Stand: 11.09.2017 10:00 Uhr

Ina Jaks

Alt | beim NDR Chor seit August 1990

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Mein erstes prägendes Musikerlebnis:

Während meiner Grundschulzeit besuchte ich einen Ballettkurs. Die Lehrerin war streng, aber wenn wir brav waren, durften wir uns aus einem
hutschachtelförmigen Köfferchen eine Single aussuchen und in der großen Turnhalle drauflostanzen. Ich erinnere mich an ein erhebendes Glücksgefühl und dass die Lehrerin mir zugezwinkert hat. Sie hat gesehen, dass ich eben etwas ganz Wichtiges gefunden hatte.

Wenn Sonntag morgens die Kacheln schallerten, weil mein Vater frohgemut beim Rasieren sang, das fand ich immer herrlich. Später war es die
Stimme von Eric Clapton, die mich vom Hocker gehauen hat.

Mein Weg zum NDR Chor:

Ich wollte eigentlich nur mein Examensprogramm zusammenstellen und erkundigte mich bei allen Rundfunkchören nach den geforderten
Pflichtarien für Altistinnen. Darauf erhielt ich vom NDR einen Brief mit einer prompten Einladung zu einem Vorsingen. Meine sonst so Bedenken
tragende Gesangslehrerin fing richtig Feuer, heizte mir wider Erwarten ein und bestärkte mich mit ihrem Zutrauen. Mit unbekümmerter Chuzpe fuhr ich los - und bekam die Stelle.

Mein außergewöhnlichstes Auftrittserlebnis:

Da ich kurz nach der Wende Mitglied des NDR Chores wurde, erlebte ich, wie manch brachliegende Räume in den neuen Bundesländern mit Musik wiedererweckt wurden. Beim ersten Konzert in der völlig entkernten Hallenkirche in Neubrandenburg wurden wir mit einer Plane davor geschützt, was Tauben so fallen lassen, während sie schöne Musik hören. Beim zweiten Besuch war eben dort inzwischen ein großartiger Konzertsaal, ein Kerngehäuse in der gotischen Schale entstanden.

Jahr für Jahr beobachteten wir in Wismar, wie die Renovierung der St.-Georgen-Kirche voranschritt. Beim ersten Konzert standen wir noch buchstäblich im Sand, um den Festakt zur Aufnahme ins Weltkulturerbe-Verzeichnis mitzugestalten. Es ist eine treue Verbundenheit zu diesem Ort und unserem dortigen Publikum entstanden.

Im Rahmen des Usedomer Musiksommers führten wir Brittens "War Requiem" in der Kraftwerkshalle in Peenemünde auf. An nämlichem Ort, wo während des Zweiten Weltkriegs zerstörerische Waffen hergestellt wurden, sangen nun die ehemals verfeindeten Nationen in einem Chor vereint: englische und deutsche Sänger, dirigiert von einem russischen Dirigenten. Dieses Erlebnis, an solch einem geschichtsträchtigen Ort, wird mir unvergessen bleiben.

Orchester und Chor