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Milliardengeschäft Inkasso: Die Geldeintreiber und ihre Opfer

Montag, 29. April 2019, 22:00 bis 22:45 Uhr

Ein Stempel mit der Aufschrift "Inkasso" steht auf verschiedenen Geldscheinen. © picture alliance/dpa-Zentralbild Foto: Sascha Steinach

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Mit den Schulden kommen die Inkassoforderungen. Wer die Raten nicht bezahlen kann, dem flattern immer neue beängstigende Briefe ins Haus. Da ist man schnell mit dem doppelten und dreifachen der eigentlichen Forderung in den Miesen. So wie Anke R. geht es vielen. Sie schätzt, dass ein Drittel ihrer Schulden allein Inkassogebühren sind. Sie hat eine lange Schuldnerkarriere hinter sich, ohne eigenes Zutun.

Ihr Mann scheiterte als Freiberufler, wurde krank, verließ die Familie und weigerte sich, Unterhalt zu zahlen. Anke R. blieb mit den Schulden zurück. Obwohl sie als Finanzbeamtin im gehobenen Dienst gut verdient, wuchsen ihr die Schulden über den Kopf. "Den Kindern habe ich gesagt, sie sollen, wenn es klingelt, nicht aufmachen. Weil ich Angst hatte, dass draußen die Leute vom Inkassounternehmen stehen."

Ein lukratives Geschäft

Für die Inkassoindustrie ist das ein extrem lukratives Geschäft. Rund fünf Milliarden Euro setzt sie in Deutschland jährlich um, Tendenz steigend. Denn der Onlinehandel und ein wachsender Konsum bringen immer mehr unbezahlte Rechnungen mit sich. Schon heute sind knapp sieben Millionen Deutsche überschuldet: jeder zehnte Erwachsene.

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Dabei sind bei weitem nicht alle Inkassoforderungen rechtens. Häufig finden sich Rechnungen mit Fantasiegebühren, überhöhten Zinssätzen und mehrfach gestellte Forderungen. Oder Minderjährige werden illegal in Ratenzahlungen gedrängt, so wie es Christian G. ergangen ist. Mit 19 steckt der Auszubildende so tief im Schuldensumpf, dass er allein nicht mehr rauskommt.

Die "doppelte Ernte"

Besonders dubios: die sogenannte "doppelte Ernte". Auf eine offene Forderung hin mahnen sowohl ein Inkassobüro als auch eine Anwaltskanzlei. Da landet der Schuldner bei einer Forderung von 20 Euro schnell bei einem Gesamtbetrag von 150 Euro. Besonders erschreckend: Selbst große und bekannte Unternehmen sind an dieser Praxis beteiligt und versuchen mit allen Mitteln, eine Berichterstattung zu vermeiden.

Für seine aufrüttelnde Dokumentation ist Grimme-Preisträger Michael Richter durch die halbe Republik gefahren, um Schuldner zu treffen, die sich trotz Scham an die Öffentlichkeit trauen. Sein Film erzählt, wie eine Industrie für ihren Profit bewusst in Kauf nimmt, dass Menschen immer tiefer abrutschen. Auch weil die Gesetzeslage den Inkassounternehmen zu viel Spielraum lässt, das räumt sogar das verantwortliche Bundesministerium im Film ein. 

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Redaktionsleiter/in
Kathrin Becker
Redaktion
Kathrin Becker
Regie
Michael Richter
Autor/in
Michael Richter
Produktionsleiter/in
Tim Carlberg