Stand: 26.11.2009 16:20 Uhr

La serva padrona

Kurz vor Beginn des Pergolesi-Jahres 2010, hat sich die Reihe NDR Das Alte Werk schon vorab dem italienischen Komponisten Giovanni Battista Pergolesi gewidmet und "La serva padrona" auf die Bühne gebracht. Der Berliner Regisseur Hinrich Horstkotte inszenierte die musikalische Komödie am 26. November 2009 in der Hamburger Laeiszhalle.  Zu hören waren Jos van Immerseel mit seinem Ensemble Anima Eterna und als Gesangssolisten Roberta Invernizzi (Sopran) und Thomas Bauer (Bass). Anima Eterna gilt als ein experimentierfreudiges und wagemutiges Orchester. Die belgischen Musiker haben sich dem Originalklang verschrieben. Ihre Bandbreite reicht dabei längst bis zu Ravel, Bartók und Gershwin. Und natürlich auch Pergolesi.

Zwiesprache von Cembalo zu Cembalo

Jos van Immerseel  Foto: Thomas Vanhaute
Jos van Immerseel

Der Abend in der Laeiszhalle stand ganz im Zeichen der Tasteninstrumente.  In der ersten Konzerthälfte spielte der 1945 in Antwerpen geborene Dirigent, Cembalist und Pianist Jos van Immerseel  gemeinsam mit Anne Galowich Pergolesis Konzert in C-Dur für zwei Cembali und Streicher. Die beiden Solisten widmeten sich auch dem katalanischen Komponisten Antonio Soler, der als der bedeutendste spanische Komponist der Klassik für Tasteninstrumente gilt. Die Interpretation des Conciertos in G-Dur war ein Konzert ohne Orchester, eine Zwiesprache von Cembalo zu Cembalo. Das Concerto a quattro f-Moll, das Pergolesis Lehrer Francesco Durante für Streicher und Basso continuo schrieb, kam hingegen ganz ohne Solisten aus. Und führte dem verblüfften Hörer vor Augen und Ohren, wie frei das Konzert seinerzeit von allen Standardmaßen der Form und Besetzung war.

 Herzmassage, Kissenschlacht und Hochzeitsmarsch

Die zweite Hälfte des Konzerts hatte ihren Schwerpunkt in der musikalischen Komödie. Hinrich Horstkotte inszenierte Pergolesis "La Serva Padrona" in sehr lebhafter und turbulenter Weise. In dem Intermezzo bringt die listige Dienerin Serpina ihren eigenbrötlerischen Herrn Uberto dazu, sie zu heiraten. Dabei setzte der Regisseur auf  besonders temperamentvolle Szenen: von Herzmassage, Kissenschlacht bis Hochzeitsmarsch blieb nichts aus und sogar die Musiker wurden ins Geschehen eingebunden. Roberta Invernizzi  (Sopran) und Thomas Bauer  (Bass) glänzten in den beiden Hauptrollen und Regisseur Horstkotte schlüpfte selbst in die die Rolle des Dieners Vespone.

"La serva padrona": eine musikhistorische Sensation

"La serva padrona" wurde 1733 zwischen den Akten einer "Opera seria" in Neapel uraufgeführt und eroberte Europa wie im Sturm. 1743 war die subversive Komödie von der "Magd als Herrin" erstmals in Hamburg zu sehen und zu hören. Für eine musikhistorische Sensation und politische Unruhe aber sorgte das Stück 1752 beim Gastspiel einer italienischen Operntruppe in Paris, als Pergolesis Musik den berühmten "Buffonistenstreit" auslöste: eine erbittert geführte publizistische Schlacht zwischen den Verfechtern der neuen "natürlichen", zukunftsweisenden Tonkunst aus Italien und den Bewahrern der geheiligten französischen Tradition, der "Tragédie lyrique" aus der Epoche des Sonnenkönigs. Giovanni Battista Pergolesi allerdings sollte den beispiellosen Erfolg seiner "Commedia musicale" nicht mehr erleben. Er starb bereits 1736, im Alter von 26 Jahren, an Tuberkulose und ging als eine Legende, als eine zum Mythos verherrlichte Gestalt in die Musikgeschichte ein.

NDR Kultur sendet eine Aufzeichnung des Konzertes am Freitag, 29. Januar 2010 ab 20.00 Uhr.

Das Konzertprogramm:

Francesco Durante:
Konzert Nr. 1 f-Moll für Streicher und Basso continuo
Padre Antonio Soler:
Concierto Nr. 3 G-Dur für zwei Cembali solo
Giovanni Battista Pergolesi:
Concerto C-Dur für zwei Cembali und Streicher
"La serva padrona", Intermezzo (halbszenische Aufführung)

Anima Eterna
Jos van Immerseel, Cembalo und Leitung
Solisten:
Roberta Invernizzi, Sopran (Serpina)
Thomas Bauer, Bass (Uberto)
Hinrich Horstkotte, Regie (Vespone)

Dieses Thema im Programm:

Das Alte Werk | 29.01.2010 | 20:00 Uhr

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