Stand: 21.05.2019 18:33 Uhr

Wandern im Katinger Watt: Deiche, Vögel und Meer

Lange galt Wandern als eher langweilig. Mittlerweile ist es Trend, die Stiefel zu schnüren. Auch der Norden hat schöne Wanderwege. Fünf Autoren von NDR Schleswig-Holstein sind im Mai im Land unterwegs und erkunden fünf verschiedene Routen. Begleiten Sie NDR Schleswig-Holstein Reporter Sven Jachmann auf seiner Route ins Katinger Watt. Mal oben auf den Deichen, mal entlang des Priels durch saftiges Grün: Die Tour zwischen Eider und Nordsee ist abwechslungsreich und ohne große Anstrengungen zu schaffen.

von Sven Jachmann

Der 13 Kilometer lange Weg im Katinger Watt in der Gemeinde Tönning (Kreis Nordfriesland) ist relativ einfach zu gehen. Mal oben auf dem Deich mit Blick aufs Meer oder entlang des Priels durch Wiesen und Wälder. Die Route führt mitten durch das Naturschutzgebiet, in dem sich viele Vogelarten sehr wohl fühlen. Vor allem der Kiebitz hat hier seine Heimat. Und wer Glück hat, bekommt auch Seeadler und Eisvögel zu sehen.

Natur pur im Katinger Watt

Start mit Blick über die Eider

Los geht es am Parkplatz "Eidersperrwerk Nord" gegenüber eines Fischbistros. Die ersten Meter verlaufen entlang der Landstraße. Links liegen die Wiesen und noch leicht versteckt hinter Bäumen und hinter dem Deich befindet sich rechts die Eider. Nach rund hundert Metern geht es dann rechts ab in Richtung Eiderdeich. Oben auf dem Deich hat der Wanderer einen herrlichen Blick. Rechts über die Eider, links liegen die Wiesen und das Prielgebiet. Da hier der Wind stärker weht, empfiehlt sich eine windabweisende Jacke. Die kann aber später im Rucksack verstaut werden. Übrigens: Wanderschuhe sind nicht erforderlich, für die Tour reichen auch Turnschuhe, denn der Untergrund ist sehr fest.

Wind und Wasser

Oben auf dem Eiderdeich ist es nahezu ruhig. Nur der Wind pfeift etwas. Das Wasser der Eider plätschert unten gegen den Damm. Weit und breit ist kein Mensch zu sehen. Der Weg führt immer geradeaus Richtung Osten. Mit dem Eidersperrwerk im Rücken wandert der Blick permanent über die Eider mit den vielen Windkraftanlagen am Horizont und über die Wiesen links vom Deich, die von einem Priel durchzogen sind. Das Gebiet sieht aus wie eine Flusslandschaft und nicht wie ein Watt. Katinger Wiesen wäre treffender. Denn nach dem Bau des Eidersperrwerks ist aus dem Watt eine grüne Oase geworden.

Runter vom Deich - rein ins Watt

Einige hundert Meter geht es auf dem Deich entlang. Laut Karte, die beim Naturschutzbund (NABU) im Katinger Watt erhältlich ist, geht es aber bei der nächsten Möglichkeit links runter. Also runter vom Deich und rein ins Watt beziehungsweise in die Wiesen. Schon nach wenigen Metern ändert sich die Atmosphäre. Der Wind lässt nach, Vogelgezwitscher löst das Plätschern der Wellen ab. Eben war der Weg noch asphaltiert, jetzt ist er mit etwas Gras überwachsen. Grün ist hier die vorherrschende Farbe. Ein Schmetterling flattert über den Wanderweg. Der verläuft parallel zu einem Ausläufer des Priels, der hier im Grunde ein etwas breiterer Bach ist.

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Der Ringpriel ist hier eher ein Bach im Grünen, umwachsen von Bäumen und Schilf.
Vögel beobachten am Priel

Der Blick ist jetzt etwas eingeschränkt. Hohes Gras, Büsche und Bäume auf der einen Seite und das Schilf auf der anderen rahmen den Weg ein. Dadurch ist es windgeschützt und ohne den Wind wird es gleich wärmer. Jetzt kann die Jacke im Rucksack verstaut werden. Der Weg schlängelt sich durchs Grüne. Schließlich geht es auf eine Art Bootssteg zu. Hier liegen aber keine Boote, sondern am Ende des Stegs befindet sich eine Hütte.

Die Hütte ist eine Beobachtungshütte direkt am Ringpriel. Sie ist voll besetzt mit Hobbyornithologen, die ihre Ferngläser und Kameras dabei haben. Durch schmale Fenster richten die Vogelexperten ihre Ferngläsern und Teleobjektive auf den Priel. Sie hoffen, hier den Eisvogel zu sehen. Oder ein Exemplar der vielen anderen Vogelarten, die hier heimisch sind. Es lohnt sich also, ein Fernglas mit zu nehmen.

Nächste Station Kiekut

Weiter geht es die "Erlebnisroute" entlang, wie es auf den Schildern heißt. Wer sich darauf nicht verlassen möchte, sollte sich eine Karte beim NABU holen. Hier ist die Route genau eingezeichnet. Das nächste Ziel ist der Aussichtsturm Kiekut am Schafberg. Der Weg führt nun mitten durch den Wald, der in den 80er Jahren angelegt worden ist. Zahlreiche Tafeln informieren über Tier- und Pflanzenwelt und den Boden im Katinger Watt, der sich anfühlt wie Mehl. Muscheln im Wald? Das ist durchaus möglich, denn schließlich war hier mal das Meer.
Die Geräusche der Landstraße kommen näher, gleich ist der Wald zu Ende und an einem Grillplatz vorbei geht es auch schon raus aus dem Wald und hoch zum Schafberg. Auf dem steht der Aussichtsturm Kiekut. Wieder würde sich ein Fernglas lohnen, denn von dort oben schweift der Blick in die weite Ferne über flaches Land bis zur Eider.

Pause bei Eiergrog und Trümmertorte

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Tee oder Eiergrog und eine Trümmertorte mit Rharbarberfüllung - damit lassen sich auch Wandermuffel zu dieser Tour verlocken.

Rund eineinhalb Stunden hat der Weg bis hierher gedauert. Fast fünf Kilometer sind zurückgelegt. Langsam wird es Zeit für eine Einkehr. Aber bis dahin ist es noch gut eine Stunde. Laut Karte führt der Weg kurz an der Straße entlang und links geht es wieder in den Wald hinein.

Der Weg hat einen festen, steinigen Untergrund. An einer Kreuzung schließlich das verheißungsvolle Schild: noch 2,6 Kilometer bis zum Café. Inzwischen führt der Weg wieder am Priel entlang. Nach tausend Metern kommt wieder ein Schild und an einer kleinen Schafherde vorbei geht es auf einen Damm hinauf. Die ersten Häuser tauchen auf und mit ihnen das ersehnte Café, das bekannt ist für seine Trümmertorte mit Rharbarberfüllung und für seinen Eiergrog. Es liegt direkt hinter dem Damm, große Holztische stehen draußen vor der Tür. Nach rund acht Kilometern lockerer Wanderung ist es Zeit für eine Pause.

Vögel im Clinch: Gans gegen Säbelschnäbler

Nach Torte und Grog gilt es nun, die zweite Hälfte der Wanderstrecke in Angriff zu nehmen. Dabei geht es oben auf dem Damm entlang, begleitet vom Blöken der Schafe und den Rufen der Gänse. Immer geradeaus Richtung Nordsee. Nach einem Kilometer taucht rechts das Haus vom NABU auf. Links im Watt haben die Naturschützer vor einigen Jahren Vogelbeobachtungshütten aufgebaut. Dorthin lohnt sich ein kurzer Abstecher, NABU-Mitarbeiter verleihen dafür auch Ferngläser.

Aktuell brütet der Säbelschnäbler im Katinger Watt. Erkennbar an seinem schwarzweißen Gefieder. Ungefähr 50 Paare haben die Naturschützer gezählt. Aufgerichtet ist er fast so groß wie eine Graugans, mit der er gerade im Clinch liegt. Die beiden sind sich zu nahe gekommen, als die Gans mit ihrem Anhang durch das Watt streift. All das lässt sich von der Beobachtungshütte verfolgen. Ähnlich wie bei der kleineren Hütte am Priel gibt es auch hier schmale Seeschlitze, durch die Kameras und Ferngläser geschoben werden können. Auch Kiebitze sind zu sehen. Die, so erzählt es der Experte Gerit Neuenschwander, sind insbesondere hier im Katinger Watt zu Hause. Ansonsten sind sie eher selten anzutreffen, denn ihre Zahl ist stark gesunken. Außerdem brütet hier noch ein Seeadler-Pärchen.

Karte: 13 Kilometer Rundwanderung im Katinger Watt

Auf dem Deich ins Ziel

Die letzten vier Kilometer bilden den krönenden Abschluss der Wanderoute. Denn sie verlaufen oben auf dem Deich direkt an der Nordsee entlang. Das schöne von hier oben, ist der Blick. Rechts die Nordsee, die sich gerade zurückgezogen hat. Links das Wald- und Wiesengebiet. Ganz am Anfang der Strecke sind sogar noch die schwarzen Wasserbüffel mit ihren massigen Hörnern zu sehen, die im Katinger Watt grasen.

Einziger Nachteil: Die vorbeifahrenden Autos sorgen für etwas Verkehrslärm. Um mit den Schuhen über das Watt - also das echte Nordseewatt - zu laufen, ist es etwas zu weich. Dann besser barfuß. Schritt für Schritt kommt das Eidersperrwerk immer näher. Fahrradfahrer fahren unten an der Straße entlang. Oben auf dem Deich ist aber sonst niemand unterwegs. Kurz vor dem Sperrwerk geht es links ab zum Parkplatz. Wer will, kann nun für einen Snack in die Fischbrötchen Hütte einkehren. Oder noch eine extra Meile laufen. Denn am Eidersperrwerk brüten bis zum August gerade hunderte Seeschwalben. Aber Vorsicht: Hier gibt es keine schützenden Beobachtungshütten und die Seeschwalben sind bekannt für ihre Sturzflug.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Welle Nord | Von Binnenland und Waterkant | 25.05.2019 | 20:05 Uhr