Die Vergessenen

Judith Rakers bei den sozialen Opfern der Pandemie

Freitag, 04. Dezember 2020, 21:15 bis 21:45 Uhr
Samstag, 05. Dezember 2020, 08:30 bis 09:00 Uhr
Montag, 07. Dezember 2020, 04:40 bis 05:10 Uhr

Bei der diesjährigen NDR Benefizaktion "Hand in Hand für Norddeutschland" geht es darum, Menschen zu helfen, die durch die Corona-Pandemie ganz besonders in Not geraten sind.

Plattenbausiedlung Rotensee in Bergen auf Rügen. © NDR/Andreas Bell
In der Plattenbausiedlung Rotensee in Bergen auf Rügen leben rund 3.000 Menschen - abseits der Touristenwelt.

Judith Rakers nimmt die Zuschauer*innen mit zu denen, die keine laute Stimme haben. Zu Menschen, die schon vor Corona um ihre Existenz und um ihre Zukunft ringen mussten. Und jetzt erst recht. Sie trifft die vergessenen Opfer der Pandemie, hakt nach, was dringend benötigt wird, wie jetzt geholfen werden kann.

Corona prägt den Alltag

Das Coronavirus prägt den Alltag. Seit den drastischen Maßnahmen im März dieses Jahres hat sich das Leben für alle grundlegend verändert. Kurzarbeit, geschlossene Geschäfte, Hotels und Restaurants kämpfen ums Überleben. Hilfspakete wurden und werden weiter aufgelegt, große Unternehmen mit Milliardensummen unterstützt. Aber wer hilft denen, die in der zweiten Reihe stehen? Die schon vor der Pandemie mit viel Aufwand und wenig Hilfe über die Runden kommen mussten?

Jamie Lee, Bruder Thommes und die Oma der beiden, Carola Möller. © NDR/Andreas Bell
Die noch berufstätige Oma der beiden Teenager versucht zu helfen, wo und wie es nur geht.

In Bergen auf Rügen trifft Judith Rakers die elfjährige Jamie Lee. In der Zeit der weitgehenden Einschränkungen des öffentlichen Lebens hat das Mädchen kaum für die Schule gelernt. Einmal musste sie schon eine Klasse wiederholen. "Ich habe jeden Tag Mathe und Deutsch, gerade vor den Mathestunden bin ich immer megaaufgeregt und weiß, dass ich wieder nichts verstehe", so Jamie Lee.

Die Familie möchte, kann ihr aber nicht helfen: Ihre Eltern leben getrennt, der Vater arbeitet manchmal bis spät in den Abend. Das Einkommen reicht gerade so. Die Großmutter, selbst noch berufstätig, versucht sich als Mutterersatz. Für Nachhilfe ist kein Geld da. Die Familie lebt in Rotensee, einer Plattenbausiedlung. 3.000 Menschen am Rande der glänzenden Tourismuswelt. Fast vergessen.

Das Projekt "nebenan" in Rotensee

Cornelius Bach vor dem Straßencafé des Nachbarschaftsprojekts "nebenan". © NDR/Andreas Bell
Cornelius Bach vor dem Straßencafé des Nachbarschaftsprojekts "nebenan".

Wenn da nicht das Projekt "nebenan" wäre. Cornelius Bach, Alexander Henning und eine Handvoll Helfer*innen versuchen, das Miteinander in Rotensee zu stärken. "Niemand zieht, wenn er nicht muss, nach Rotensee", so Cornelius Bach. Viele Menschen in Rotensee sind arbeitslos oder in prekären Jobs beschäftigt. Vereinsamung, soziale Isolation sind hier keine Fremdworte. nebenan hält dagegen. Mittlerweile gibt es den Treffpunkt Ankerplatz, ein Straßencafé und einen Kinderspielenachmittag.

Für Jamie Lee und andere Kinder, die seit den öffentlichen Beschränkungen in der Schule immer schlechter mitkommen, möchten Bach und seine Mitstreitenden eine Pädagogin für regelmäßige Nachhilfestunden einstellen. Noch fehlt dazu das nötige Geld.

Die TAS in Pinneberg als Anlaufstelle

Auch in Pinneberg kämpfen Menschen mit den Auswirkungen der Pandemie. Hier besucht Judith Rakers Susanne Wilk. Sie leitet die TAS, die Tagesaufenthaltsstätte der örtlichen Diakonie. Sie betreut Obdachlose und arme Pinneberger Bürger*innen: Kleiderkammer, Duschen, Waschmaschine, jeden Tag ein warmes Essen. Das, was man zum Leben braucht, aber in Armut sich nicht leisten kann. "Das war ein großes Problem für unsere Leute, als die günstigen Nudeln alle ausverkauft waren. Manchmal waren ja noch teure Nudeln da. Aber wie soll man sich die leisten, wenn man am Rande des Existenzminimums lebt?", so Susanne Wilk.

Wer in Pinneberg von Armut betroffen ist und etwas zu Essen braucht, bekommt es in der Tagesaufenthaltsstätte. Aber seit den Beschränkungen ist der Aufenthaltsraum geschlossen, zu klein, um die Hygienebestimmungen und Abstandsregeln einzuhalten. Die Mahlzeiten werden am Hintereingang auf einem Parkplatz verteilt. Seitdem ist die Betreuung schwierig. "Für uns und unsere Schützlinge eine Katastrophe", kommentiert Susanne Wilk die letzten Monate.

Ein Foodtruck wäre hilfreich

Susanne Wilk träumt davon, einen Foodtruck, einen Imbisswagen, anzuschaffen. Damit könnte das Team mit einer mobilen Küche zu den armen und obdachlosen Menschen in Pinneberg fahren. Der Truck würde um die 35.000 Euro kosten. Aber woher das Geld nehmen? Das soziale Leben hat spürbar gelitten in den letzten Monaten. Judith Rakers versucht, den Vergessenen eine Stimme zu geben und daran zu erinnern, wer jetzt Hilfe braucht.

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