La Spagna

Flûte douce, Flûte pastourelle oder Flûte d'Angleterre lauten die poetischen Namen eines Instruments, das im deutschen Sprachraum gemeinhin als Blockflöte bekannt und verkannt ist oder wurde. Mit der so genannten Originalklangbewegung fand auch die 'Kernspaltflöte' den Weg zurück ins aktive Repertoire und öffentliche Konzert. Dieselben sanften Eigenschaften, die der "süßen Flöte" einst zum Vorwurf und Nachteil gereichten, begründen jetzt ihren neuen Ruhm. Schiere Lautstärke und Durchschlagskraft gelten in einer akustisch extrem belasteten Umwelt keineswegs mehr als erstrebenswerte Ziele. Und deshalb folgt auch die Hinwendung zu der Musik und den Instrumenten vergangener Epochen dem tiefen Bedürfnis nach einer feinsinnigen, vornehmen und stillen Musik. Die Blockflöte repräsentiert dieses Ideal in schönster Vollkommenheit.

Zauber der Blockflöte

Amsterdam Loeki Stardust Quartet © Erika Esslinger Konzertagentur

Die Blockflötisten des sagenhaften Amsterdam Loeki Stardust Quartets haben seit der Gründung ihres Ensembles vor gut 30 Jahren mit Akribie und Übermut, mit der Liebe zu Bibliotheken und deren ungehobenen Schätzen und Lust an der Provokation alle Klischees und Vorurteile über die angeblich langweilige Blockflöte hinweggeblasen. Die vier Herren wirbelten bereits Staub auf, als sie 1981 am "Musica Antiqua Concours" in Brügge teilnahmen und damals, mitnichten regelkonform, einen Stevie-Wonder-Song zum Besten gaben. Trotzdem gewannen sie den Ersten Preis. Mehr als 100 Blockflöten - von der 20 Zentimeter kurzen Sopranino-Flöte bis zum drei Meter in die Höhe ragenden Subkontrabass - nennt das Quartett sein Eigen. Mit einer kostbaren Auswahl "süßer Flöten" und mit Musik von Francisco de la Torre, Diego Ortiz, Tomás Luis de Victoria, Antonio de Cabezón und anderen tritt das Amsterdam Loeki Stardust Quartet in Hamburg auf.

Unbeschreibliche Kraft und Energie

"Das Spanien des 15. und 16. Jahrhunderts zählte zu den wichtigsten See- und Handelsmächten der Welt. All dieser Glanz und Prunk sowie eine unbeschreibliche Kraft und Energie spiegeln sich in der spanischen Musik jener Zeit wider", heißt es in einem Text des Ensembles zu diesem Konzert. "Sowohl am Hof als auch in den Kirchen und Privatkapellen des Adels spielte Musik eines wichtige Rolle. Das schöpferische Spektrum der zeitgenössischen Kompositionskunst reiche vom melancholischen Canción über komplexe Motetten und Recercadas bis zur feurigen Batalla."

Das Programm:

Anonymus: Amor de penada gloria
Anonymus: Pues con sobre de tristura
Francisco de la Torre: Danza Alta
Anonymus: La Spagna
Pedro de Escobar: Motette "Sumens illud Ave Gabrielis ore"
Johannes Cornago: Qu'es mi vida preguntays
Andreas de Silva, Tomás Luis de Victoria, Nicolas Gombert: Motetten
Juan Baseya: Obra de 8. tom de dous tiples
Diego Ortiz: Recercadas über "La Spagna" und "Doulce Memoire"
Sebastián Aguilera de Heredia: Obra del Otto Tono alto: Ensalada
Anonymus: Salterello
Anonymus: Batalla Famossa
Antonio de Cabezón: Susana un Jur, Diferencias sobre la Gallarda Milanesa, Diferencias sobre Un gay bergier

Konzerttermin:
Donnerstag, 7. Mai 2009
20.00 Uhr
Laeiszhalle Hamburg

Um 19.00 Uhr gibt es im Kleinen Saal eine Einführung in "La Spagna - die Renaissance am spanischen Hof".

Sendetermin:
Freitag, 29. Mai 2009
20.00 Uhr
NDR Kultur

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Orchester und Chor