Stand: 02.08.2016 14:30 Uhr  | Archiv

Das Kirchenlexikon - Christliche Seefahrt

von Oliver Vorwald

"Christliche Seefahrt, das klingt nach Romantik, großen Segelschiffen, dem weiten Meer. Woher kommt der Begriff "Christliche Seefahrt" und was hat er zu bedeuten?"

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Anders als Kirchenglocken dienen Schiffsglocken als Warnsignal.

Sturm, schwere See, Gefahr. Das gehört zum Leben mit dem Meer. Die Menschen auf der Nordseeinsel Wangerooge werden daran täglich erinnert. Nahe der Strandpromenade hängt ein altes Schild, aufgeraut von Wind und Wetter. Darauf ein Segelschiff, Wellenberge und Worte des Heimatdichters Gorch Fock. "Gottes sind Wogen und Wind. Segel aber und Steuer, dass ihr den Hafen gewinnt, sind euer." Diese Zeilen deuten an, was die Christliche Seefahrt einst ausgemacht hat.

Himmlischer Schutz für Seereisen

Christliche Seefahrt. Gemeint ist damit ein Schifferleben, zu dem regelmäßige Gebetszeiten gehören. In den vergangenen Jahrhunderten halten sich alle westlichen Seefahrernationen daran. Die Walfänger von Nantucket, die Segler der britischen Ostindien-Kompanie, die Kauffahrer der deutschen Hanse. Mit Andachten, Wallfahrten, kunstvollen Miniaturschiffen versuchen sie himmlischen Schutz für ihre Reisen zu gewinnen. Diese Praxis speist sich aus biblischen Geschichten. Die beschreiben Gott als Schöpfer der Elemente. Allein durch ein Wort, eine Geste kann Jesus Wind und Wellen zum Schweigen bringen.

Heute ist damit die Handelsschifffahrt gemeint

Obwohl Gottesdienste eine lange Tradition in der abendländischen Schifffahrt haben, ist der älteste Beleg für die "Christliche Seefahrt" relativ jung. Die beiden Worte finden sich erstmals im Titel eines Andachtsbuchs für Seeleute, das 1659 in Kopenhagen erscheint. Im 18. und 19. Jahrhundert ist der Begriff dann in weiten Teilen Europas geläufig. Dies kommt durch die Überfalle muslimischer Piraten vor der Küste Afrikas, vermuten Marinehistoriker. Die entern Segler aus Hamburg, Antwerpen, Calais, legen die Mannschaft in Ketten. Für die Freiheit verlangen die "Andersgläubigen" ein Lösegeld. Kirchen, Redereien, Bruderschaften richten sogenannte Sklavenkassen ein. "Christliche Seefahrt" - damals auch ein Kampfbegriff.

Heute wird "Christliche Seefahrt" weniger im geistlichen Sinn verwendet. Der Begriff meint in der Regel die Handelsschifffahrt, grenzt sie ab gegenüber Bundesmarine und Kreuzfahrtwesen. Aber aus welcher Tradition dieser Begriff kommt, daran erinnern die Verse des Heimtatdichters Gorch Fock. "Gottes sind Wogen und Wind. Segel aber und Steuer, dass ihr den Hafen gewinnt, sind euer."

Mehr aus dieser Sendereihe lesen Sie in: "Noch eine Frage, Herr Pfarrer. 111 himmlische Antworten", LVH, 2010.

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