Stand: 16.06.2019 15:59 Uhr

"Vertell doch mal": Chaos, Geheimnisse und Träume

Traumhaftes Wetter an diesem Sonntagvormittag in Hamburg, ein traumhaftes Publikum mit toller Laune und traumhafte Siegergeschichten von Plattschnackern: Bei der "Vertell doch mal"-Gala im Ohnsorg-Theater war das Thema des diesjährigen Schreibwettbewerbs in vielerlei Hinsicht Programm. "As 'n Droom" - "Wie ein Traum" heißt es, und mehr als 1.000 Geschichten fanden ihren Weg zum NDR. "Wenn hier heute was glänzt, sind das die Autoren und ihre Geschichten", sagte NDR Moderatorin und Gastgeberin Ines Barber, die durch die Matinée führte. Der Intendant des traditionsreichen niederdeutschen Theaters, Michael Lang, machte die Vernetzung der Sprache im Norden deutlich. "Wir sind hier wirklich in der Mitte des Lebens", sagt der Intendant, "und wir sind gespannt auf die Geschichten, die wir heute hören werden."

"Vertell doch mal"-Matinée in Hamburg

Niederdeutsche Schauspieler präsentieren Geschichten auf der Bühne

Eine Fach-Jury hat sich durch die Geschichten gelesen, durch traurige und lustige, durch ungewöhnliche und spannende. Die fünf Finalgeschichten und die Siegergeschichte der Kategorie "Ünner 18 - Unter 18" haben eine Bühne im Ohnsorg-Theater gefunden - vorgetragen von Größen des Niederdeutschen Schauspiels: Edda Loges, Sandra Keck, Manfred Bettinger, Robert Eder und Marco Reimers liehen den Autoren ihre Stimme und trugen die Erzählungen einem aufmerksamen Publikum vor. Ulrike Stern von der Universität Greifswald präsentierte die Geschichte aus der Jugendkategorie, das Otto Groote Ensemble aus Bremen sorgte für plattdeutsche Musik vom Feinsten.

Die Gewinner des "Vertell doch mal"-Wettbewerbs stehen auf einer Bühne.

Husumer gewinnt Schreibwettbewerb op Platt

Schleswig-Holstein Magazin -

Karl-Peter Kööp aus Husum überzeugte mit seiner Geschichte "Sunst nix" beim "Vertell doch mal"-Finale im Hamburger Ohnsorg Theater.

3,86 bei 7 Bewertungen

Mit von 5 Sternen

bewerten

Vielen Dank.

schließen

Sie haben bereits abgestimmt.

schließen

Siegergeschichte von Husumer Autor

Der erste Platz des diesjährigen Schreibwettberwerbs geht an Karl-Peter Kööp aus Husum in Schleswig-Holstein mit seiner Erzählung “Sunst nix”. Es ist eine Premiere: Der ehemalige Dozent an einer Wirtschaftsakademie hat zum ersten Mal teilgenommen - und kommt dank seiner Siegergeschichte zum ersten Mal in das "Vertell doch mal"-Buch, in dem jährlich die 25 besten Geschichten veröffentlicht werden. Die Erzählung über einen Traum des Autors, der darin seinem verstorbenen Vater die moderne Welt erklärt, hat die Jury überzeugt - auch wegen der überraschenden Schlusspointe. "Mein Vater hat mich beeindruckt, er hat mir jeden Abend Geschichten erzählt", sagt Kööp. Mit ihm wollte er die Veränderungen der Welt teilen, die ihn selbst oft verwundert. "Es verändert sich so viel, aber die Leute schlagen sich immer noch die Köpfe ein."

Der Autor ist in der niederdeutschen Welt aber kein Unbekannter: Kööp veröffentlichte bereits in der "Regionalsprachlichen Beilage" der Husumer Nachrichten oder in "Der Landtag", verfasste das Gedicht "Schobüll-Haff" und übersetzte zum Beispiel Liedtexte von Leonard Cohen und Heinrich Heine ins Plattdeutsche.

Von Flucht und Pflege, Chaos und Geheimnissen

Herbert und Holger Wittschen, Vater und Sohn aus Weyhe in Niedersachsen, belegen den zweiten Platz mit "Reis hen na de Steerns" - einer tragischen Geschichte über ein Mädchen, das als Bootsflüchtling über die weiten Meere flieht. Platz drei geht an Autorin Grieta Bottin aus Großheide in Ostfriesland für "Levensglück". Die Erzählung behandelt die aufopferungsvolle Pflege eines Partners, geschickt verwoben in ein Verwirrspiel des menschlichen Urteilsvermögens. Bruno Mösch aus Verden in Niedersachsen bekommt den Preis für Platz vier - "Wenn Herr Müller anröppt ..." illustriert auf eine amüsante Art und Weise das Chaos, das wirre Träume anrichten können. Platz fünf geht an "Pfingstsünndag" und Autor Harald Maack aus Osterholz-Scharmbeck in Niedersachsen über sorgsam gehütete Geheimnisse in der Familie. Damit findet zum dritten Mal eine Geschichte des Schauspielers ihren Weg ins Buch.

Mit dem "Ü 18 "-Preis würdigt der NDR junge plattdeutsche Autoren. Henrikje Anneken Raßmuß aus Jamel in Mecklenburg-Vorpommern ist zarte 14 Jahre alt und hat die Jury mit ihrem Beitrag "Ein Alpdroom" begeistert.

Schreibwettbewerb mit Tradition

In diesem Jahr fand der Wettbewerb "Vertell doch mal" zum 31. Mal statt. Alle eingereichten Geschichten, bisher insgesamt mehr als 44.000, werden in der Landesbibliothek Schleswig-Holstein archiviert. "Vertell doch mal" veranstalten die vier NDR Landesprogramme und Radio Bremen in Zusammenarbeit mit dem Ohnsorg-Theater. Er wird unterstützt von der PNE AG. Das Buch "Vertell doch mal! - As'n Droom" erscheint in der Husum Druck- und Verlagsgesellschaft und kostet 12,95 Euro (ISBN 978-3-87876-960-0).

Die Landesprogramme des NDR und Radio Bremen senden Auszüge der Gala-Matinée.

Weitere Informationen

Sieger beim Wettbewerb op Platt in Hamburg geehrt

Mehr als 1.000 Geschichten sind beim NDR und bei Radio Bremen eingegangen. Eine Fach-Jury hat die fünf besten ausgewählt. Jetzt wurden alle Gewinnerinnen und Gewinner prämiert. mehr

Fünf Sieger bei Schreibwettbewerb "Ferteel iinjsen"

"Das erste Mal" ist das Thema des zehnten friesischen Schreibwettbewerbs "Ferteel iinjsen". In Klockries (Gemeinde Risum-Lindholm) wurden am Sonnabend die Sieger gekürt. mehr

Platt op NDR 1 Welle Nord

Hier finden Sie eine Auswahl der schönsten plattdeutschen Sendungen der NDR 1 Welle Nord. Auch bei "Uns Platt-Spieker" gibt es eine Menge zu entdecken. mehr

Die Welt snackt Platt

Alles rund um das Thema Plattdeutsch bei NDR.de: plattdeutsche Sendungen in Radio und Fernsehen im Überblick, das Wörterbuch oder aktuelle Nachrichten. Alles auf einem Blick. mehr

Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Welle Nord | Von Binnenland und Waterkant | 16.06.2019 | 10:40 Uhr