Stand: 26.06.2019 17:00 Uhr

Thüringen: Aus für gedruckte Zeitungen?

von Leonie Puscher und Anne Fromm
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Die gedruckte Zeitung leidet unter der Digitalisierung: Auflagen schrumpfen, Titel werden eingestellt oder sind nur noch im Netz verfügbar - droht das bald auch in Thüringen?

Wer in Thüringen eine Zeitung lesen will, der hat - zumindest nördlich des Thüringer Waldes - die Wahl zwischen drei Zeitungen: "Thüringer Allgemeine", "Thüringische Landeszeitung" und "Ostthüringer Zeitung". Alle drei gehören zum selben Verlag: der Funke Medien Gruppe aus Essen. Alle drei arbeiten im Wesentlichen mit denselben Redakteuren und drucken an vielen Stellen dieselben Texte und Bilder.

 

Digitaler Zeitungsausschnitt

Thüringen: Aus für gedruckte Zeitungen?

ZAPP -

Eine Demokratie braucht eine gute Medienlandschaft. Doch was tun, wenn immer weniger Menschen eine Tageszeitung kaufen? In Thüringen wird über das Aus von bekannten Printtiteln spekuliert.

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Peter Cott verantwortet die Nordhausen-Ausgabe der "Thüringer Allgemeinen". Das Regionale hat Zukunft, glaubt er: "Nicht jeder hat Zeit und Lust, sich abends in den Stadtrat zu setzen. Wir sind die, die dahin gehen, die einordnen und das dann in die Haushalte bringen, an den Frühstückstisch."

Funke dementiert Print-Ende

Wie lange Cotts Zeitung noch gedruckt auf den Frühstückstischen liegt, ist unklar. Im Februar sorgte ein Satz in einer Pressemitteilung von Funke für Furore: "Für die Thüringer Titel werden Szenarien erarbeitet, wie eine Versorgung der Leserinnen und Leser in ländlichen Gebieten mit digitalen Angeboten gewährleistet werden kann." Leser, Journalisten und Politiker verstanden diesen Satz so, als plane Funke in Thüringen, die gedruckte Tageszeitung abzuschaffen. Damit wäre Thüringen das erste Bundesland ohne flächendeckende, gedruckte Tageszeitungen. Funke ruderte zurück: Ein radikales Ende von Print sei nicht geplant.

Umweltministerin schreibt Brandbrief

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Für die thüringische Umweltministerin Anja Siegesmund (Die Grünen) bleiben gedruckte Tageszeitungen auch in einer digitalisierten Welt wichtig.

Dennoch trat die Meldung in Thüringen eine Diskussion los. Der Geschäftsführer der Mediengruppe musste seine Pläne im Landtag erläutern, die Umweltministerin Anja Siegesmund (Grüne) griff Funke in einem offenen Brief an.

"Wenn man weiß, dass die drei Zeitungen zusammen immer noch 240.000 Abonnenten haben und davon nicht einmal zehn Prozent Digitalabos sind, dann sehe ich es mit großer Sorge, wenn es heißt, dass Funke vielleicht aus dem Printgeschäft aussteigen will", sagt Siegesmund zu ZAPP. In Thüringen gebe es noch nicht überall ausreichend schnelle Internetverbindungen. Viele Leser hätten zudem keine Lust, ihre tägliche Zeitung auf einem Bildschirm zu lesen. 30 Jahre nach der friedlichen Revolution brauche Thüringen eine starke, vielfältige Presselandschaft.

Verlag muss Geld verdienen

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Verlagsmanager Tallai kennt die gesellschaftspolitische Verantwortung seines Unternehmens, allerdings dürfen Zeitungen auch kein Zuschussgeschäft sein.

Der Geschäftsführer der Mediengruppe Thüringen, Michael Tallai, sieht das ähnlich: "Wir kennen unsere gesellschaftspolitische Verantwortung. Aber am Ende wollen wir natürlich auch kein Geld verlieren." Die Situation der Thüringer Zeitungen ist wie überall schwierig: Die Abonnentenzahlen gehen zurück, die Anzeigenerlöse auch. Thüringen ist außerdem dünn besiedelt, die Wege von Briefkasten zu Briefkasten sind in manchen Gegenden weit. Dazu kommt der Mindestlohn, der für Zeitungszusteller seit 2018 gilt - das macht die Zustellung teuer.

Deswegen arbeite der Verlag daran, mehr Digitalabos zu verkaufen. "Wir haben allerdings gemerkt, dass wenn wir radikal digitalisieren würden, würden wir viele Abonnenten verlieren", so Tallai. Funke berät sich derzeit mit der Thüringer Staatskanzlei und mit Telekommunikationsunternehmen darüber, wie der Ausbau der digitalen Infrastruktur in Thüringen beschleunigt werden kann.

Lokalreporter sieht Zukunft positiv

Der Lokalreporter Peter Cott glaubt, dass er auch in fünf Jahren noch für die gedruckte Zeitung schreiben wird - und dann hoffentlich auch für mehr ePaper-Leser. Mit der Verlagslandschaft sei es wie in der Automobilbranche, "da existieren zur Zeit auch verschiedene Antriebsarten nebeneinander bis sich herauskristallisieren wird, was der Königsweg ist."

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ZAPP | 26.06.2019 | 23:20 Uhr