Ein leerer Spielplatz © NDR Foto: Christian Peplow

Podcast Dorf-Stadt-Kreis: Was hat Corona mit Kindern und Jugendlichen gemacht?

Stand: 08.09.2022 10:11 Uhr

Erst jetzt zeigt sich, wie sehr Kinder und Jugendliche unter den Schließungen von Schulen, Kindergärten und anderen Einrichtungen gelitten haben. Nun gilt es, nicht nur das Wissen aufzuholen, sondern auch die gesundheitlichen Auswirkungen zu behandeln.

von Christian Peplow

Durch Flatterband abgesperrte Spielplätze, Omas und Opas dürfen nicht mehr besucht werden, Supermärkte fordern Eltern auf, ohne ihre Kinder einkaufen zu gehen, Sport- und Freizeitvereine müssen schließen und auch Schulen und Kindergärten sind plötzlich dicht. Mit einem Schlag ist die Normalität, wie sie Kinder- und Jugendliche kannten, vorbei. Die Folgen dieser einschneidenden Maßnahmen sind fatal: "Von den Kinder- und Jugendpsychiatrien wurden in der Pandemie Auffälligkeiten in Form von Sozialphobien, Angst, Panikstörungen und Depressionen diagnostiziert", sagt Claudia Schumacher-Bonneß vom Sozialpädagogischen Dienst des Landkreises Vorpommern-Greifswald. Dazu kommen Schlafstörungen, Kopf- und Bauschmerzen, Gereiztheit, Essstörungen und Einsamkeit.

NDR 1 Radio MV - Dorf Stadt Kreis: Annette Ewen und Mirja Freye © iStock Foto: golero
AUDIO: # 91 Was hat Corona mit Kindern und Jugendlichen gemacht (38 Min)

Schulschließungen hätten vermieden werden müssen

An der Grundschule Theodor Neubauer in Grimmen ist die Schule an 180 Tagen ausgefallen, sagt Schulleiterin Birgit Mietzner. "Das bedeutet, wir reden von einem halben Schuljahr Unterricht." Die Schulschließungen mögen damals plausibel gewesen sein. Im Nachhinein wissen wir aber, sie hätten unbedingt vermieden werden müssen", so die Schulleiterin weiter. Sorgen bereitet ihr, dass sich die Kinder in ihrem sozialen Verhalten verändert haben. Die Frustrationstoleranz sei geringer und die Kinder würden wesentlich egoistischer sein als vor dem Lockdown. "Es hat regelrecht ein Prozess der Schulentwöhnung stattgefunden", so Mietzner.

Schulgemeinschaft ist näher zusammengerückt

Aufgeben kommt für sie und ihr engagiertes Team aber nicht in Frage. Mit viel Geduld und Mühe bringen sie die Kinder seit dem letzten Schuljahr zu einem geregelten Tagesablauf zurück und arbeiten Wissensrückstände auf. Die Schulleiterin sieht aber auch positive Aspekte: "Die Schulgemeinschaft ist in dieser Krisenzeit enger zusammengerückt. Kolleginnen und Kollegen sind enger zusammengerückt. Aber auch zu den Eltern und Elternhäusern konnten die Kontakte vertieft werden."

Im Lockdown mehr Zeit für die Familie

Helene, Laura und Greta gehen in Stralsund zur Schule und sind heute 14 Jahre alt. Dass durch die Kontaktbeschränkungen Freundschaften kaputt gegangen sind, findet Laura schade: "Das war schon doof. Mit Freunden muss man sich treffen, die reine digitale Kommunikation kann das nicht ausgleichen." Doch trotz Lockdown, dem Fehlen von Freizeitaktivitäten und Einschränkungen wie Maskenpflicht und regelmäßigen Tests, können die drei der Pandemie auch etwas Positives abgewinnen. "Ich sehe kein verlorenes Halbjahr. Ja, das Homeschooling war eine Zeit, die ich so nicht wiederholen muss. Aber für meine individuelle Entwicklung und Selbständigkeit war die Lockdownzeit positiv", sagt Helene. Und Greta ergänzt, dass plötzlich mehr Zeit für die Familie da war. Mit einem Augenzwinkern sagt sie: "Jetzt ist wieder jeder mit Arbeit oder Schule beschäftigt und die familiäre Nähe der letzten zwei Jahre fehlt manchmal. Das war während der Pandemie besser."

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Radio MV | Nachrichten aus Mecklenburg-Vorpommern | 08.09.2022 | 17:00 Uhr