Stand: 09.12.2019 08:03 Uhr

Abenteuer Atlantik: Mit dem Ruderboot nach Antigua

von Anja Grigoleit

Noch ein paar Tage dann starten vier Hamburgerinnen vom Team Rowhhome in das wohl größte Abenteuer ihres Lebens: Sie rudern über den Atlantik. Seit Anfang Dezember sind Catharine Streit, Meike Ramuschkat, Steffi Kluge und Timna Bicker bereits auf La Gomera, um die letzten Vorbereitungen für die Tour zu treffen. Und sie sind nicht allein mit dem Plan, ab dem 12. Dezember 3.000 Seemeilen nach Antigua zu rudern. Insgesamt gehen 35 Boote an den Start der Talisker Whiskey Atlantic Challenge. Von Allein-Ruderern bis zu 5er-Teams sind 88 Männer und 15 Frauen dabei. Rowhhome ist das erste deutsche Team, das überhaupt an dieser härtesten Regatta der Welt teilnimmt.

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Steffi Kluge, Meike Ramuschkat, Catharina Streit und Timna Bicker (von links) treten bei der Talisker Whiskey Atlantic Challenge an.

Schlafen können die vier Hamburgerinnen schon seit ein paar Tagen nicht mehr richtig. Und doch ist das nur ein leichter Vorgeschmack auf das, was da noch kommt. Denn die nächsten Wochen werden rund um die Uhr im Zwei-Stunden-Rhythmus ablaufen: rudern, schlafen, rudern, schlafen, rudern, schlafen. "Bis Weihnachten haben wir uns längst daran gewöhnt", meint die jüngste im Team, die 26-jährige Timna Kluge. Dass sich die Frauen an Wind und Wellen gewöhnen, soll schneller gehen. "Seekrank? Nach drei Tagen soll das aufhören", hofft Timnas Mutter, Steffi Kluge (51). Die beiden sind die erfahreneren Ruderinnen im Team. Die anderen beiden, Catharina Streit (33) und Meike Ramuschkat (33), haben das Rudern extra für dieses Rennen gelernt.

Rowhome: Allein auf hoher See

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Von Großenbrode aus ging es mit der "Doris" mehrmals zum Wochenend-Training auf die Ostsee hinaus.

Während des Rennens sind die Teams auf sich allein gestellt. Kein Begleitboot wird in Sichtweite dabei sein. Bis im Notfall Hilfe kommt, kann es 48 Stunden dauern. Nur über Funk und Satellitentelefon hat die "Doris" Kontakt zur Außenwelt. "Doris" - auf diesen Namen einer griechischen Meer-Nymphe haben die Hamburgerinnen ihr Boot vor gut einem Jahr bei ihrem Heimatverein, der Wassersportabteilung der Sportvereinigung Polizei Hamburg (WSAP), am Isekanal getauft. Das Boot wurde bei Rannoch Adventures in England gebaut, einer Spezialwerft für hochseetaugliche Ruderboote in Burnham-on-Crouch. Leer wiegt es etwa eine Tonne, ist acht Meter lang und hat im Bug und im Heck kleine Kabinen, in denen in der Regel jeweils eine Frau schläft, im Notfall aber alle vier unterkommen.

Lebensprojekt Atlantic Challenge

"Das ist ein Lebensprojekt, das macht man nur einmal", sagt Catharine Streit. Ein Projekt, das den Frauen viel abverlangt: Schlafentzug, Seekrankheit, körperliche Belastung, dazu womöglich Heimweh, gerade zu Weihnachten und Silvester. Und außer Himmel und Meer wochenlang nichts anderes zu sehen. Da ist auch mentale Stärke gefragt.

Abenteuer der Extreme

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Krafttraining: immer dienstags und donnerstags schon um 6 Uhr morgens Quälerei für die Atlantiküberquerung.

Neben dem Rudertraining bei Christian Dahlke, einem ehemaligen Ruder-Weltmeister, und den Fitnesseinheiten über ein Jahr lang dienstags- und donnerstagsfrüh vor der Arbeit bei Fitnesscoach Thomas Schlüßel hat auch die Sportpsychologin Anett Szigeti die Vier betreut. "Die werden daran wachsen, die werden verändert zurückkommen, die werden mit Wellen von 15 Metern Höhe zu kämpfen haben, mit extremen Temperaturen um die 40 Grad, aber die werden auch Spaß haben und tolle Eindrücke mitbringen", da ist sich die Psychologin sicher.

In etwa zwei Monaten bis nach Antigua

Nach 40 bis 50 Tagen wollen die Hamburgerinnen das Ziel auf Antigua erreicht haben. Verpflegung für 60 Tage ist an Bord: Trockennahrung, die mit Wasser aufgegossen wird, Energieriegel, Nüsse, Schokolade, Gummibärchen und Lakritz. Das Wasser filtern sie aus dem Meer. Aber auch 50 Liter Süßwasser ist im Notfall-Tank dabei. Neben der technischen Ausrüstung und jeder Menge Werkzeug, Rettungswesten und einer Rettungsinsel sind auch Sonnenmilch, Mineral- und Vitamintabletten, sowie Pflaster und andere Medikamente an Bord.

Start der Atlantic Challenge am 12. Dezember

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Endlich! Die Ruderinnen sind auf La Gomera eingetroffen und haben sich offiziell fürs Rennen registriert.

"Mit Schwielen am Hintern kenne ich mich nicht so aus", lacht Kardiologin Meike Ramuschkat, und auch Zahnschmerzen wären schlecht an Bord zu behandeln, auf alles andere ist das Team gut vorbereitet. Zahlreiche Kurse, wie Navigation, Seenotrettung, Erste Hilfe und ähnliches sind von der Rennleitung vorgeschrieben. Wer die nicht gemacht hat und sein Boot nicht in Ordnung hat, darf am 12. Dezember nicht starten. Die Hamburgerinnen haben die Inspektion vor Ort auf La Gomera Anfang der Woche ohne große Probleme bestanden. Jetzt nutzen sie die Tage, um sich nach dem Training auf Nord- und Ostsee wieder an das Rudern auf dem offenen Meer zu gewöhnen. Zum Abschied werden dann Familie und Freunde vor Ort sein.

Rowhhome live verfolgen

Und wenn man die Vier fragt, wann sie denn auf Antigua eintreffen werden? "In 50 Tagen, 48, nein 45 Tagen", geht es durcheinander, bis Steffi Kluge den Schlusspunkt setzt: "42 - das ist die Lösung für alles." Wer Ruderboot "Doris" mit den vier Hamburger Frauen während der Regatta verfolgen will, kann das über einen Race Tracker auf der Internetseite des Regatta-Veranstalters.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 90,3 | Hamburger Hafenkonzert | 08.12.2019 | 06:00 Uhr