Stand: 14.11.2018 20:16 Uhr

Volleyball: Teure Sportrechte belasten Vereine

von Sebastian Asmus
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Der Schweriner SC - national eine Macht, international bald nur noch Mittelmaß? Die TV-Rechte-Vergabe für die Champions League könnte dafür sorgen.

Die Volleyballerinnen des Schweriner SC haben anstrengende Wochen vor sich, beim Fußball würde man von englischen Wochen sprechen: Neben der Bundesliga stehen die ersten Spiele in der Champions League an. Obwohl Volleyball in Deutschland viele aktive Spieler zählt, ist die Sportart medial eine Randsportart. An die Einschaltquoten, die Fernsehberichterstattung über Basketball oder Handball, Eishockey oder Tennis erzielt, kommt Volleyball nicht heran. Von König Fußball ganz zu schweigen. Das hat auch seinen Grund in der Vermarktung.

 

Dresdens Nikola Radosová (l.) versucht gegen Schwerin zu punkten. © imago/Sebastian Wells Foto: Sebastian Wells

Volleyball: Teure Sportrechte belasten Vereine

ZAPP -

König Fußball regiert die Sportberichterstattung. Schuld daran ist das große Interesse des Publikums, aber manchmal auch die teuren Übertragungsrechte der Randsportarten.

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Die Rechte an den Spielen der Volleyball-Bundeliga hat die Agentur "SportTotal". Sie hat es geschafft, dass "Sport1" über etwa 50 Begegnungen live berichtet - eine Chance für mehr Aufmerksamkeit. Zudem haben die Öffentlich-Rechtlichen sich Zweitverwertungs-Rechte durch einen Pauschal-Betrag gesichert, so dass der "NDR Sportclub" oder das "Nordmagazin" über die Bundesliga-Begegnungen berichten können. Das sieht bei der Champions League anders aus.

Fernsehübertragung durch Minutenabrechnung zu teuer

Der europäische Volleyball-Verband CEV hat die Rechte der Champions League an "SportRadar" verkauft, eine internationale Agentur. In Deutschland fand sich kein Free-TV-Sender, der Spiele live zeigen will. Und eine Nachberichterstattung der Öffentlich-Rechtlichen hat ganz andere Grundlagen als bei Bundeliga-Spielen: Denn "SportRadar" hat die Zweitverwertungs-Rechte nicht auf Basis einer finanziellen Pauschale verkauft, abgerechnet wird nach Minuten. Das heißt, viel Berichterstattung kostet auch viel Geld. Der Leiter des Programmbereiches Sport beim NDR verdeutlicht die Konsequenzen: "Wir müssen uns da dann eben leider beschränken, auf eine Minute Spielbilder oder sowas. Das kann man aber aushalten und man kann seine Berichterstattung da zumindest möglich machen."

Champions League in Deutschland ein Minusgeschäft

Dass der Meister Champions League spielt, ist nicht unbedingt selbstverständlich. Im vergangenen Jahr war der Schweriner SC auch Meister, hat aber eine Teilnahme an der Champions League abgesagt. Das finanzielle Risiko war dem Verein zu hoch. Geschäftsführer Andreas Burkard sieht auch für die diesjährige Teilnahme finanziell nicht unbedingt optimistisch: "Wir werden eine rote Zahl schreiben - und keine knappe", sagt er. Anders als beim Fußball bringt die bloße Teilnahme noch keine Millionen-Einnahmen, im Gegenteil. Abgesehen von finanziellen Verlusten ist es für den Verein und den Sport allgemein ein gewaltiger Nachteil, dass die Berichterstattung über die Champions-League-Spiele aufgrund der ausgehandelten Verwertungsrechte eher mager ausfallen dürfte.

Fernseh-Ausstrahlung hat Einfluss auf weitere Einnahmemöglichkeiten

Der Sport- und Medienwissenschaftler Christoph Bertling von der Deutschen Sporthochschule in Köln hat sich wissenschaftlich mit den Konsequenzen beschäftigt. Er sagt, dass alle anderen Möglichkeiten der Vereine, Einnahmen zu generieren, sehr stark von einer Fernseh-Ausstrahlung beeinflusst werden. Sponsorengelder, Merchandising-Einnahmen und auch der Ticket-Verkauf stünden in direktem Zusammenhang. Die Teilnahme an der Champions League ist aber nicht für alle Vereine ein Zuschuss-Geschäft. In Italien, der Türkei, in Polen und in Russland ist Frauen-Volleyball populär. Mit den Spielen lässt sich dort zum Teil mehr Einschaltquote erzielen als mit einem vergleichbaren Basketball- oder Handballspiel der Männer.

Europäischer Verband sorgt für kostspielige Teilnahmebedingungen

Wenn der europäische Volleyballverband CEV die Teilnahmebedingungen für den Wettbewerb festlegt, dann bilden diese Volleyball-Nationen den Maßstab den alle Vereine stemmen müssen. Das Startgeld hat der Verband jüngst von 10.000 auf 25.000 Euro angehoben. Zudem müssen die Vereine die TV-Übertragung organisieren und bezahlen. Vier Fernsehkameras, eine Netzkamera und ein Videobeweissystem sind Voraussetzung. Ein Live-Signal muss per Satellit um die Welt geschickt werden. Für den Verein mit jedem Spiel ein höherer vierstelliger Betrag. Räumlichkeiten für diese Technik und für berichtende Journalisten kommen dazu.

Europäische Vermarktungsstrategie benachteiligt deutsche Volleyballer

Christoph Bertling von der Deutschen Sporthochschule beobachte seit einigen Jahren eine Vermarktungsstrategie der Randsportarten-Verbände, die offensichtlich auf maximale Erlöse zielt. Er spricht von exklusiven Zirkeln, die so entstehen: Immer die gleichen Vereine machen die Wettbewerbe und die Preisgelder unter sich aus. Der europäische Volleyball-Verband hat nach eigenen Angaben gar keine Kenntnis davon, dass der Wettbewerb, so wie er ausgerichtet wird, bei deutschen Vereinen für Verluste sorgt. Dass die Fernseh-Rechte nur im Ausland verkauft werden konnten, nimmt die CEV nicht zum Anlass, über einen finanziellen Ausgleich und damit mehr Fairness nach zu denken. Das sei "nicht die primäre Aufgabe" des Verbandes.

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ZAPP | 14.11.2018 | 23:15 Uhr