Ein Leben für die Traumfabrik

Sonntag, 14. Juli 2019, 00:25 bis 01:55 Uhr

Seit den 1950er-Jahren war er einer der größten Filmproduzenten Europas: Artur Brauner, der am 7. Juli 2019 im Alter von 100 Jahren verstorben ist.

Brauner produzierte Hunderte Filme, darunter viele erfolgreiche Unterhaltungsstreifen der deutschen Nachkriegszeit. Die Erlöse steckte Brauner, der den Holocaust überlebt hatte, in anspruchsvolle Stoffe wie "Die weiße Rose" oder "Hitlerjunge Salomon". Zeitlebens widmete sich Brauner in seinen Filmen den Themen Judenverfolgung in Europa und im Dritten Reich sowie dem Holocaust.

Eine Oscar-Auszeichung

1972 wurde das von ihm produzierte Faschismusdrama "Der Garten der Finzi Contini" von Regisseur Vittorio de Sica mit dem Oscar für den besten fremdsprachigen Film ausgezeichnet.

Artur "Atze" Brauner war bis ins hohe Alter als Produzent und Unternehmer aktiv und als Mitglied der Berliner Kulturszene präsent.

Aus Anlass seines Todes zeigt das NDR Fernsehen den Dokumentarfilm "Ein Leben für die Traumfabrik" von Michael Strauven aus dem Jahr 1998. Der Film gibt einen sehr persönlichen Einblick in Artur Brauners bewegtes Leben und zeigt zahllose Ausschnitte aus seinen bekanntesten Filmen, unter anderem mit Romy Schneider, Heinz Rühmann, Hans Albers und O.W. Fischer.

Artur Brauner: Er war die Symbolfigur des "Schnulzenkartells"' von "Opas Kino", der spiritus rector der jüdischen Gemeinde zu Berlin, "Atze" der Partylöwe, der Hobbysänger, die Betriebsnudel, Träger des Bundesverdienstkreuzes.

Seine berühmtesten Filme im Rückblick

Der Film ist voller Erinnerungen an seine berühmtesten Filme vom "Schwarzwaldmädel" mit Sonja Ziemann bis zu "Der brave Soldat Schwejk" mit Heinz Rühmann, dazu Ruth Leuwerik, Curd Jürgens, Maria Schell, Caterina Valente und viele andere Stars.

Der Film zeigt Artur Brauner in Aktion, wie er von Termin zu Termin hetzte. In seinem Arbeitszimmer fanden sich getürmt auf Teppich, Sesseln, Tischen, Hockern, Regalen mindestens 40 Papierberge mit neuen Filmprojekten. Allabendlich nervte er seine Sekretärin mit produktiver Rastlosigkeit bis in die tiefe Nacht, allmorgendlich warf er sich in Schale und legte von Neuem los, ungebrochen. Wenn es keinen Termindruck gab, dann wurde er geschaffen: ein Flug nach Israel oder auch nach Kitzbühel oder Hollywood, eine Konferenz mit den Altvorderen der Filmbranche, mal eine hastig ins Diktiergerät gesprochene Filmszene ("Arbeit an Drehbüchern") und immer wieder Öffentlichkeit. Da wurde mit privater Zeitungsanzeige in der "New York Times" öffentlich die Frage nach dem Verhalten der Alliierten zur Vernichtung der Juden im Nationalsozialismus gestellt, da wurde für ein Denkmal für Marlene Dietrich gekämpft, da wurde er hauseigene Artur-Brauner-Filmpreis vergeben.

Manchmal sang er Sentimentales

Manchmal überfiel ihn ein wehes Einhalten, dann bemerkte er gern, wie der oder der " ... aber alt geworden ist", dass die Jahre vergehen. Dann sang er gern Sentimentales. So hat er in Berlin ein Konzert gegeben im Szenetreffpunkt Bar Jeder Vernunft, hat einen ganzen Abend lang vor einer hingerissenen Fangemeinde jüdische, russische, rumänische Folklore gesungen, mit großer Begleitung, mit entschlossener Gestik und mit falschen Tönen, er konnte nicht richtig singen, die vielen Freunde jauchzten vor Vergnügen.

Ein sehr persönliches Porträt

Das Porträt von Michael Strauven begleitet den interessanten Mann Artur Brauner, wie er sonst nie zu sehen war, bildet seinen Alltag ab, hetzt der Rastlosigkeit hinterher und blickt dahinter.

Redaktion
Dagmar Filoda
Regie
Michael Strauven
Autor/in
Michael Strauven
Produktionsleiter/in
Wulf Biber
Redaktionsleiter/in
Volker Zielke
Redaktion
Biemann, Barbara