Ein ukrainischer Soldat kniet vor Munition für eine Artilleriegeschütz, welches man im Hintergrund sieht. © IMAGO / Ukrinform Foto: Dmytro Smoliyenko
Ein ukrainischer Soldat kniet vor Munition für eine Artilleriegeschütz, welches man im Hintergrund sieht. © IMAGO / Ukrinform Foto: Dmytro Smoliyenko
Ein ukrainischer Soldat kniet vor Munition für eine Artilleriegeschütz, welches man im Hintergrund sieht. © IMAGO / Ukrinform Foto: Dmytro Smoliyenko
AUDIO: #NDRfragt-Gespräch auf NDR Info zum Ukraine-Krieg (6 Min)

Umfrage: Nur Minderheit glaubt an Sieg der Ukraine

Stand: 24.02.2023 11:29 Uhr

Nur eine Minderheit der Befragten in der #NDRfragt-Gemeinschaft glaubt, dass die Ukraine den Krieg gewinnen kann. Die Mehrheit befürwortet deutsche Waffenlieferungen und stellt sich auf einen längeren Krieg ein.

von Ada von der Decken, Björn Schwentker

Vor einem Jahr, am 24. Februar 2022, marschierten russische Streitkräfte in der Ukraine ein. Nur ein kleiner Anteil - 12 Prozent - der gut 13.600 Befragten aus der #NDRfragt-Gemeinschaft geht davon aus, dass der Ukraine-Krieg innerhalb eines weiteren Jahres endet. Mit fast 70 Prozent stellen sich die meisten darauf ein, dass er länger dauern wird. Eine knappe Mehrheit geht dabei davon aus, dass die Ukraine nicht gewinnen kann. Nur 40 Prozent glauben an einen Sieg des Landes.

In der Frage, wer die Hauptverantwortung für den Krieg trägt, unterscheiden sich die Haltungen vor allem zwischen Ost und West. Alle Ergebnisse der nicht repräsentativen Umfrage von #NDRfragt gibt es hier als PDF zum Herunterladen.

Kampfpanzer ja - Kampfjets nein

Lange hat die politische Debatte bestimmt, ob und wann Deutschland "Leopard 2"-Kampfpanzer an die Ukraine liefert. Ende Januar hat Kanzler Scholz sich schließlich dafür entschieden. Unter den Mitgliedern der #NDRfragt-Community, die an der Umfrage teilgenommen haben, erhält er breite Zustimmung dafür: Knapp zwei Drittel finden die Entscheidung des Kanzlers richtig.

Eine eindeutige Mehrheit der Befragten lehnt hingegen ab, dass Deutschland künftig auch Kampfjets ins Kriegsgebiet liefert. Nur knapp ein Drittel der Befragten würde das begrüßen. Wer es richtig findet, dass Deutschland die Ukraine mit Panzern des Typs "Leopard 2" unterstützt, führt oftmals das Recht auf Selbstverteidigung ins Feld:

"Die Ukraine muss in die Lage versetzt werden, sich effizient verteidigen zu können. Verhandlungen können erst erfolgen, wenn Russland keine Aussicht mehr auf eine militärische Lösung hat. Daher muss die ukrainische Armee gestärkt werden." #NDRfragt Mitglied Thorsten, 42, aus Niedersachsen

 

Kampfpanzer machen keine Hoffnung auf rasches Kriegsende

Zwar sprechen sich die meisten Befragten für deutsche Kampfanzer im Ukraine-Krieg aus. Es findet sich aber keine Mehrheit, die meint, dass der Krieg dadurch scheller enden würde. Das glaubt nur knapp ein Viertel der Umfrageteilnehmerinnen und -teilnehmer. 38 Prozent rechnen sogar damit, dass die "Leopard 2"-Panzer den Krieg verlängern. Viele halten sie dennoch für nötig. Für andere ist gerade das der Grund, gegen die Lieferung der Panzer zu sein:

"Waffen tragen zur Verlängerung eines Krieges bei und somit zu mehr Opfern. Frieden kann nur durch Verhandlungen erreicht werden." #NDRfragt-Teilnehmerin MArtina, 57, aus Schleswig-Holstein

Ruf nach mehr Diplomatie

Auch wenn 40 Prozent der Befragten die deutsche Politik der Waffenlieferungen für angemessen halten und sie weitere 25 Prozent sogar noch weiter treiben würden, gibt es gleichzeitig einen deutlichen Ruf nach mehr Diplomatie: Fast 60 Prozent gehen die diplomatischen Anstrengungen der Bundesregierung nicht weit genug. Und auch die Sanktionen gegen Russland dürften nach Meinung der meisten Befragten (54 Prozent) durchaus härter ausfallen - nur ein Viertel findet das aktuelle Sanktionspaket angemessen.

"Deutschland sollte hinter den Kulissen eine diplomatische Lösung forcieren, die beide Seiten das Gesicht wahren lässt, auch wenn die Ukraine am Ende Gebiete abgeben muss. Der Rest der Ukraine sollte als Pufferzone zwischen NATO und Russland bestehen bleiben und Sicherheitsgarantien von beiden Seiten bekommen." #NDRfragt-Teilnehmer Johannes, 36, aus Niedersachsen

Sicht auf Kriegsverantwortung unterschiedlich in Ost und West

Zur völkerrechtlichen Frage der Kriegsschuld gibt es unter Experten eine recht einhellige Meinung: Russland hat einen Angriffskrieg gestartet und damit gegen die UN-Charta von 1945 verstoßen, indem es mit Gewalt die territoriale Unversehrtheit der Ukraine verletzt.

VIDEO: NDR MV Live: Große Sorgen um die Folgen des Ukraine-Kriegs in MV (14 Min)

Wer die Hauptverantwortung dafür trägt, dass es überhaupt zum Krieg kommen konnte, bewerten die #NDRfragt-Teilnehmenden aus Ost und West unterschiedlich.

In den westlichen Bundesländern Norddeutschlands sehen fast vier von fünf Befragten die Verantwortung bei Russland. In Mecklenburg-Vorpommern hingegen hält nur eine dünne Mehrheit Russland für hauptsächlich verantwortlich. Gut ein Viertel gibt den USA die Schuld. Die Antworten unterscheiden sich dabei deutlich nach Alter.

Oft bringen #NDRfragt-Mitglieder in der Befragung eigene Vorschläge ein, wer verantwortlich ist. Am häufigsten nennen sie das westliche Verteidigungsbündnis NATO als Verursacher. Viele legten sich auf den russischen Machthaber Wladimir Putin persönlich als Hauptschuldigen fest. Einige wollen keinen Alleinschuldigen festmachen und sehen die Verantwortung auf allen Seiten.

Breiter Rückhalt für Unterstützung ukrainischer Geflüchteter

Im gesamten Norden begrüßen vier von fünf Befragten die deutsche Unterstützung für Geflüchtete aus der Ukraine. Knapp die Hälfte gibt sogar an, selbst zu helfen - die meisten in Form von Geld- und Sachspenden. Die befragten Mecklenburger und Vorpommern äußern sich kritischer als die aus den westlichen Bundesländern. Der Kontakt zu Geflüchteten macht den Krieg für manche Befragten besonders präsent:

"Nie habe ich gedacht, einem Krieg so nahe zu sein. Wenn ich mich mit den Flüchtlingen unterhalte, dann ist dieser Krieg auch bei mir. Er macht mich so traurig und wütend. Und immer ist da die Frage: Warum?" #NDR-fragt Teilnehmerin Bärbel, 62, aus Schleswig-Holstein

Sorge um Energieversorgung und Teuerung

Unter den Sorgen, die sich die befragten #NDRfragt-Mitglieder wegen des Krieges machen, dominiert klar die starke Inflation. 58 Prozent machen sich angesichts steigender Preise große oder sogar sehr große Sorgen. Die Angst um eine stabile Energieversorgung ist kleiner geworden: Im November gaben noch 47 Prozent der damals dazu Befragten an, sich deswegen große oder sehr große Sorgen zu machen. Aktuell sind es nur noch 34 Prozent.

Die Umfragen von #NDRfragt sind zwar nicht repräsentativ, stehen aber für die Meinungen einer großen Zahl von Norddeutschen. Wir gewichten die Antworten statistisch, damit #NDRfragt so gut wie möglich die Bevölkerungsgruppen in Norddeutschland widerspiegelt.

Stimmen aus der #NDRfragt-Community

Viele Mitglieder der #NDRfragt-Community haben in der Umfrage ihre Gedanken und Meinungen zu Krieg in der Ukraine aufgeschrieben. Hier eine kleine Auswahl der Stimmen, die uns erreicht haben:

Wachsende #NDRfragt-Gemeinschaft mit 23.000 Norddeutschen

Die NDR Umfrage-Gemeinschaft #NDRfragt gibt es seit Ende Oktober 2022. Mittlerweile haben sich 23.000 Norddeutsche angemeldet. #NDRfragt ist das Meinungsbarometer für den Norden. Wer noch nicht dabei ist, aber mitmachen will, kann sich registrieren und an den Umfragen teilnehmen. Mitglied kann werden, wer in Niedersachsen, Schleswig-Holstein, Mecklenburg-Vorpommern, Hamburg oder Bremen wohnt und mindestens 16 Jahre alt ist.

 

 

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Das Logo von #NDRfragt © Getty Images | iStockphoto Foto: BongkarnThanyakij

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Über diese Befragung

Die Antworten stammen aus der Umfrage "Ukraine-Krieg - wie geht es weiter?", an der sich 13.607 Norddeutsche beteiligt haben.

Für die Ergebnisse wurden Antworten ausgewertet, die vom 13. Februar 2023 bis zum 20. Februar 2023 um 9 Uhr abgegeben wurden. An den Umfragen von #NDRfragt nehmen Menschen aus Schleswig-Holstein, Hamburg, Niedersachsen, Mecklenburg-Vorpommern und Bremen teil. Die Umfragen werden online ausgefüllt.

Die Ergebnisse der Befragung sind nicht repräsentativ. Wir haben sie allerdings nach den statistischen Merkmalen Alter, Geschlecht, Bundesland und Schulabschluss gewichtet. Das heißt: Antworten von Bevölkerungsgruppen, die unter den Befragten seltener vertreten sind als in der norddeutschen Bevölkerung, fließen stärker gewichtet in die Umfrage-Ergebnisse ein. Und die Antworten von in der Befragung überrepräsentierten Gruppen werden schwächer gewichtet. Insgesamt verteilen sich die Antworten dann am Ende eher so, wie es der tatsächlichen Verteilung der Bevölkerungsgruppen in Norddeutschland entspricht.

 

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Eine Frau schaut auf einen Monitor mit dem Schriftzug "#NDRfragt" (Montage) © Colourbox

#NDRfragt - das Meinungsbarometer für den Norden

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Dieses Thema im Programm:

NDR 2 | NDR 2 Spezial - Das Thema | 23.02.2023 | 19:00 Uhr