Ein Jahr mir Corona: Hamburger Tafel versorgt mehr Menschen

Stand: 15.03.2021 11:35 Uhr

Julia Bauer von der Hamburger Tafel sorgt sich um ihre ehrenamtlichen Helferinnen und Helfer. Nun gibt es ein strenges Hygienekonzept.

Im Sommer 2020 war es vor allem die Unsicherheit, die Julia Bauer von der Hamburger Tafel zu schaffen gemacht hat. "Weil man wirklich von Woche zu Woche gucken musste", wie die Dinge in der Corona-Zeit angepasst werden müssen. Im Februar 2021 hat sich die Lage bei der Tafel wieder verändert. "Der größte Faktor, der uns immer wieder beschäftigt, ist der Infektionsschutz." Was wesentlich daran liegt, dass die ehrenamtlichen Helferinnen und Helfer bei den Ausgabestellen für die Lebensmittel selbst schon älter sind und damit zur Risikogruppe gehören. Die Ausgabestellen sind für die Tafel existenziell.

Corona-Tests für alle Mitarbeitenden

FFP2-Masken, Handschuhe, Desinfektionsmittel, das alles ist mittlerweile Standard. Seit einigen Wochen hat die Hamburger Tafel ihr Hygienekonzept aber noch mal verschärft. Vor jeder Ausgabe werden die Mitarbeitenden nun getestet. Die Ehrenamtlichen warten draußen, werden herein gerufen. Dann kommt der Abstrich für den Corona-Schnelltest. Nach einer Viertelstunde ist das Ergebnis da. Erst dann kann die eigentliche Arbeit beginnen. Das alles kostet Geld. "Deswegen ist die Tafel momentan wirklich darauf angewiesen, weitere Spenden zu bekommen", sagt Julia Bauer.

Unterstützungsbedarf steigt

Während der Corona-Zeit sei die Nachfrage bei der Tafel zwischen 15 und 30 Prozent gestiegen. "Eimsbüttel ist ziemlich hochgegangen. Vielleicht ein Stadtteil, von dem man es gar nicht erwartet." Aber auch dort leben Menschen, die im Niedriglohnsektor arbeiten, als Küchenhelferin oder -helfer, Service- oder Reinigungskräfte. "Und wenn da in einer Familie ein 450-Euro-Job wegfällt, das ist für sie dramatisch."

Der Nach-Corona-Traum

Das Zwischenmenschliche fehlt, sagt Julia Bauer, das Familiäre, das Gesellige. Den ehrenamtlichen Helferinnen und Helfern sei das besonders wichtig. Ihr persönlich geht es ebenso. Hauptberuflich leitet sie mit ihrem Mann eine Eventagentur. Eine Branche, die es in dieser Zeit besonders schwer hat. Vor Corona war Julia Bauer abends oft unterwegs, um Freundinnen, Freunde, Geschäftspartnerinnen oder Geschäftspartner zu treffen. Was wünscht sie sich, wenn die Pandemie einmal vorüber sein sollte? "Ich glaube, das Erste, was ich machen würde, ist, tatsächlich schön essen gehen und sich mit vielen Freunden treffen. Was ich mir auch wünsche ist, dass wir uns bei der Tafel wieder draußen auf die Bank setzen können, Kaffee trinken und quatschen."

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Dieses Thema im Programm:

NDR 90,3 | 07.03.2021 | 10:37 Uhr

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