Sendedatum: 10.11.2010 20:00 Uhr

Jeremiah

Sendetermin

NDR Kultur sendet Ausschnitte aus dem Konzert am Freitag, 26. November 2010, um 20 Uhr.

Mi, 10.11.2010 | 20 Uhr
Hamburg, St. Johannis - Harvestehude

Singer Pur
David Orlowsky Klarinette

"Jeremiah" - Konzertprojekt zwischen Renaissance und Moderne

In einem Sonderkonzert der Reihe NDR Das Alte Werk musizierten das Vokalensemble Singer Pur und der Klarinettist David Orlowsky ausgewählte Werke von Palestrina und Gesualdo in ungewohnter Besetzung und unorthodoxer Spielart. "Jeremiah" ist ein Konzertprojekt zwischen Renaissance und Moderne, zwischen strenger liturgischer Kompositionskunst und freier Improvisation.

Singer Pur: wagemutiges Sextett

Das Vokalensemble Singer Pur © Markus Amon Foto: Markus Amon
Das Vokalensemble Singer Pur

Das Vokalensemble Singer Pur, 1991 von vormaligen Regensburger Domspatzen gegründet, konnte zwar mit Musik der Renaissance Ruhm und Ehre gewinnen – "Le Monde de la Musique" zeichnete die Einspielungen der Sänger gleich zweimal mit dem Superlativ der "besten CD des Jahres" aus. Andererseits erhielt das wagemutige Sextett den renommierten Preis des "Echo Klassik" für eine Aufnahme exklusiv mit zeitgenössischen Werken von Rihm, Sciarrino und Metcalf und für eine CD mit deutschen Volksliedern in neuen Arrangements: "SOS – Save Our Songs".

In Hamburg sang das Ensemble aus den Klageliedern des Propheten Jeremiah: in Vertonungen Palestrinas, die von dem Klarinettisten David Orlowsky improvisatorisch umspielt, reflektiert und assoziationsreich fortgesponnen wurden. Außerdem standen Responsorien des Fürsten Carlo Gesualdo von Venosa auf dem Programm. Diese hat der israelische Komponist Matan Porat speziell für David Orlowsky und Singer Pur eingerichtet.

Befreiung von traditionellem Schubladendenken

David Orlowsky © Uwe Arens Foto: Uwe Arens
David Orlowsky lässt die Klarinette singen.

Auch Orlowsky zählt zu den musikalischen Grenzgängern: ein unorthodoxer Virtuose, der sich in Jazz, Klezmer, Volksmusik und Klassik gleichermaßen zu Hause weiß. Als Schüler von Giora Feidman, Jörg Widmann und Eddie Daniels repräsentiert er eine Musikergeneration, die sich mit grenzenloser Neugierde von traditionellem Schubladendenken befreit. Mit dem "Jeremiah"-Projekt ging für den jungen deutschen Klarinettisten erklärtermaßen ein Traum in Erfüllung.

"Der Ensembleklang von Singer Pur ist so vielschichtig und doch glockenklar, dass es eine großartige Erfahrung ist, mit meiner Stimme – der Klarinette – Teil dieses Klangs zu werden, mit ihm zu verschmelzen, aus ihm auszubrechen und mit den schwebenden Klangerweiterungen zu spielen, die sich aus der Reibung der unterschiedlichen und doch verwandten Klangfarben ergeben", bekennt David Orlowsky. "Es ist aufregend, die Spannungsverhältnisse auszuloten, die nicht nur aus der ungewöhnlichen Besetzung resultieren, sondern auch aus der Zusammenstellung des Programms: Gesualdos abgründige Klangwelten treffen auf die abgeklärten Gesänge Palestrinas, und die Arrangements und Kompositionen Matan Porats spannen einen Bogen bis in die Gegenwart."

Denn das außergewöhnliche Konzert am 10. November in St. Johannis vereinte neben Lamentationen und Motetten Palestrinas, dessen Schaffen für Jahrhunderte den Maßstab der "wahren Kirchenmusik" legte (zumindest in der katholischen Welt), und den hochexpressiven, schockierend radikalen Werken Gesualdos auch Kompositionen von Matan Porat: ein "Tota pulchra es" nach dem Hohenlied Salomos und ein "Lux aeterna", eine Neuvertonung des Kommuniongesang aus der lateinischen Totenmesse.

Konzertprogramm:

"JEREMIAH"

G. P. DA PALESTRINA
Lamed. Matribus suis dixerunt
Aleph. Quomodo obscuratum
Aleph. Ego vir
(aus den Klageliedern des Propheten Jeremias)
Trahe me post te*
Surge amica mea*
Pulchra es, o Maria virgo
O bone Jesu*

CARLO GESUALDO
Sicut ovis ad occisionem*
Tristis est anima mea*
O vos omnes*

MATAN PORAT (*1982)
Lux Aeterna (2009)
Tota pulchra es

*arrangiert von Matan Porat

Dieses Thema im Programm:

Das Alte Werk | 10.11.2010 | 20:00 Uhr

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