Stand: 16.08.2018 12:01 Uhr

Einkommensgerechtigkeit durch Umverteilung?

Brutto oder netto? Je nach Land, in dem man arbeitet und Steuern zahlt, kann das einen großen Unterschied ausmachen. Der Staat nimmt einen Teil des Einkommens in Form von Steuern und verteilt das Geld in Form staatlicher Leistungen: Umverteilung.

Wie groß der Grad der Umverteilung ist, lässt sich zum Beispiel an der Höhe der Lohn- und Einkommenssteuer erkennen. Die folgende Grafik der OECD zeigt, welchen Anteil Lohnsteuern an der gesamten Steuerbelastung eines Landes haben. Beispiel Deutschland: 26,6 Prozent aller Steuereinnahmen werden durch Lohnsteuern erreicht. Im Jahr 2016 waren das rund 185 Milliarden Euro.

Für die Beurteilung der Verteilungsgerechtigkeit innerhalb einer Gesellschaft ist entscheidend, wie groß die Ungleichheit tatsächlich ist, nachdem Steuern erhoben und Transferleistungen gezahlt worden sind. Nur dann lässt sich bemessen, wie stark der Staat Ungleichheit versucht auszugleichen. In den meisten westlichen Ländern werden höhere Einkommen in der Regel stärker besteuert - die Besserverdienenden also stärker zur Finanzierung der staatlichen Aufgaben herangezogen.

In Deutschland hat der Staat 2016 rund 239 Milliarden Euro allein durch Lohn- und Einkommenssteuer eingenommen. Durch die gute Beschäftigungslage steigen diese Werte seit Jahren relativ stark an.

Über die Auswirkung der Umverteilung gibt es unterschiedliche Ansichten. Der Wissenschaftliche Beirat beim Bundesfinanzministerium kommt in einem Gutachten zu dem Ergebnis, dass "sich die umverteilende Wirkung des Staates über die Zeit nicht geändert hat." Weniger stark ansteigende Löhne und Gehälter in unteren Einkommensgruppen würden durch staatliche Transferleistungen ausgeglichen.

Angel Gurría, Generalsekretär der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD), kritisierte jedoch Mitte 2017: "Das Steuersystem und das System der Sozialabgaben bringen nicht mehr die gleichen Korrekturen hervor wie früher."

Die OECD hat untersucht, wie stark staatliche Umverteilung die Einkommensungleichheit ausgleichen kann. Der Gini-Index ist ein statistisches Mittel, um ungleiche Verteilungen zu zeigen, wie beim Einkommen. Je höher der Wert, desto ungleicher ist das Einkommen verteilt, ein Wert von 0 bedeutet absolute Gleichheit, ein Wert von 1 absolute Ungleichheit. Beispiel Finnland: Ohne eine Besteuerung von Lohn und Einkommen läge der Gini-Koeffizient bei 0,5. Durch die Besteuerung sinkt er auf 0,26. Währenddessen bleibt in Ländern wie den USA, der Türkei, Mexiko oder Israel der Unterschied zwischen hohen und niedrigen Einkommen bestehen.

Allerdings zeigen diese Zahlen nur die Einkommensverteilung - bei den Vermögen geht die Schere sehr viel mehr auseinander: Vermögen sind generell ungleicher verteilt als Einkommen. Der Gini-Koeffizient für die Vermögensverteilung ist im Durchschnitt der westlichen Länder doppelt so hoch wie bei der Einkommensverteilung.

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