Stand: 14.12.2009 17:11 Uhr

Bach-Söhne in Hamburg

Die "musicalisch-Bachische Familie"

"Wenn es je eine Familie gegeben hat, in welcher eine ausgezeichnete Anlage zu einer und eben derselben Kunst gleichsam erblich zu seyn schien, so war es gewiß die Bachische. Durch sechs Generationen hindurch haben sich kaum zwey oder drey Glieder derselben gefunden, die nicht die Gabe eines vorzüglichen Talents zur Musik von der Natur erhalten hatten, und die Ausübung dieser Kunst zu der Hauptbeschäftigung ihres Lebens machten." Mit diesen Worten beginnt die älteste aller Bach-Biographien, die Johann Nikolaus Forkel, Akademischer Musikdirektor in Göttingen, 1802 veröffentlichte.

Kantoren, Organisten, Lehrer, Stadtpfeifer und Hofmusiker

Und er hatte keineswegs übertrieben. Tatsächlich war die Familie Bach, seit im 16. Jahrhundert der "Stammvater" Veit Bach aus dem Fürstentum Siebenbürgen nach Thüringen eingewandert war, aus dem Musik- und Kirchenleben des thüringisch-fränkischen Raumes nicht mehr wegzudenken: Als Kantoren, Organisten, Lehrer, Stadtpfeifer und Hofmusiker besetzten die "Bache" die wichtigsten Ämter zwischen Schweinfurt und Weimar. An manchen Orten waltete geradezu ein dynastisches Prinzip, wenn etwa in Erfurt sich der Beruf des Stadtpfeifers vom Vater an den Sohn vererbte, weshalb der Name schließlich sogar wie ein Synonym für diesen Musikerstand gebraucht wurde: In Erfurter Ratsprotokollen ist 1716 die Rede von den "allhier privilegirten Stadt Musicanten oder sogenannten Bachen".

Den Anfang markiert der "Bückeburger Bach" Johann Christoph Friedrich, gefolgt zum einen von dem legendären Wilhelm Friedemann, der sich als studierter Mathematiker leidenschaftlich mit der spekulativen Seite der Musik befasste, zum anderen von Carl Philipp Emanuel, dem Inbegriff des "Originalkomponisten" im musikalischen Sturm und Drang. Zu guter Letzt aber erinnerte das Concerto Köln an "Giovanni Bacchi" oder "John Bach", den elften und jüngsten Sohn des Leipziger Thomaskantors, zu deutsch: Johann Christian Bach, der freilich weder dem Leitbild seines Vaters noch dem Beispiel seiner an deutschen Höfen und Kirchen musizierenden Brüder nacheiferte, sondern in Italien Opern komponierte und in London Konzerte veranstaltete: ein musikalischer Weltbürger.

Historische Spurensuche

Das Concerto Köln, das 2010 sein 25-jähriges Gründungsjubiläum feiern kann und auf eine imponierende Erfolgsgeschichte im Konzertsaal wie im Tonstudio zurückblickt (einschließlich Echo, Grammy und Preis der deutschen Schallplattenkritik), begab sich gemeinsam mit den Cembalisten Christine Schornsheim und Andreas Staier auf historische Spurensuche und vereinte die berühmten (teilweise auch berüchtigten) Repräsentanten der "musicalisch-Bachischen Familie" zum Gruppenbild. Der legendäre, in Roman und Film verewigte Wilhelm Friedemann Bach durfte natürlich nicht fehlen. Carl Philipp Emanuel, städtischer Musikdirektor in Hamburg und Originalgenie des musikalischen "Sturm und Drang", stand ebenso auf dem Programm wie der "Bückeburger Bach" Johann Christoph Friedrich oder "Giovanni Bacchi" alias Johann Christian Bach, der in Italien Opern komponierte und in London Konzerte veranstaltete. Und der Vater? Johann Sebastian Bach? Folgt den Söhnen nach - im 5. Abo-Konzert am 27. März!

Das Konzertprogramm:

JOHANN CHRISTOPH FRIEDRICH BACH: Sinfonie d-Moll für Streicher Wfv I/3
WILHELM FRIEDEMANN BACH: Adagio und Fuge d-Moll für zwei Flöten, Streicher und B. c. Fk 65
Konzert Es-Dur für zwei Cembali und Orchester Fk 46
CARL PHILIPP EMANUEL BACH: Konzert F-Dur für zwei Cembali und Orchester Wq 46
JOHANN CHRISTIAN BACH: Sinfonie g-Moll op. 6 Nr. 6

Concerto Köln
Andreas Staier Cembalo
Christine Schornsheim Cembalo

Dieses Thema im Programm:

Das Alte Werk | 17.02.2010 | 20:00 Uhr

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