Accademia Bizantina

Kein Aprilscherz! Auf den Tag genau drei Jahre nach ihrem Debüt in der Reihe NDR Das Alte Werk kehrt die Accademia Bizantina am 1. April zu einem Konzert in die Hamburger Laeiszhalle zurück. Und mochte die Accademia damals noch als Geheimtipp unter Eingeweihten gelten, so konnte sie sich seither als klangvoller Name und fester Begriff im internationalen Musikleben etablieren.

Eine inspirierende Atmosphäre

1983 wurde die Accademia Bizantina in Ravenna gegründet, in der einstigen "Hauptstadt des spätantiken Abendlandes", die als UNESCO-Weltkulturerbe mit ihren prachtvollen Zeugnissen byzantinischer Kunst den Musikern eine inspirierende Atmosphäre bot und obendrein die Antwort gab auf die Frage, wie sich das neu gegründete Ensemble nennen sollte. 1996 übernahm der Cembalist und Organist Ottavio Dantone als "direttore musicale" die künstlerische Leitung der Accademia Bizantina, die er gemeinsam mit dem Konzertmeister Stefano Montanari zu ungeahnten Höhenflügen führte: mit Entdeckerfreude, Forscherfleiß, Fantasie und mitreißender Musizierlust. Oder wie es in einem Selbstporträt der Akademie heißt: "Dantones Rigorosität und Raffinement, Montanaris Energie und Elan, der Enthusiasmus und die Mitteilsamkeit jedes einzelnen Instrumentalisten fügen sich zusammen wie die Steine eines byzantinischen Mosaiks."

Von der Muse "gestochen"

Accademia Bizantina © Tania Melnikova

Im Konzert wird die Accademia Bizantina nach einer Sinfonia des Venezianers Tomaso Albinoni vor allem Konzerte Vivaldis in reizvoll wechselnder Besetzung spielen, darunter auch zwei Werke aus dem berühmten Opus 3, "L'estro armonico". Das italienische "estro" bedeutet Eingebung, Begabung, Laune oder 'Stechfliege'. Und bei manchen wilden bis bizarren Stücken dieses Zyklus könnte man tatsächlich den Eindruck gewinnen, der Komponist sei von der Muse mehr gestochen als geküsst worden. Ein Concerto grosso des aus Lucca nach London ausgewanderten Francesco Geminiani beschließt den Abend, Variationen über "La Follia". Doch handelt es sich nicht um ein Originalwerk, sondern um eine Hommage: Geminiani schuf das Concerto nach der Violinsonate d-Moll Opus 5 Nr. 12 seines Lehrers Arcangelo Corelli, der in England - im Rausch des "Corellian Cult" - wie ein Abgott verehrt wurde.

Das Konzertprogramm im Detail:

Tomaso Albinoni: Sinfonia a quattro F-Dur
Antonio Vivaldi: Violinkonzert a-Moll Opus 3 Nr. 6 RV 356
Konzert A-Dur für zwei Violinen Opus 3 Nr. 5 RV 519,
Violoncellokonzert d-Moll RV 405
Konzert g-Moll für Streicher RV 156
Violinkonzert B-Dur RV 369
Francesco Geminiani: Concerto grosso "La Follia" (nach Arcangelo Corelli)

Konzerttermin:
Mittwoch, 1. April 2009
20.00 Uhr
Laeiszhalle Hamburg
Einführung um 19.00 Uhr im Kleinen Saal der Laeiszhalle

Sendung:
Sonntag, 12. April 2009
11.00 Uhr
NDR Kultur

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