Traumreise Götakanal - Mit dem Schiff durch Schweden

Sonntag, 06. September 2020, 20:15 bis 21:45 Uhr

Für viele ist es gerade in Corona-Zeiten ein Traum: einmal mit dem Schiff quer durch Schweden. Von Göteborg nach Stockholm. Ein Wasserweg von etwas mehr als 600 Kilometern, er verbindet die beiden größten Städte des Landes. Man nennt ihn landläufig den Götakanal, Schwedens Blaues Band, doch streng genommen macht der eigentliche Götakanal nur rund 190 Kilometer der Strecke aus, nämlich von Sjötorp nach Mem.

An vier Tagen durch den schwedischen Sommer

Auch heute noch ist der historische Kanal von 1832 das Herzstück des Wasserwegs. Erst recht, wenn man ihn mit einem der alten Kanaldampfer zurücklegt. Für den Film haben ARD-Skandinavien-Korrespondent Christian Stichler und Tatjana Reiff im Sommer 2018 an vier Tagen und drei hellen Nächten Passagiere und Crew an Bord der M/S Juno durch den schwedischen Sommer begleitet.

Die Strecke ist eine Herausforderung

Start der Reise ist Göteborg. Morgens um neun Uhr legt die Juno ab. Auf der Brücke ein Routinier: Kapitän Pierre Dacke. Er ist die Strecke schon mehr als 100 Mal gefahren. Und trotzdem ist sie mit ihren vielen engen Stellen immer wieder eine Herausforderung. Auch Kreuzfahrtleiterin Anna Lindvsll ist - obwohl erst Mitte zwanzig - auf dem Schiff fast schon zuhause. Es ist ihre siebte Saison auf dem Kanal. Angefangen hat sie schon als Schülerin.

Erster Höhepunkt: die Schleusentreppe von Trollhättan

Zunächst geht es über den Götaälv in Richtung Vänern, dem größten See Westeuropas. Die ersten Schleusen sind noch groß, ganze Frachtschiffe passen hinein. Langsam zieht die Festung Bohhus vorbei, oft belagert und doch nie eingenommen. Erster Höhepunkt der Reise ist die Schleusentreppe von Trollhättan. Ein Ortsname, der etwa so viel heißt wie "Trollhut". Hier klettert die Juno durch vier Kammern 32 Meter noch. Und die Schleuse ist im Sommer an jedem Mittwoch auch Treffpunkt von vielen Automobil-Veteranen. Schließlich haben die SAAB-Werke von Trollhättan Jahrzehnte lang Kultautos produziert.

Läckö - eines der schönsten Schlösser Schwedens

Seit fast 400 Jahren kaum verändert - Schloss Läckö am Vänersee. © NDR/Christian Stichler
Seit fast 400 Jahren kaum verändert - Schloss Läckö am Vänersee.

Am Abend von Tag eins erreicht die Juno schließlich den Vänern, an dessen südlichem Seeufer eines der schönsten Schlösser Schwedens liegt: Läckö. Mehr als 400 Jahre alt, hat es seine ursprüngliche Form stets behalten. Wir sind beim Mittsommerfest dabei, wenn die kürzeste Nacht des Jahres gefeiert wird.

Der Götakanal - ein kulturhistorisches Baudenkmal

Morgens um drei beginnt die Juno mit der Einfahrt in den eigentlichen Götakanal bei Sjötorp. 190 Kilometer, 58 Schleusen und 50 Brücken liegen jetzt vor den Reisenden. Der Kanal ist ein kulturhistorisches Baudenkmal und im Sommer ein wichtiger Wasserweg. Ab Sjötorp beginnt der langsame Teil der Reise. Oft könnte man zu Fuß auf den Treidelpfaden neben dem Schiff her spazieren. In Hajstorp macht die Juno kurz Halt vor der Kanalschmiede, in der ein junger Schmied die Kunst des Eisenformens bis heute am Leben hält.

Für Kapitän Dacke vielleicht die schönste Passage: der See Viken. Ein fast zauberhafter Ort, an dem Anna jedesmal singen muss, wie sie sagt - so märchenhaft schön sei dieser See mit seinen vielen Inseln. An Forsvik und der Festung Karlsborg vorbei geht es hinaus auf den schmalen Vätternsee. Hier ganz in der Nähe gibt es sogar ein kleines Weingut. Ein Ort, den man viel weiter südlich erwartet hätte.

Die Juno ist das älteste Passagierschiff auf dem Götakanal. © NDR/Christian Stichler
Die Juno ist das älteste Passagierschiff auf dem Götakanal.

Am Ende von Tag zwei erreicht die Juno Motala, die Kanalstadt am Vättern. Von hier aus wurde die Idee des Kanals vor fast 200 Jahren vorangetrieben. Inzwischen ist in vielen Schleusenwärterhäuschen neues Leben eingezogen. Eng verbunden ist hier der Sommer mit dem Rhythmus des Kanals. Die Juno hat den höchsten Punkt der Reise hinter sich. In Berg geht es über insgesamt 15 Schleusen rund 40 Meter hinunter zum See Roxen. Und am Ende von Tag drei sind schließlich die letzten Schleusenkammern von Mem erreicht.

Freie Fahrt in die Ostsee

Nun hat die Juno freie Fahrt hinaus auf die Ostsee. Durch die Schären vor Trosa geht es über Södertälje in den Mälarsee. An dessen Ufer liegt Schloss Drottningholm, die Residzenz des schwedischen Königs. Und gleich daneben das alte Theater, das noch heute mit der Technik aus dem Ende des 18. Jahrhunderts Bilder auf die Bühne zaubert. Nach vier Tagen und drei Nächten erreicht die M/S Juno mit ihren rund 50 Passagieren schließlich Stockholm. Eine Reise geht zu Ende, die gerade jetzt in Corona-Zeiten erst recht wie ein Traum anmutet.

Autor/in
Christian Stichler
Regie
Tatjana Reiff
Autor/in
Tatjana Reiff
Redaktion
Ralf Quibeldey
Produktionsleiter/in
Bettina Wieselhuber