tradition wird man nicht in der Bibel, auf den ersten Blick aber, so scheint es, im Koran fündig. Der Baum war allerdings: eine Palme. Maryam (Arabisch für "Maria") wird von den Wehen überrascht und lehnt sich an einen Baum. Und dort, unter dem Schatten spendenden (Weihnachts)-Baum, kommt Isa (arabisch für Jesus) zur Welt. Dass immergrüne Pflanzen in den Wintermonaten auf die Rückkehr des Frühlings hoffen lassen, bewegte auch schon die Ägypter, dann die Griechen, die Römer und auch die alten Kulturen des Nordens. Nordmänner und Germanen schmückten ihre Häuser mit Tannenzweigen, um die Wintergeister zu vertreiben.

Auf Umwegen über Adam, Eva und den Paradiesbaum zur Weihnachtsgeschichte

"Ab dem Mittelalter begann man in der Kirche, um das ungebildete Volk zu unterrichten, nämlich damit, biblische Szenen darzustellen. Beliebt war die Geschichte von Adam und Eva im Paradies. Für die Paradiesgeschichte brauchte man natürlich einen „Paradiesbaum“. Dieser musste immergrün sein – es musste also ein Nadelbaum her. Als Frucht der Erkenntnis musste zunächst ein roter Apfel herhalten. Die Geburtsstunde des späteren Weihnachtsbaumes", erklären Simone und Claudia Paganini in "Von wegen Heilige Nacht. Der große Faktencheck zur Weihnachtsgeschichte"

Geburtsstunde des Weihnachtsbaumes - eine christliche Erfindung?

Den grünen Baum mit dem Apfel nutzte man also ursprünglich nicht, um die Weihnachtsgeschichte, sondern die Geschichte von Adam und Eva und der Schlange zu erzählen. Aus dem Paradiesbaum entwickelte sich im Laufe der Zeit eine Verbindung zur Weihnachtsgeschichte - die Geburtsstunde des später mit goldenen Nüssen, Gebäck und Kugeln geschmückten Weihnachtsbaumes. Paganinis kommen zu dem Schluss: Der Weihnachtsbaum ist eine christliche Erfindung. Vor allem aber ist er, religionsübergreifend, ein Symbol der Hoffnung.

Weitere Informationen
Ein Mädchen zündet die erste Kerze an einem Adventskranz an © picture alliance / dpa Foto: Patrick Pleul dpa/lbn

Warum ein Theologe den Adventskranz erfunden hat

Der Hamburger Johann Hinrich Wichern soll 1839 erstmals einen großen Kranz gebastelt haben - zunächst mit 23 Kerzen. mehr

Zwei Männer im klassischen Nikolaus-Gewand mit Mitra und Bischofsstab. © dpa Foto: Felix Kästle

Warum bringt der Nikolaus Geschenke?

Wer artig war, hat am 6. Dezember eine süße Überraschung im Stiefel. Woher kommt der Nikolaus-Brauch und wer war der Heilige? mehr

Dieses Thema im Programm:

DAS! | 21.12.2020 | 18:45 Uhr

JETZT IM NDR FERNSEHEN

Nordmagazin 03:15 bis 03:45 Uhr