Sendedatum: 27.10.2010 20:00 Uhr

Ein Hoch dem Violoncello

Sendetermin

Das Konzert wird am Sonntag, 19.12.2010 um 11 Uhr auf NDR Kultur gesendet.

Mi, 27.10.2010 | 20 Uhr
Hamburg, Laeiszhalle, Großer Saal
19 Uhr: Einführungsveranstaltung mit Ilja Stephan im Kleinen Saal

Akademie für Alte Musik Berlin
Jean-Guihen Queyras Violoncello

Vivaldis Cellokonzerte: Originalität und traumwandlerisches Stilgefühl

Akademie für Alte Musik Berlin © Akademie für Alte Musik Foto: Peter Witt
Akademie für Alte Musik Berlin

An der Spitze der Solokonzerte, die der Italiener Antonio Vivaldi zahlreich schuf, steht mit über 230 "Auftritten" die Violine. An zweiter Stelle der Statistik folgt (hätten Sie's gedacht?) das Fagott, und schon an dritter Position rangiert mit 27 Werken das Violoncello. Vivaldi hat dieses Instrument selbst gespielt, vielleicht auch am Ospedale della Pietà in Venedig unterrichtet.

Wie auch immer – nicht bloß die Zahl, sondern auch und zuerst die Originalität, das traumwandlerische Stilgefühl seiner Cellokonzerte erscheint höchst außergewöhnlich. Das Violoncello war ja damals noch kaum in Erscheinung  getreten. Erst wenige Jahre zuvor, um 1700, hatten die Instrumentenbauer dem Bass der Violinfamilie ein gültiges, klangschönes und praxistaugliches Format verliehen. In einer Gründerzeit, in der Frühgeschichte lokal aufflackernder Cellomusik, komponierte Vivaldi seine furiosen und poetischen Konzerte.

Der Cellist Jean-Guihen Queyras  Foto: Marco Borggreve
Jean-Guihen Queyras

"Das Solospielen ist auf diesem Instrumente eben nicht eine so gar leichte Sache", warnte damals der Komponist Johann Joachim Quantz. "Wer sich hierinne hervorthun will, der muss von der Natur mit solchen Fingern versehen seyn, die lang sind, und starke Nerven haben, um weit aus einander greifen zu können. Wenn sich aber diese nothwendigen Eigenschaften, nebst einer guten Anweisung zugleich beysammen finden; so kann, auf diesem Instrumente, sehr viel Schönes hervorgebracht werden."

Der Franzose Jean-Guihen Queyras, ein unorthodox neugieriger, der sowohl in der historischen wie der allerneuesten Musik beheimatet ist, wusste an diesem Abend "viel Schönes" und Unerhörtes zu entdecken: verwegene venezianische Cello-Abenteuer.

Caldara: selten zu erlebende Kompositionskunst

Ein anderer Cellist, ein großer Vorgänger Queyras‘ und obendrein ein Landsmann und Zeitgenosse Vivaldis, bereichert mit seiner mittlerweile nur noch selten zu erlebenden Kompositionskunst das Programm der Akademie für Alte Musik: Antonio Caldara aus Venedig. Er ging durch seine monumentalen, repräsentativen und meisterlich erzkonservativen Werke in die Geschichte ein. Sein respektgebietendes Œuvre an Messen, Oratorien und Opern schuf er vor allem in seiner Zeit als Kapellmeister am Wiener Hof Karls VI.

Konzertprogramm:

ANTONIO VIVALDI
Sinfonie C-Dur für Streicher und B.c. RV 717 (Ouvertüre zu "Il Giustino")
Konzert g-Moll für Violoncello, Streicher und B.c. RV 416
Concerto C-Dur per Archi RV 114
Konzert e-Moll für Violoncello, Fagott, Streicher und B.c. RV 409
Concerto Nr. 11 d-Moll für 2 Violinen solo, Streicher und B.c. RV 565
Sinfonie C-Dur für Streicher und B.c. RV 709 (Ouvertüre zu "La Dorilla in Tempe")
Konzert F-Dur für Violoncello, Streicher und B.c. RV 412
Konzert a-Moll für Violoncello, Streicher und B.c. RV 419

ANTONIO CALDARA
Sinfonia Nr. 6 g-Moll "San Elena al Calvario"
Sinfonia Nr. 12 a-Moll für Streicher und B.c.  "La Passione del Gesu Signor Nostro"

Dieses Thema im Programm:

Das Alte Werk | 27.10.2010 | 20:00 Uhr

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