"Möglichst viele Erfahrungen sammeln"

Klaus Heidenreich, Posaune, ist mit 24 Jahren festes Mitglied der NDR Bigband geworden.

Sie scheinen alles ein bisschen früher begonnen zu haben als andere Musiker: Mit 17 haben Sie bereits an der Hochschule Posaunenunterricht bekommen, und noch während des Studiums kam dann die Festanstellung in der NDR Bigband. Woher dieses Tempo?

Klaus Heidenreich: Naja, hätte ich nicht vor zwei Jahren schon diese Stelle bekommen, wäre das Tempo eigentlich ganz normal gewesen. Inzwischen machen das viele Musiker, dass sie schon während der Schulzeit anfangen, an einer Hochschule Unterricht zu nehmen. Das trägt dann diese wichtig klingende Bezeichnung "Jungstudent". Und heutzutage gehört es auch dazu, dass man zumindest versucht, schon während des Studiums beruflich Fuß zu fassen. Das geht bei uns Musikern eben über das Spielen.

Biografisches in Kürze

Jahrgang 1984, aufgewachsen in Celle, lebt Klaus Heidenreich heute in Hamburg und Köln.

Instrument: Posaune

Preisträger bei "Jugend musiziert", "Jugend jazzt", langjähriges Mitglied im BuJazzO und Finalist bei der "Carl Fontana Jazz Trombone Competition" in Las Vegas/USA. Er studierte an der Musikhochschule in Köln. Verfolgt auch eigene Projekte mit dem Klaus Heidenreich Quartett und der Kölner Band Hornstrom. Er unterrichtet Jazzposaune an der Hochschule in Hannover.

Seit 2008 ist Klaus Heidenreich festes Mitglied der NDR Bigband.

Ich habe einige Male als Aushilfe in der NDR Bigband gespielt, aber als dann die Stelle frei wurde, hätte ich gar nicht gedacht, dass das gleich was wird. Umso glücklicher war ich dann, als es geklappt hat.

Kommt Ihnen trotzdem manchmal der Gedanke, dass Sie sich vielleicht etwas früh festgelegt haben?

Heidenreich: Also, auf jeden Fall habe ich mir von Anfang an vorgenommen, dass ich nicht einfach sage: Ab jetzt habe ich hier noch 42 Jahre, mache ich eben das Beste draus. Ich sehe das als Chance, weil ich von den Kollegen hier sehr viel lernen kann und es ja auch einfach ein toller Job ist, den man so gesehen ewig machen könnte.

Trotzdem achte ich darauf, meine eigenen musikalischen Vorstellungen und Projekte auch außerhalb der Band zu verfolgen. Das tun im Übrigen auch viele Kollegen, und es ist einfach wichtig um sich weiterzuentwickeln.

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Der Benjamin heißt Klaus

Frisch von der Hochschule als festes Mitglied in solch eine Band einzusteigen zu können, ist schon ungewöhnlich. Für Posaunist Klaus Heidenreich aber kein Problem. Audio (00:45 min)

Konzerte, Studioproduktionen, Unterrichten - gibt es einen Aspekt des Musikerlebens, der Ihnen besonders wichtig ist?

Heidenreich: Das gehört alles zusammen und bedingt sich zum Teil bestimmt auch gegenseitig. Je breiter man aufgestellt ist, ob das nun Studioproduktionen, Tourneen oder auch das Unterrichten betrifft, desto mehr Erfahrungen kann man sammeln, denke ich. Deshalb würde ich da keine Tätigkeit besonders herauspicken wollen. Ich fühle mich in allen diesen Rollen wohl. Ich habe inzwischen an der Hochschule in Hannover auch selbst Posaunisten unterrichtet und Workshops gegeben und könnte mir gut vorstellen, das in Zukunft noch auszubauen.

Welchen Anreiz muss man Ihnen geben, um Sie für ein musikalisches Projekt zu begeistern?

Heidenreich: Hm. Mir liegt schon viel an der Improvisation, wenn verschiedene Leute gleichzeitig ihren Anteil an der Musik spontan bestimmen können. Das ist eigentlich das, was mich im Moment am meisten beschäftigt und begeistert: mit Leuten zu musizieren, bei denen ich das Gefühl habe, dass jeder in jedem Moment das Spielgeschehen mitbeeinflussen kann. Wo man einerseits viele Freiheiten hat, sich aber trotzdem in einem vorher abgesteckten Rahmen bewegt.

Was wollen Sie musikalisch unbedingt noch ausprobieren?

Heidenreich: Ich möchte auf jeden Fall musikalisch dazu lernen und mich weiterentwickeln. Es gibt da aber kein konkretes Ziel, wie zum Beispiel: In drei Jahren möchte ich unbedingt auf dieser oder jener Bühne gestanden haben oder etwas in der Art. Es wird vermutlich eher ein Prozess sein, in dem sich die Dinge nach und nach entwickeln. Außerdem lastet mich die Arbeit in der NDR Bigband auch schon ziemlich aus, aber das ist schon gut so. Das wird sich alles so ergeben, wie es sein soll.

Das Interview führte Jessica Schlage (2011).