Wildes Herz

In der Nacht von Dienstag auf Mittwoch, 04. September 2019, 00:00 bis 01:30 Uhr

Bei einem Open-Air Konzert in Anklam im Sommer 2016 steht Monchi gemeinsam mit dem Künstler Marteria auf der Bühne. Sie singen Arm in Arm mit nach oben gerichteten Mikros. © NDR/Eichholz Film GmbH

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Jan "Monchi" Gorkow, Anfang 30, 120 Kilogramm schwer, tätowiert an Armen und Beinen. Aufgewachsen in Jarmen, Mecklenburg-Vorpommern. Sänger und Frontmann der Punkband "Feine Sahne Fischfilet", die im Verfassungsschutzbericht Mecklenburg-Vorpommerns bereits als staatsfeindlich eingestuft wurde. In seiner Jugend Fußballhooligan, mittlerweile engagierter Antifaschist. Warmherzig, aber wütend, überwacht und dennoch frei.

Für sein Langfilmdebüt hat Schauspieler Charly Hübner, ebenfalls aus Mecklenburg-Vorpommern, Jan "Monchi" Gorkow drei Jahre lang mit der Kamera begleitet. Er hat mit der Band, mit Freunden, mit seinen Eltern und ehemaligen Lehrern gesprochen und Videomaterial aus der Vergangenheit gesichtet.

Wie Widerstand gegen Fremdenfeindlichkeit täglich gelebt werden kann

Entstanden ist der aufregende Dokumentarfilm "Wildes Herz", ein Film über einen jungen engagierten Antifaschisten aus dem äußersten Nordosten der Republik, der gemeinsam mit seinen Bandkollegen in Songs und mit Aktionen zeigt, wie Widerstand gegen Fremdenfeindlichkeit und Rechtsextremismus jeden Tag aufs Neue gelebt werden kann.

"Wildes Herz" zeigt außerdem den Konflikt zwischen dem Verfassungsschutz Mecklenburg-Vorpommern und dem Menschen Gorkow. Denn neben dem linksradikalen Antifaschisten kann man in Monchi auch einen humanistischen, lebensfrohen, aber zeitkritischen Geist erkennen, der sich Zeit seines Lebens mit der Propaganda und Lebenskultur neonazistischer Gruppen und Parteien auseinandersetzen musste, einfach weil sie den Lebensalltag im Osten Mecklenburg-Vorpommerns prägend bestimmen.

Bei einem Open-Air Konzert in Anklam im Sommer 2016 steht Monchi gemeinsam mit dem Künstler Marteria auf der Bühne. Sie singen Arm in Arm mit nach oben gerichteten Mikros.

Natürlich geht es in "Wildes Herz" auch um Musik. Um Monchis steten kreativen Austausch mit seinen Bandkollegen. Außerdem um Monchi und seine Familie, die ihm in seinem Leben immer Rückhalt geboten hat. Es geht um seine Wut auf die Ungerechtigkeit, auf die Intoleranz und die Ausgrenzung von Andersdenkenden, nicht nur in Mecklenburg-Vorpommern. Und schließlich geht es auch um das Meer, für Monchi Symbol seiner Heimatverbundenheit.

Monchis innerer Wegweiser

Wasser, Wellen, alles in Bewegung, alles korrespondiert und kommuniziert und lebt miteinander, demokratisch sozusagen: Diese Vision ist Monchis innerer Wegweiser.

Im Verlauf des Films wird klar, dass Monchi im Herzen ein zutiefst demokratisch denkender Mensch ist, ein Freund des Miteinanders und des Gemeinsinns.

Gleichzeitig lernt man auch seine radikalen Seiten im Kampf gegen den Faschismus kennen, den er nicht nur mit Worten, sondern auch mit Taten führt. Am Ende steht Monchi als Beispiel da, als ein Mensch, der den bürgerlichen Schutzraum verlassen hat, um Haltung zu zeigen. Der sich für eine freie und tolerante Welt engagiert und bereit ist, dafür zu kämpfen.

Regie
Charly Hübner
Autor/in
Charly Hübner
Sebastian Schultz
Regie
Sebastian Schultz
Produktionsleiter/in
Tim Carlberg
Redaktion
Barbara Denz
Timo Großpietsch
Kamera
Martin Farkas
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