Sendedatum: 04.02.2019 06:00 Uhr

Marseille - verkannte Schönheit des Südens

Marseille ist die älteste und mit 850.000 Einwohnern zweitgrößte Stadt Frankreichs und gilt als das "Tor zum Mittelmeer". Vor 2.600 Jahren als kleine Siedlung von griechischen Seefahrern gegründet, ist Marseille seit jeher eine wichtige Hafen- und Handelsstadt. Neben dem Hafen prägen bis heute die Nachfahren von Zuwanderern aus den unterschiedlichsten Ländern die Identität der Stadt. Marseille ist multikulturell, vielfältig und facettenreich - und das in vielerlei Hinsicht.

Sehenswürdigkeiten in Marseille

Der Hafen - Herzstück der Stadt

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Früher war der alte Hafen das Handelszentrum von Marseille. Heutzutage liegen dort die weißen Yachten der wohlhabenden Marseiller.

Kulisse für das Handelstreiben, die Fischerei-Industrie und das immerwährende Ankommen und Ablegen der Schiffe war lange Zeit "Le vieux Port", der alte Hafen. Er ist das Schmuckstück Marseilles und ragt tief ins Stadtzentrum hinein. Die Überreste des antiken Hafens lassen sich noch heute im "Musée d'Histoire de Marseille" besichtigen. Im 17. Jahrhundert avancierte die Stadt zu einer wahren Handelsmacht im Mittelmeerraum und wuchs rasant in alle Richtungen. Der Handel selbst wird heute über den neuen Hafen "Marseille Europort" abgewickelt, wo auch die Kreuzfahrtschiffe festmachen und die großen Fähren ablegen. Er ist der viertgrößte Hafen Europas.

Direkt vom Hafen-Anleger führt schnurgerade die Einkaufsmeile, die "La Canebière", ins Stadtinnere. Früher wurden hier Hanfseile für die Schifffahrt verkauft. Ende des 19. Jahrhunderts wurde sie zum Prachtboulevard umgebaut, gesäumt von Kaufhäusern, Hotels und Bistros.

"Cité radieuse": Wohnsiedlung wird zum Kult

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Le Corbusiers Architekturklassiker "Cité radieuse" wird im Volksmund auch "Wohnmaschine" genannt.

Anfangs als "Haus der Verrückten" verpönt, gilt das Ensemble heute als denkmalgeschützter Architekturklassiker: die Wohnanlage "Cité radieuse", die strahlende Stadt. Die mehr als 330 identisch gestalteten Wohnungen in dem wuchtigen Betonklotz sind allesamt der Sonne zugewandt. Es gibt hier Restaurants und Geschäfte, ein kleines Hotel, ein Kino, eine Kita und eine Wäscherei. Das Dach ist zum Dorfplatz umfunktioniert: Wochenends wird hier gemeinsam Sport getrieben oder das Freilicht-Theater besucht. Die Anfang der 1950er-Jahre vom Architekten Le Corbusier erbaute vertikale Wohnstadt war der Vorläufer der Plattenbausiedlungen - seine Vision einer glücklicheren Gesellschaft und zugleich eine Antwort auf die Wohnungsnot nach dem Krieg.

"Notre-Dame de la Garde": Wahrzeichen mit Weitblick

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Die Wallfahrtskirche "Notre-Dame de la Garde" ist Marseilles weithin sichtbares Wahrzeichen.

Wo immer man in Marseille auch steht, von überall ist die "Notre-Dame de la Garde" zu sehen, im Volksmund auch die "die gute Mutter" genannt. Die Wallfahrtskirche mit der goldenen, elf Meter hohen Marien-Statue auf der Turmspitze thront auf dem La-Garde-Hügel und wacht wie ein Leuchtturm über die Stadt. Von hier oben hat man einen eindrucksvollen Blick herab auf das türkisschimmernde Meer, den Hafen und die verschiedenen Viertel der Stadt.

"Euroméditerranée": Marseilles "Hafencity"

Das älteste Viertel Marseilles ist "Le Panier". Mit seinen schmalen Gassen, von Wäscheleinen überspannt, wirkt es wie ein lauschiges, mediterranes Dorf. In unmittelbarer Nähe entsteht das neue Marseille. "Euroméditerranée" ist eines der größten Städtebauprojekte Europas. Dort wo jahrzehntelang vernachlässigte Wohnquartiere der sozial schwächeren Bevölkerung standen, entsteht ein völlig neues Stadtviertel mit Wolkenkratzern, Bürokomplexen und Wohnhäusern, Museen, Kinos und Geschäften.

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Eine Metropole erfindet sich neu

Viele Jahre hatte die Hafenmetropole mit ihrem Image der verkannten Schönheit des Südens zu kämpfen und führte ungewollt die Kriminalitätsstatistiken an. Doch die Politik reagierte und schaffte es, in den vergangenen zwei Jahrzehnten mit integrativer Stadtentwicklung und großflächigen Umgestaltungen die Spannungen zu entschärfen. Als Stadttourist bekommt man davon nur wenig mit. Und seit Marseille 2013 zur Kulturhauptstadt Europas wurde, hat sich vieles verändert. Symbolbild der neuen Stadt ist das "MuCEM", das Museum der Zivilisationen Europas und des Mittelmeers - ein massiver Glaskasten, umgeben von einem Schleier aus Beton. Es ist ein lebendiges Museum, das die Weiterentwicklung der mediterranen Metropole und seiner Bewohner widerspiegelt.

"Villa Méditerranée": Kultur als Hingucker

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Im Rahmen von Marseilles Ernennung zur Kulturhauptstadt Europas entstand 2013 die futuristische "Villa Méditerranée".

Direkt daneben steht die "Villa Méditerranée" mit einem waghalsigen 36-Meter-Ausleger, der so wirkt, als würde das Gebäude jeden Moment umkippen. Das futuristische Kulturzentrum bietet Ausstellungen, Kino und Vorträge im Unterwasser-Auditorium. Noch mehr Kultur gibt es im "Le Silo" - Frankreichs ehemals größtes Getreidesilo lockt die Besucher mit Tanz und Theater. Die Vielfalt der Subkulturen kann man wiederum in der ehemaligen Tabakfabrik "Friche La Belle de Mai" mit ihrem aufsehenerregenden Turm erleben.

"Bouillabaisse" - das kulinarische Heiligtum

Marseille ist kulinarisch vor allem für seine "Bouillabaisse" bekannt. Die provenzalische Fischsuppe besteht typischerweise aus vielerlei heimischen Fischsorten und Meeresfrüchten. War sie früher noch ein Arme-Leute-Essen, findet sich die Bouillabaisse heute als kostspielige Delikatesse auf den Speisekarten der Restaurants.

"Calanques": Malerisches Weiß zum Ausspannen

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"Calanques": Das kalksteinweiße Küstenmassiv bietet eine traumhafte Kulisse für Naturliebhaber und Freizeitsportler.

Südlich von Marseille erstrecken sich über 20 Küstenkilometer die legendären "Calanques", die fjordartigen weißen Kalksteinbuchten. Seit Jahrhunderten verbringen die Familien hier traditionell die Wochenenden zum Entspannen. Auch immer mehr Touristen sind hier, nutzen das Gebiet zum Wandern, Klettern und für Wassersport. Deshalb wurde das empfindliche Ökosystem inzwischen zum Nationalpark erklärt.

Diamant-Hochzeit der beiden Hafenstädte

Marseille ist nach St. Petersburg die zweitälteste Städtepartnerschaft, die Hamburg einging. Eine Partnerschaft zweier solcher großen Hafenstädte liegt aus heutiger Sicht nahe, doch als diese 1958 besiegelt wurde, war das alles andere als selbstverständlich: Noch 15 Jahre zuvor hatten die deutschen Truppen im Zweiten Weltkrieg die französische Stadt besetzt und ein Hafenviertel gesprengt. Im Juli 2018 feierten die beiden Partnerstädte Diamant-Hochzeit.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 90,3 | 04.02.2019 | 06:00 Uhr