Holocaust - Die Geschichte der Familie Weiss (1)

Die hereinbrechende Dunkelheit

Montag, 07. Januar 2019, 22:00 bis 00:15 Uhr

Im Berlin des Jahres 1935 feiern Karl Weiss und Inga Helms Hochzeit. Nach den Nürnberger Gesetzen, die wenig später erlassen werden, gilt ihre Ehe als "Rassenschande", denn Karl Weiss ist Jude. Trotz der Repressalien, denen die sogenannten "Mischehen" ausgesetzt sind, kann sich die Familie Weiss nicht dazu entschließen, Nazideutschland zu verlassen. Trotz der Barbarei, die immer mehr Gestalt annimmt, empfindet man sich als deutsche Staatsbürger und macht sich keine Vorstellung vom zukünftigen Schrecken.

Der junge arbeitslose Jurist Erik Dorf tritt als persönlicher Referent in die Dienste von Reinhard Heydrich, der die ersten Terrormaßnahmen gegen Juden einleitet.

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Karl Weiss (Fritz Weaver) wird nach Polen deportiert und muss sich von seiner Frau (Rosemary Harris) verabschieden.

Nach der Pogromnacht spitzen sich die Ereignisse zu: Karl Weiss wird verhaftet und kommt in das KZ Buchenwald. Sein Vater, der Arzt Dr. Josef Weiss, wird nach Polen deportiert. Seine Tochter Anna wird nach dem Schock einer Vergewaltigung Opfer des Euthanasie-Programms. Die Eltern von Frau Weiss nehmen sich das Leben. Der junge Rudi Weiss kann in die Tschechoslowakei fliehen.

Über die US-Serie "Holocaust"

1979 bewirkte die vierteilige US-amerikanische Serie "Holocaust" einen Gefühlszusammenstoß des westdeutschen Fernsehpublikums mit seiner eigenen Vergangenheit. Die Zuschauerinnen und Zuschauer reagierten vehement und voller Erschütterung auf das Schicksal der Familie Weiss und straften alle jene Vorabkritiker Lügen, die die Serie als abgefeimten Hollywoodkitsch ablehnten und die Zuschauerinnen und Zuschauer partout vor dieser Massenware bewahren wollten.

"Holocaust", so die These der Publizistin und Filmregisseurin Jutta Brückner, wurde zum Ereignis, weil es die Tabuzone um die Konzentrationslager gebrochen hat. "Die Serie bediente sich der bekannten Muster der Identifikationsdramaturgie in einer vertrauten filmischen Formsprache und sie zeigte den Gang in die Gaskammer. Damit erreichte "Holocaust", dass die Juden endlich zu Menschen wurden, über deren Schicksal die deutschen Zuschauer mit großer historischer Verspätung weinten." Die Serie war wie ein riesiger Dammbruch, der eine Flut von Büchern, Filmen, Erinnerungen und Selbstzeugnissen auslöste.

Das Tabu um die Person Hitler wenigstens ein Stück weit, nämlich für die letzten zwölf Tage des Dritten Reichs, einzureißen, blieb Eichingers "Untergang" vorbehalten. Wichtige Vorarbeit bei dieser Emotionalisierung geleistet zu haben, kann die US-Serie "Holocaust" für sich in Anspruch nehmen.

Hintergrund

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Produktionsland
USA
Produktionsjahr
1978
Schauspieler/in
Fritz Weaver als  Dr. Josef Weiss
Rosemary Harris als  Berta Palitz-Weiss
James Woods als  Karl Weiss
Meryl Streep als  Inga Helms-Weiss
Ian Holm als  Heinrich Himmler
Anthony Haygarth als  Heinz Müller
Michael Moriarty als  Erik Dorf
Sam Wanamaker als  Moses Weiss
Tom Bell als  Adolf Eichmann
George Rosener als  Lowy
Marius Goring als  Heinrich Palitz
Tovah Feldshuh als  Helena Slomova
Robert Stephens als  Uncle Kurt Dorf
Joseph Bottoms als  Rudi Weiss
Deborah Norton als  Marta Dorf
John Rees-Osborne als  Colonel Arthur Nebe
Regie
Marvin J. Chomsky
Autor/in
Gerald Green
Kamera
Brian West
Musik
Morton Gould
Redaktion
Diana Schulte-Kellinghaus