Sendedatum: 19.06.2015 11:20 Uhr

Moshe Atzmon: frischer Wind in Hamburg

von Ulrike Henningsen

1971 trat Hans Schmidt-Isserstedt, der erste Chefdirigent des 1945 gegründeten NDR Sinfonieorchesters aus Altersgründen von seinem Amt zurück. Nachfolger wurde der 1931 in Budapest geborene Dirigent Moshe Atzmon, der 1944 mit seiner Familie nach Israel ausgewandert war.

Es war Liebe auf den ersten Blick, als der noch nicht 40-jährige Moshe Atzmon sein Debüt beim NDR Sinfonieorchester gab. Werke von Berlioz und Isang Yun standen am 8. März 1971 auf dem Programm und Mozarts A-Dur Violinkonzert mit Joseph Suk als Solisten. "Das ist so wichtig, dass ich ein Orchester von solch einem berühmten und bedeutenden Dirigenten wie Hans Schmidt-Isserstedt bekommen habe. Das Orchester hat eine sehr gute Erziehung und das macht meine Arbeit viel leichter", so beschreibt Atzmon sein Orchester zu Beginn. Leicht war das Erbe dennoch nicht für Moshe Atzmon, denn Hans Schmidt-Isserstedt war mehr als 25 Jahre Chefdirigent des NDR Sinfonieorchesters gewesen. Jetzt kam ein wesentlich jüngerer Musiker, allein schon deshalb wehte natürlich ein anderer Wind. 80 Prozent der 103 Orchestermitglieder hatten für Atzmon als neuen Chef gestimmt.

Spontane Lehrstunde mit Atzmon

Atzmon spielte viele Jahre als Hornist im Orchester, bevor er Dirigent wurde. Sowohl als internationaler Gastdirigent als auch als Chefdirigent des Sydney Symphony Orchestra hatte sich Atzmon einen Namen gemacht, bevor er der zweite Chefdirigent des NDR Sinfonieorchesters wurde. Es war die große Repertoire-Breite und Offenheit, die das Orchester begeisterten. Und auch das Publikum ließ sich von Atzmons Liebe zur Musik mitreißen. Als er zum Beispiel 1972 Krzysztof Pendereckis brandneues Werk "De natura sonoris" aufs Programm setzte und das Publikum im Saal unruhig wurde, brach Atzmon ab und begann das Werk zu erklären. Die Musiker spielten einzelne Stellen vor, und nach dem vollständigen Stück gab es riesigen Jubel.

Neue Akzente in Hamburg

Pianist Alfred Brendel © picture-alliance/dpa Foto: Stefan Hesse
Alfred Brendel spielte unter dem Dirigat von Moshe Atzmon zusammen mit dem NDR Sinfonieorchester.

Mit Werken von Beethoven bis Lutoslawski und besonders mit Musik von dem damals noch wenig gespielten Gustav Mahler setzte Moshe Atzmon neue Akzente in Hamburg. Es kamen auch namhafte Solisten wie etwa Marta Argerich oder Alfred Brendel. Fünf Jahre, bis 1976, währte die Zusammenarbeit von Moshe Atzmon und dem NDR Sinfonieorchester. Und das ist lang, denn es war schwer, die Nachfolge des ersten Chefdirigenten Hans Schmidt-Isserstedt anzutreten: "Das Orchester war so daran gewöhnt, nur eine Hand, nur eine Person als maßgebend zu sehen, dass es schwer ist, nach so langer Zeit dann den Kurs zu ändern. Da sind wir dann auseinandergelaufen."

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Das NWDR Sinfonieorchester und Hans Schmidt-Isserstedt bei einem Konzert in der Laeiszhalle (um 1955). © NDR

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Dieses Thema im Programm:

NDR Kultur | 19.06.2015 | 11:20 Uhr

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