Stand: 16.02.2009 15:00 Uhr

Große Oper am Gänsemarkt

Konzert:
Donnerstag, 26. Februar, 20.00 Uhr, Großer Saal, Laeiszhalle Hamburg

NDR Kultur sendet eine Aufzeichnung des Konzerts am Freitag, 27. März 2009, 20.00 Uhr

Das vierte Abo-Konzert der Reihe NDR Das Alte Werk am Donnerstag, 26. Februar, um 20.00 Uhr in der Hamburger Laeiszhalle steht unter der Überschrift "Große Oper am Gänsemarkt". Die französische Sopranistin Sandrine Piau und die Akademie für Alte Musik Berlin präsentieren Keiser, Händel und Telemann, die Erfolgskomponisten aus der legendären und skandalumwitterten Gründerzeit der Hamburger Gänsemarkt-Oper.

Erste Bürgeroper unterm Argwohn der Obrigkeit

1678 eröffnete mitten in Hamburg, zwischen Gänsemarkt und Dammtor, "Deutschlands erste Bürgeroper" ihren Spielbetrieb: das erste öffentliche Opernhaus in deutschen Landen - im zukunftsweisenden Unterschied zu den exklusiven höfischen Bühnen und Schlosstheatern. Aber die Gründung erfolgte unter Protest, da die lokale Geistlichkeit den neumodischen "Sing-Spielen" mit strengster moralischer Missbilligung begegnete, weshalb der Hamburger Rat schließlich ein wissenschaftliches Gutachten in Auftrag gab zu der Fragestellung, "ob es an sich ein sündhafft Werck sey / solche Sing-Spiele zu praesentiren / oder dieselbe zu hören und zu schauen". Die Hamburger Gänsemarkt-Oper blieb denn auch bis 1738, als das Theater geschlossen werden musste, von Krisen, Skandalen und Anfeindungen nicht verschont.

Goldene Ära der großen Namen

Es war eine unruhige, aufregende Zeit der Hamburger Musikgeschichte - aber auch eine Goldene Ära, denn das neue Haus zog eine Elite aufstrebender und experimentierfreudiger Musiker an. Allen voran war es der Komponist Reinhard Keiser, der als "Chefdirigent", Pächter und Operndirektor die Geschicke des Theaters lenkte. In Keisers glorreicher Amtszeit spielte im Orchester auch Johann Christian Schiefferdecker, der später die Nachfolge Dietrich Buxtehudes als Organist an der Lübecker Marienkirche antrat. Und der junge Händel kam als Geiger und Cembalist an das Gänsemarkt-Theater, um hier Anfang 1705 seine erste Oper "Almira, Königin von Castilien" uraufführen zu können.

Eine zweite Glanzzeit erlebte das Haus unter der künstlerischen Leitung des Hamburger Musikdirektors Georg Philipp Telemann, der als oberste Autorität im Musikleben der Stadt berufen schien, auch die krisengeschüttelte Oper zu retten. Doch selbst Telemann konnte am Ende den Niedergang des Gänsemarkt-Theaters nicht aufhalten. "Opern sind mehr für Könige und Fürsten als für Kauf- und Handelsleute", hieß es damals. Aber das letzte Wort in Sachen Hamburger Oper war mit diesem wenig schmeichelhaften Urteil noch längst nicht gesprochen.

Gala würdigt Epoche der Musikgeschichte

Mit ihrer "Hamburger Operngala" erinnert die Akademie für Alte Musik Berlin an eine bahnbrechende und gleichwohl wenig bekannte Epoche der hanseatischen, ja der europäischen Musikgeschichte: Das Gänsemarkt-Theater war beileibe kein Lokalereignis. Die Akademie musiziert Ouvertüren, Suiten und ein Concerto von Schiefferdecker, Keiser, Telemann und Händel. Mit ausgewählten Arien aus den Hamburger "Sing-Spielen" bereichert Sandrine Piau das Programm. Die französische Sopranistin ist ein Star der Barockmusik. Regelmäßig tritt sie mit William Christie, Gérard Lesne, Emmanuelle Haïm und Christophe Rousset auf. Ihr Repertoire von Monteverdi bis Debussy und Britten zeichnet sich gerade nicht durch Spezialistentum aus, sondern durch einen enzyklopädisch weiten Horizont musikalischer Neugierde.

Das Konzertprogramm im Detail

Johann Christian Schiefferdecker: Ouverture und Chaconne
Reinhard Keiser: Arien und Tänze aus "Der verführte Claudius"
Georg Philipp Telemann: Concerto e-Moll für Block- und Querflöte TWV 52:e1
Reinhard Keiser: Arie aus "Croesus"; Sinfonia zu "Der lächerliche Printz Jodelet"
Georg Philipp Telemann: Arien aus "Orpheus" TWV 21:18
Georg Friedrich Händel: Arien und Tänze aus "Almira" HWV 1

Dieses Thema im Programm:

Das Alte Werk | 27.03.2009 | 20:00 Uhr

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