Im Sog der Klänge

Die Idee, Musik zu "verräumlichen", ist nicht neu. Im ausgehenden 16. Jahrhundert etablierte sich die Praxis der Venezianischen Mehrchörigkeit, bei der die Stimmen eines Werkes auf zwei oder mehrere an unterschiedlichen Positionen des Raumes aufgestellte Teil-Ensembles (so genannte "Chöre") verteilt wurden. Nachhaltig inspiriert wurde dieses Kompositionsprinzip durch die beiden gegenüberliegenden Orgelemporen in San Marco, für die Komponisten wie Giovanni Gabrieli und sein Schüler Gioseppe Guami zahlreiche Werke schufen.

Meisterwerke der klassischen Polyphonie

Die Musik begann scheinbar losgelöst von den realen Gegebenheiten "im Raum zu wandern". Sie bildete Klang und Echo aus und vereinigte sich in monumentalen Tutti-Passagen, um den ganzen Raum von allen Seiten aus mit Klang zu erfüllen. "Im Sog der Klänge" in der St.-Johannis-Kirche in Hamburg-Harvestehude widmet sich dem Thema Mehrchörigkeit: Meisterwerke der klassischen Polyphonie von Giovanni Gabrieli, Gioseppe Guami, Cesario Gussago, Carlo Gesualdo und Girolamo Frescobaldi werden Raum-Kompositionen namhafter Gegenwartskomponisten wie Georg Friedrich Haas, Wolfgang Rihm, Catherine Milliken und Bernhard Gander gegenübergestellt .

Die Stücke, die unter der Leitung von Titus Engel vom Ensemble Resonanz, dem composers slide quartet und den Neuen Vocalsolisten zur Aufführung gebracht werden, wurden eigens für das Projekt in Auftrag gegeben und setzen sich - jedes auf seine Art - mit der alten Tradition der Mehrchörigkeit auseinander.

Konzerttermin:
Sonntag, 19. April 2009
20.00 Uhr
St. Johannis-Kirche
Hamburg-Harvestehude

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