Stand: 17.01.2018 13:24 Uhr

Hintergrund: Flüchtlinge in Norddeutschland

Wie haben sich die Asylbewerberzahlen in Deutschland entwickelt?

Krisen, Kriege und Armut in Afrika, im Nahen und Mittleren Osten und in Südosteuropa haben die Zahl der Asylbewerber in Deutschland in den vergangenen Jahren steigen lassen. Seit 2016 allerdings ging die Zahl zurück. Im Jahr 2017 wurden laut Bundesregierung 186.644 Asylsuchende in Deutschland registriert (2016: ca. 280.000). Die meisten aus Syrien, dem Irak und Afghanistan.

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In 2016 stellten 722.370 Menschen erstmals einen Antrag auf Asyl - so viele wie nie zuvor.

Im selben Zeitraum gingen beim Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BAMF) 198.317 Erstanträge auf Asyl ein. 24,7 Prozent aller Erstantragssteller kamen aus Syrien, 11,1 Prozent aus dem Irak und 8,3 Prozent aus Afghanistan.

Seit August 2016 war die Antragszahl stark gefallen. Asylbewerber hatten in den Vorjahren zum Teil mehrere Monate darauf warten müssen, Anträge zu stellen, sodass der Anstieg 2016 mit den Anstrengungen der BAMF-Mitarbeiter korrespondierte, Rückstände abzubauen.

Lange Zeit - nämlich von 1992 bis 2008 - waren die Asylbewerberzahlen in Deutschland kontinuierlich geschrumpft. Zuvor, als Folge der Grenzöffnungen früherer Ostblockländer und der Jugoslawien-Kriege Anfang der 1990er-Jahre, waren sehr viele Menschen nach Deutschland geflüchtet: 1992 stellten fast 440.000 Menschen einen Asylantrag. Der Bundestag verabschiedete daraufhin im Mai 1993 den sogenannten Asylkompromiss. Das Grundrecht auf Asyl wurde damals eingeschränkt, mit dem Ziel, "Asylmissbrauch" zu verhindern. Ein Flughafenverfahren und die Definition sicherer Herkunftsländer und Drittstaaten erleichterten die Abschiebung offenkundig aussichtsloser Antragsteller. Zudem wurde ein Asylbewerberleistungsgesetz eingeführt, das Antragsteller schlechter stellte als einheimische Sozialhilfeempfänger. Erst seit 2008 stieg die Zahl der Asylbewerber in Deutschland wieder.

Wie viele Flüchtlinge nehmen die norddeutschen Länder auf?

Abhängig von der Bevölkerungszahl und den Steuereinnahmen nimmt jedes Bundesland unterschiedlich viele Asylsuchende auf. Das Verteilungsverhältnis wird nach dem "Königsteiner Schlüssel" ermittelt, der jedes Jahr neu festgelegt wird. Das Prinzip: Wirtschaftlich starke Länder müssen mehr übernehmen. Fast die Hälfte der Asylsuchenden in Deutschland ist in den Erstaufnahme-Einrichtungen in Nordrhein-Westfalen, Bayern und Baden-Württemberg untergebracht. In Norddeutschland sind es zusammengenommen etwa 17,3 Prozent der Asylbewerber.

Wie kommen Flüchtlinge in Hamburg unter?

2017 stellten in Hamburg 4.664 Asylsuchende einen Erstantrag (2016:16.167).

Gut 9.000 Menschen meldeten sich in der Hansestadt als schutzsuchend. 5.400 (2016: 9.500) von ihnen blieben nach Angaben Hamburgs in der Stadt. Mehr als 3.300 (2016: 7.500) davon musste die Stadt in ihren Unterkünften unterbringen.

Im Jahr 2015 hatten sich knapp 62.000 Schutzsuchende registrieren lassen, von denen etwa 22.000 in Hamburg blieben. Im Herbst 2015 trafen täglich mehrere Hundert Menschen neu ein, die auch in Zelten und großen, kurzfristig zu Flüchtlingsunterkünften umgebauten Hallen untergebracht werden mussten.

Seit Mai 2015 befindet sich die Zentrale Erstaufnahme in Rahlstedt. Ende 2017 waren noch 14 Erstaufnahmen, in denen 4.000 Menschen lebten, in Betrieb. Außerdem stehen rund 32.000 Plätze in 122 Folgeunterkünften zur Verfügung. Im Herbst schloss die letzte Notunterkunft der Stadt. Die Stadt baut zunehmend Wohnunterkünfte, die auch anderweitig genutzt werden können.

Etwa 2.400 Menschen lebten Ende 2017 wegen Platzmangels noch in einer Erstaufnahmeeinrichtung statt in einer Folgeunterkunft. Ein Jahr zuvor waren es noch mehr als 6.000 Menschen. Neue Folgeunterkünfte sollen künftig nicht mehr als 300 Plätze haben. Darauf verständigte sich der rot-grüne Senat mit einer Volksinitiative und wendete damit einen drohenden Volksentscheid gegen Großunterkünfte für Flüchtlinge ab.

Im Dezember 2016 schob Hamburg erstmals Asylbewerber aus Afghanistan in ihr Heimatland ab. Insgesamt schob Hamburg im vergangenen Jahr bis September laut einer Anfrage der Linken in Bundestag 428 Menschen ab. Knapp 200 nutzten das freiwillige Rückkehrprogramm. Knapp 6.500 ausreisepflichtige Menschen leben demnach in der Hansestadt (Stichtag 30. September 2017). Am Flughafen Hamburg scheiterten laut Bundesregierung 45 Abschiebungen am Widerstand der Personen.

In Hamburg brannten bereits aus unterschiedlichen Gründen Flüchtlingsunterkünfte - in Sülldorf und Hammerbrook.

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Wie ist die Lage in Schleswig-Holstein?

6.084 Asylbewerber ließen sich 2017 neu in Schleswig-Holstein registrieren (2016: 10.000) . 2015 hatte das Land 35.000 Menschen aufgenommen. Viele der Flüchtlingsunterkünfte waren daher zeitweise voll oder sogar überfüllt. 2016 hat sich die Lage deutlich entspannt.

Die vier Erstaufnahmeeinrichtungen in Boostedt, Glückstadt, Neumünster und Rendsburg mit fast 6.300 Plätzen waren im November 2017 durchschnittlich nur zu zwei Dritteln ausgelastet. Mit 70 Prozent war die Auslastung in Neumünster am höchsten. Zahlreiche Unterkünfte wurden bereits geschlossen. Für den Notfall werden Reserve-Unterkünfte vorgehalten.

Bis November 2017 reisten laut Landesregierung fast 1.300 abgelehnte Asylbewerber vor ihrer Abschiebung aus. Mehr als 300 Menschen wurden abgeschoben (2016: 900). Über 500 Ausländer haben das Rückkehrprogramm der Bundesregierung genutzt. Laut einer Anfrage der Linken im Bundestag leben knapp 6.800 ausreisepflichtige Menschen im Land.

In Glückstadt planen Schleswig-Holstein, Hamburg und Mecklenburg-Vorpommern eine gemeinsam betriebene Abschiebehafteinrichtung.

Unter anderem in Escheburg und Flensburg setzten Täter bereits geplante Flüchtlingsunterkünfte in Brand.

Was sind die Besonderheiten in Niedersachsen?

In Niedersachsen wurden 2017 18.861 Asylerstanträge gestellt. 2015 waren es gut 34.200. Damals stellten die Asylsuchenden das Land vor einige Schwierigkeiten bei der Unterbringung. So war das Lager Friedland, das regulär 700 Plätze hat, im Sommer 2015 mit mehr als 3.000 Menschen völlig überbelegt. Viele Flüchtlinge wurden in Zelten untergebracht. Von Oktober 2015 bis März 2016 diente der Bahnhof Hannover-Laatzen als Drehkreuz für die Verteilung von Flüchtlingen in Norddeutschland.

Die Landesregierung betreibt sechs Erstaufnahmeeinrichtungen, in denen Anfang Dezember 2017 noch knapp 3.300 Asylbewerber lebten. In Folgeunterkünften leben knapp 7.000 Flüchtlinge.

In Niedersachsen gab es laut einer Anfrage der Linken im Bundestag bis September 2017 knapp 1.400 Abschiebungen. Weitaus mehr Menschen kamen freiwillig ihrer Ausreisepflicht nach: Mehr als 2.500 Menschen haben das Programm zur freiwilligen Rückkehr genutzt. Mehr als 21.000 Menschen leben in Niedersachsen, obwohl sie ausreisepflichtig sind.

In Niedersachsen hat es bereits Anschläge auf Häuser gegeben, in denen Flüchtlinge wohnen - zum Beispiel in Salzhemmendorf, Barnstorf und Sehnde.

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Wie sieht die Situation in Mecklenburg-Vorpommern aus?

2017 haben 3.954 Menschen einen Asylerstantrag in Mecklenburg-Vorpommern gestellt. 2015 waren es knapp 20.000. Der Großteil zog damals allerdings in andere Bundesländer weiter; nur schätzungsweise ein Viertel der Menschen blieb im Nordosten.

Derzeit erfolgt die Erstunterbringung von Flüchtlingen in den beiden regulären Aufnahmeeinrichtungen in Nostorf/Horst (Kreis Ludwigslust-Parchim) und Stern-Buchholz bei Schwerin. Von den 1.500 Plätzen war Anfang Januar 2018 etwa die Hälfte belegt. Der Standort Basepohl wird nun nur noch als Reserve vorgehalten. Das Land hatte 2015 zwischenzeitlich mehr als 20 Notunterkünfte in Betrieb. Zudem betreiben die Kreise 35 Gemeinschaftsunterkünfte mit 6.700 Plätzen. Im Herbst 2017 waren etwa 3.500 Plätze belegt.

419 Menschen wurden bis September 2017 abgeschoben. Gut 600 Menschen reisten mit dem Rückkehrprogramm vor ihrer Abschiebung aus. Etwa 3.500 ausreisepflichtige Menschen leben laut Bundesregierung im Nordosten.

Auch im Nordosten gab es Brandanschläge auf Flüchtlingsunterkünfte - unter anderem auf Usedom und in Boizenburg.

Welche Rechte und Pflichten haben Asylbewerber?

Asylbewerber müssen in der Regel sechs Monate in der ihnen zugeteilten Erstaufnahme-Unterkunft wohnen. Vor der Verabschiedung des Asylverfahrensbeschleunigungsgesetzes im November 2015 waren es nur drei Monate. Anschließend entscheiden die Behörden, wo sie leben dürfen - häufig in Gemeinschaftsunterkünften. Laut Integrationsgesetz können die Länder den Menschen in den ersten drei Jahren einen Wohnsitz zuweisen. Grundsätzlich dürften sich die Asylsuchenden ab dem vierten Monat nach ihrer Ankunft frei durch Deutschland bewegen - Sozialleistungen erhalten sie aber nur an ihrem behördlich festgelegten Wohnsitz. Diese Wohnsitzauflage kann in Einzelfällen entfallen, beispielsweise bei einem Umzug zu Familienmitgliedern oder für einen Job.

Seit November 2015 dürfen nicht nur anerkannte Flüchtlinge, sondern auch Asylbewerber, die voraussichtlich anerkannt werden, die Integrationskurse besuchen. Laut dem im Frühjahr 2016 in Kraft getretenen Asylpakt II werden Flüchtlinge inzwischen an den Kosten für Integrationskurse beteiligt. Ihre Asylbewerberleistungen wurden dafür um zehn Euro gekürzt.

Zahlreiche Gesetzesänderungen haben es Flüchtlingen und Asylsuchenden erleichtert, in Arbeit zu kommen. Mittlerweile dürfen Asylbewerber nach drei Monaten arbeiten. Nur in Mecklenburg-Vorpommern gilt noch 15 Monate lang die sogenannte "Vorrangprüfung", bei der Asylbewerber offene Stellen nur besetzen dürfen, wenn sich kein geeigneter Deutscher oder EU-Bürger findet. 2016 wurden deutschlandweit laut Bundesagentur für Arbeit (BA) deutschlandweit 27.000 Anträge von Ausländern zur Arbeitsaufnahme abgelehnt. Bei Praktika wird das Einkommen auf Leistungen nach dem Asylbewerberleistungsgesetz angerechnet.

Wovon leben Asylbewerber?

Wer in Deutschland Asyl beantragt, wird in einer Erstaufnahmeeinrichtung untergebracht. Dort soll jeder neben einem Bett auch Essen, Bettwäsche, Kleidung aus Kleiderkammern und Produkte zur Körperpflege und Hygiene sowie Reinigungsmittel erhalten. Zudem bekommen die Menschen ein Taschengeld. Für Alleinstehende beträgt der Satz 135 Euro im Monat. Jugendliche bekommen 83 Euro. Dieses Taschengeld soll laut Asylverfahrensbeschleunigungsgesetz vom November 2015 möglichst komplett durch Sachleistungen ersetzt werden. Grund hierfür ist, dass die Regierung davon ausgeht, dass das Taschengeld ein Anreiz für Menschen auf dem Balkan ist, in Deutschland Asyl zu beantragen. Ihr Gesuch wird in der Regel abgelehnt. Allerdings hat bisher kein norddeutsches Bundesland auf Sachleistungen umgestellt - der Verwaltungsaufwand sei zu hoch.

Nach maximal sechs Monaten sollen die Menschen in eine sogenannte Folgeunterkunft ziehen. Auch diese wird bezahlt. Dort erhalten sie in der Regel eine Erstausstattung an Haushaltsgegenständen und Wäsche. Ansonsten müssen sie sich selbst versorgen. Alleinstehende bekommen dafür monatlich das Taschengeld von 135 Euro und eine Bedarfszuwendung von 219 Euro. Damit müssen unter anderem Nahrungsmittel und Bekleidung bezahlt werden. Sind die Asylbewerber seit mehr als 15 Monaten in Deutschland oder werden als Flüchtling anerkannt, erhalten sie den aktuellen Sozialhilfesatz.

Woher kommen die Flüchtlinge?

Das hängt von politischen, wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Veränderungen in der Welt ab. Bis 1994 kamen vor allem Menschen aus europäischen Staaten - Polen, Ungarn und Rumänien - nach Deutschland. Später folgten Flüchtlinge aus Jugoslawien. Im Jahr 2017 kam laut BAMF gut ein Viertel der Antragsteller aus Syrien, gefolgt von Menschen aus dem Irak und Afghanistan. Die Türkei befindet sich auf Platz 6.

Seit November 2015 gelten Albanien, Kosovo und Montenegro als sichere Herkunftsstaaten. Somit haben Anträge aus diesen Ländern in der Regel keine Aussicht auf Erfolg. Marokko, Tunesien und Algerien befinden sich nicht unter den Top zehn der Herkunftsstaaten.

Wie viele Menschen sind weltweit auf der Flucht?

Nach Angaben des UN-Flüchtlingshilfswerks UNHCR sind weltweit gut 65 Millionen Menschen auf der Flucht - so viele wie noch nie. Jeder zweite ist ein Kind. 40,3 Millionen Menschen seien Vertriebene innerhalb ihrer Heimatstaaten, heißt es in dem UNHCR-Bericht. Zudem hätten sich die Gefahren auf Fluchtrouten vervielfacht. "Auf dem Meer verlieren erschreckend viele Menschen ihr Leben, der Landweg ist durch geschlossene Grenzen zunehmend blockiert und in manchen Ländern wird gegen Asyl politisch Stimmung gemacht", erklärte der UN-Hochkommissar für Flüchtlinge, Filippo Grando. Die Türkei, Pakistan, Libanon, der Iran, Uganda und Äthiopien haben die meisten Menschen aufgenommen.

Kommen mehr Flüchtlinge nach Deutschland als in andere Länder?

Deutschland ist für Schutzsuchende seit Herbst 2015 die wichtigste Anlaufstelle in der EU: Im dritten Quartal 2017 stellte einer von vier Asylbewerbern in der EU seinen Antrag in Deutschland. Laut Eurostat nahm die Bundesrepublik gut 45.000 der fast 165.000 Erstanträge entgegen.

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Weltweit sind rund 65 Millionen Menschen auf der Flucht.

Im Vergleich zur Einwohnerzahl des jeweiligen Mitgliedsstaates ist Deutschland von der Spitzenposition verdrängt worden. Im dritten Quartal 2017 kamen hier 558 Asylbewerber auf eine Million Einwohner; weiter vorne liegen Zypern (1.577), Griechenland (1.361), Malta (960), Luxemburg (904), Schweden (702) und Österreich (696). EU-weit kamen 321 Asylbewerber auf eine Million Einwohner. 2016 waren es mit 702 noch mehr als doppelt so viele.

2016 wurden 1,2 Millionen sogenannte erstmalige Asylbewerber in den EU-Staaten registriert - 722.265 davon in Deutschland. 2015 waren es 1,26 Millionen, davon 441.800 in Deutschland. Ganz andere Relationen bei den Flüchtlingszahlen findet man in Asien und Afrika: Laut UN-Generalsekretär Ban Ki Moon hat die Türkei insgesamt mehr als 2,7 Millionen Menschen aus Syrien aufgenommen, der Libanon mehr als eine Million und Jordanien mehr als 600.000 Syrer. Im Libanon war 2016 einer von sechs Einwohnern geflüchtet, in Jordanien einer von elf.

Wer ist ein Flüchtling und was unterscheidet ihn vom Migranten?

Umgangssprachlich wird das Wort "Flüchtling" in Deutschland für alle Menschen benutzt, die hier einen Asylantrag stellen - also Asylbewerber sind. Jeder Ausländer, der in Deutschland Schutz vor Verfolgung sucht und nicht illegal leben will, beantragt Asyl. Das Recht auf Asyl ist in Artikel 16a des Grundgesetzes geregelt. Es steht allen Menschen zu, die in ihrer Heimat politisch verfolgt werden. Allerdings wird nur ein Teil der Asylbewerber auch als Flüchtling anerkannt. Anerkannte Flüchtlinge nach der Genfer Flüchtlingskonvention sind diejenigen, deren Leben oder Freiheit in ihrer Heimat aufgrund der Rasse, Religion, Staatsangehörigkeit, Zugehörigkeit zu einer sozialen Gruppe oder wegen ihrer politischen Überzeugung bedroht ist. In diesem Fall ist es egal, ob diese Gefahren vom Staat oder beispielsweise von einer Partei oder Organisation drohen.

In Deutschland ist der Umgang mit Asylsuchenden im Asylverfahrensgesetz und im Aufenthaltsgesetz geregelt. Deutschland ist durch internationale Abkommen verpflichtet, Flüchtlingen zu helfen. Sie fliehen, da ihr Heimatland sie nicht schützen kann oder will. Migranten hingegen verlassen ihr Land freiwillig aus eigenem Antrieb - oft, um ihre wirtschaftliche Situation zu verbessern. Wann jemand sich gezwungen fühlt, sein Land zu verlassen, ist allerdings subjektiv.

Wie läuft ein Asylverfahren ab?

Wer in Deutschland Asyl beantragt, wird in einer Erstaufnahmeeinrichtung der Länder untergebracht. Zuständig für die Bearbeitung von Asylanträgen ist das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge. Lehnt es den Antrag ab, muss der Betroffene meist innerhalb eines Monats in seine Heimat zurück. Ein Asylsuchender kann auch an einen anderen, zuständigen Staat verwiesen und dorthin geschickt werden.

Wird der Asylantrag anerkannt, gibt es drei verschiedene Arten von Schutz: Der Antragsteller kann als Flüchtling nach der Genfer Konvention anerkannt werden, laut Grundgesetz Asyl bekommen oder unter subsidiären Schutz gestellt werden. Im Jahr 2017 erhielten laut BAMF gut 43 Prozent solchen Schutz; im Vorjahr waren es noch gut 62 Prozent. Knapp sieben Prozent bekamen ein Abschiebungsverbot.

Mehr als jeder dritte Antrag wurde abgelehnt; 2016 war es etwa ein Viertel. Die restlichen etwa 18 Prozent der Anträge erledigte sich aus anderen Gründen, zum Beispiel, weil der Antrag zurückgezogen wurde oder ein anderes Land aufgrund des Dublin-Verfahrens zuständig ist.

Das Asylpaket II sieht beschleunigte Verfahren für Flüchtlinge ohne Bleibeperspektive in gesonderten Aufnahmeeinrichtungen vor. In sogenannten Registrierzentren sollen die beschleunigten Verfahren für Flüchtlinge aus sogenannten sicheren Herkunftsländern innerhalb von drei Wochen abgeschlossen werden. Die Bearbeitung neuer Anträge dauert nach Angaben das BAMF nur knapp zwei Monate.

Folgen der Anerkennung für Asylbewerber

Flüchtlingsschutz und politisches Asyl

  • Aufenthaltserlaubnis für 3 Jahre
  • Niederlassungserlaubnis nach 3 Jahren
  • unbeschränkter Arbeitsmarktzugang
  • Familiennachzug von Ehepartner und minderjährigen Kindern
subsidiärer Schutz
  • Aufenthaltserlaubnis für ein Jahr
  • Niederlassungserlaubnis nach 5 Jahren möglich
  • unbeschränkter Arbeitsmarktzugang
  • Familiennachzug von 1.000 Menschen pro Monat auf Antrag (seit August 2018)

Wer bekommt Asyl?

Asyl erhalten laut Artikel 16a Grundgesetz nur politisch Verfolgte, die vom Staat verfolgt werden. Dabei muss der Betroffene in seiner Menschenwürde verletzt worden sein und dies das Ausmaß dessen überschreiten, was die Bürger in dem Staat "ansonsten allgemein hinzunehmen haben", so das Bundesamt für Migration. Asyl bekamen 2017 in Deutschland 0,7 Prozent der Antragsteller.

Als Flüchtling anerkannt wird, wer aus Furcht vor Verfolgung wegen seiner Rasse, Religion, Nationalität, seiner Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen seiner politischen Überzeugung geflohen ist. 2017 erhielten 20,5 Prozent der Asylbewerber diesen Status (2016: 36,8).

Wurde eine Person als Flüchtling anerkannt oder hat Asyl bekommen, darf sie zunächst drei Jahre lang in Deutschland bleiben. Besteht der Fluchtgrund dann noch, bekommt sie eine unbefristete Niederlassungserlaubnis. Zudem gibt es noch die Möglichkeit, dass die Flüchtlinge subsidiären Schutz erhalten oder nur geduldet werden.

Subsidiär bedeutet in diesem Zusammenhang behelfsmäßig. Ist jemand weder asylberechtigt noch als Flüchtling anerkannt, kann ihm trotzdem Schutz gewährt werden. Und zwar dann, wenn ihm in seinem Heimatland "ernsthafter Schaden droht" - zum Beispiel durch Folter, die Todesstrafe oder wegen eines bewaffneten Konflikts. 2017 erhielten 16,3 Prozent der in Deutschland Schutzsuchenden subsidiären Schutz (2016: 22,1). 2015 waren es nur 0,6 Prozent. Menschen mit dieser Aufenthaltserlaubnis dürfen zunächst ein Jahr in Deutschland leben. Nach sieben Jahren können sie theoretisch unbefristet hier bleiben. Die Betroffenen mussten lange eine Arbeitserlaubnis beantragen, wenn sie arbeiten wollen. Dank des Asylpakets bekommen sie diese nun direkt.

Im Zuge des im Frühjahr verabschiedeten Asylpakets II wird das Recht auf Familiennachzug für alle Flüchtlinge mit eingeschränktem Schutz bis März 2018 ausgesetzt.

Ein Abschiebungsverbot erhalten Menschen, wenn ihnen bei einer Abschiebung "erhebliche konkrete Gefahr für Leib, Leben oder Freiheit" droht. 6,6 Prozent des Schutzsuchenden bekamen 2017 ein Abschiebungsverbot.

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