Stand: 19.09.2017 18:00 Uhr

Ein "prestigeträchtiges Gastspiel" im schönsten Paris

François Lefèvre © Carsten P. Schulze Foto: Carsten P. Schulze
Der Bratscher François Lefèvre ist in Paris aufgewachsen und hat nun mit der NDR Radiophilharmonie in seiner Heimatstadt ein Gastspiel gegeben.

Gemeinsam mit dem französischen Pianisten Alexandre Tharaud und Chefdirigent Andrew Manze war die NDR Radiophilharmonie auf Gastspielreise in Frankreich. Ein besonderes Highlight war ihr Auftritt im Pariser Théâtre des Champs-Élysées. Die HAZ spricht von einem "prestigeträchtigen Gastspiel", mit dem sich "Manze und die Radiophilharmonie in Paris selbst einen Namen gemacht haben". François Lefèvre, stellvertretender Solo-Bratscher der NDR Radiophilharmonie und gebürtiger Pariser, berichtet aus seiner persönlichen Perspektive von diesem Konzertereignis.

Was bedeutete euch dieser Auftritt in Paris?

François Lefèvre: Das Orchester hat sich über die Gelegenheit zu diesem Gastspiel sehr gefreut, es war ein schönes Programm in einer wunderbaren Stadt, man ist dort von der Umgebung sehr inspiriert: Vor dem Konzert läuft man neben der Seine, kommt an Notre Dame und dem Eiffelturm vorbei, am Jardin des Tuileries und dann kommt man auf die Bühne, und es ist Inspiration da. Das Théâtre des Champs-Élysées ist ein wunderschöner Ort, mitten im schönsten Paris. Der Saal ist aus der Art déco-Zeit und eindrucksvoll gestaltet, viele berühmte Künstler sind dort zu finden. Spannend ist der Saal auch deswegen, weil dort zum Beispiel die Uraufführung von "Le sacre du printemps" von Strawinsky stattgefunden hat - ein riesiger Skandal, bei dem es zu echten Kämpfen kam. Ein sehr spezieller Ort!

Wie war es, auf der Bühne des Théâtre des Champs-Élysées zu stehen?

Eine Herausforderung war die Akustik dort, man musste jeden Ton sehr klar herausarbeiten, ganz anders als in der Kathedrale von Pisa, in der wir kurz vorher gespielt hatten. Das bedeutete viel Arbeit: Wir mussten sehr genau und konzentriert spielen. Das war zwar anstrengend, aber auch sehr schön. Wenn alles klappt, ist das für einen selbst wirklich toll. Andrew Manze hat bei der Probe auf die Balance geachtet, lief durch den Saal und hat die Bässe etwas nach vorn geholt. Wie immer hat er eine großartige Stimmung verbreitet. Schon in Belfort am Tag zuvor hatten wir eine trockene Akustik und mussten am Klang arbeiten, das war wie eine Vorbereitung, da wir wussten, dass in Paris auch eine eher trockene Akustik sein wird. Dann war in Paris alles einfacher und besser.

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Heike Malz © Carsten P. Schulze Foto: Carsten P. Schulze

Unser Konzert in Paris

Die NDR Radiophilharmonie war mit Andrew Manze und Alexandre Tharaud in Paris: Was das Gastspiel für sie so besonders gemacht hat, erzählen einige Musiker in der Bildergalerie. Bildergalerie

Was war es für dich als Franzose für ein Gefühl, in Paris zu spielen?

Für mich war es natürlich etwas ganz Besonderes, weil ich in Paris geboren und aufgewachsen bin. Meine ganze Familie war beim Konzert, inklusive Großeltern und Tante - dass sie mich in Paris hören konnten, war wirklich eine Ausnahme. Daher war es für mich bei diesem Konzert besonders schön, dass mir meine Familie hinterher sagen konnte, wie sie es fanden - und sie waren sehr begeistert, es war alles sehr klar zu hören. Dabei sind sie ein kritisches Publikum, da es einige Musiker in meiner Familie gibt! In diesem Saal hatte ich auch noch nie gespielt, aber natürlich habe ich früher viele Konzerte dort gehört.

Wie habt ihr das französische Publikum erlebt?

Das französische Publikum war sehr ruhig, sehr konzentriert und aufmerksam. Man hat deutlich gemerkt, dass sie der Musik wirklich nachspüren und sie verklingen lassen, bevor sie klatschen, das war toll. Und sie waren wirklich begeistert, wir hätten eigentlich auch noch eine Zugabe mehr spielen können.

Das Gespräch mit François Lefèvre führte Amrei Flechsig

Orchester und Chor