Stand: 05.05.2014 12:00 Uhr  | Archiv

"Eine Sendung, die nach Tang und Teer riecht"

von Gerd Spiekermann
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Das Hamburger Hafenkonzert ist die älteste Radiosendung der Welt - eine Aufnahme aus dem Jahr 1930.

"Schaffen Sie etwas ganz Neues, eine Sendung, die nach Tang und Teer riecht. Eine Sendung, in der die See zu den Hörern spricht, die See und die Männer, die sich ihr verschrieben haben. Nutzen Sie alle Möglichkeiten, die Ihnen die Technik bietet. Stellen Sie die Technik vor neue Probleme. Kurz und gut: Schaffen Sie eine einmalige Sendung für den frühen Sonntagmorgen." So lautete der Auftrag, den der erste Intendant der Nordischen Rundfunk AG, Hans Bodenstedt, im Frühjahr 1929 seinem Mann für das Maritime, Kurt Esmarch, erteilte. Schon einen Tag später legte der seinem Chef ein Konzept vor, das bis heute Grundlage des Hamburger Hafenkonzertes geblieben ist.

Eine altmodische Sendung? Im Gegenteil!

Eine alte Sendung, mag man denken. Stimmt, sogar die älteste Hörfunksendung der Welt. Doch natürlich ist das Hafenkonzert stets mit der Zeit gegangen. Das Redaktionsteam ist ganz nah und aktuell an den Themen, die zu Hamburgs wichtigstem Wirtschaftsfaktor, dem Hafen, gehören.

Die Sendung

Das Hamburger Hafenkonzert

Das erste Hamburger Hafenkonzert wurde 1929 ausgestrahlt. Es ist jeden Sonntag um 6 Uhr und jeden Dienstag ab 20 Uhr in der Wiederholung zu hören. mehr

Rund um den Hamburger Hafen

In den vergangenen 85 Jahren hat sich der Hamburger Hafen enorm verändert. Das Hafenkonzert hat diese Veränderungen begleitet und dokumentiert. Windenergie, Öl im Meer, Arbeitsbedingungen auf modernen Frachtern sind heute ebenso Themen wie der alljährliche Hafengeburtstag, Wohnen auf dem Wasser oder "350 Jahre Altona".

Die Tücken der Technik

Die Themen der Sendung haben sich kontinuierlich entwickelt - und natürlich hat sich auch musikalisch viel getan. Für die erste Sendung am 9. Juni 1929 von Bord des Dampfers "Antonio Delfino" der Hamburg-Südamerikanischen Dampfschiffahrts-Gesellschaft wurde das Altonaer Symphonieorchester engagiert, das Melodien aus dem "Freischütz" spielte. Wahrlich kein Ohrenschmaus unter den Kopfhörern eines Detektorradios. Die Verantwortlichen beschlossen deshalb, nur noch Bläser zu verpflichten. Fast ein Vierteljahrhundert prägte Hans Freese mit seinem Hamburger Blasorchester die Sendung.

Schlagerstars sorgen für Aufsehen

Später folgten Musiker wie Alfred Hause, Günther Fuhlisch oder Karl-Heinz Loges, die das traditionsbewusste Publikum mit Jazz und Swing konfrontierten. Doch damit nicht genug. Der Hafenkonzert-Musikredakteur Horst Trinkwald engagierte neben den altbekannten und beliebten maritimen Künstlern wie Carl Bay, Hein Timm oder Richard Germer nun auch Schlagerstars wie Freddy Quinn, Fred Bertelmann oder Heino - ein Raunen ging durch die Hafenkonzertgemeinde.

Heidi Kabel als erste Frau beim Hafenkonzert

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Eine kleine Revolution: Heidi Kabel singt als erste Frau beim Hafenkonzert.

Mitte der 50er-Jahre brach das Hafenkonzert mit einem weiteren Tabu: Heidi Kabel sang als erste Frau in der Traditionssendung. Ihr folgten bald Lale Andersen, Lieselotte Malkowsky und Nana Gualdi. Heute ist die Hafenkonzertgeschichte ohne Stars wie Heidi Kabel und Freddy Quinn unvorstellbar.

Hafenkonzert heute: Von Ina Müller bis Santiano

Auch nach 85 Jahren dreht sich im Hafenkonzert musikalisch immer noch alles um das Meer, die Seefahrt und um Hamburg. Nur die Interpreten sind heute andere: Ina Müller, Stefan Gwildis und Eddy Winkelmann, Santiano, Johnny Logan, Chris de Burgh und Nena. Das Hafenkonzert geht eben mit der Zeit.

Dieses Thema im Programm:

NDR 90,3 | 04.05.2014 | 06:00 Uhr