Sendedatum: 05.02.2020 23:20 Uhr

"Streaming-Krieg": Kampf um die Zuschauer

von Tim Kukral
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Auf der Website von Disney.de wird das kommende Streamingangebot beworben, das Inhalte von Pixar, Star Wars und Marvel umfasst.

"Der Streaming-Krieg eskaliert!", ruft der Moderator im US-Frühstücksfernsehen in die Kamera, als im November Disney+ in den USA an den Start geht. Der Streaming-Dienst des Unterhaltungsgiganten Walt Disney will die Vormachtstellung von Marktführer Netflix angreifen - in rund drei Monaten hat er weltweit knapp 29 Millionen Kunden gewonnen. Ab dem 24. März ist er auch in Deutschland verfügbar. Hierzulande konkurrieren schon jetzt zahlreiche Anbieter auf dem Markt des Videostreamings und es ist offen, wie lange die beiden Platzhirsche Amazon und Netflix noch ihre Stellung halten können.

 

"Streaming-Krieg": Alle jagen Netflix

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Mit einem lukrativen Einstiegspreis will Disney den Streaming-Markt aufmischen, den bisher Netflix und Amazon dominieren. Jeder setzt zudem auf exklusive Inhalte. Wer wird gewinnen?

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Disney zieht Inhalte von anderen Anbietern ab

Netflix hat dem Streaming-Markt zum Durchbruch verholfen. Gestartet ist die Firma als Online-Videothek, die Filme per Post verschickt hat. Ab 2007 setzte die Firma aus Kalifornien parallel aufs Streaming, machte die Filme direkt online verfügbar: legal, mit einem monatlich kündbaren Abo. Dafür erwarb Netflix Lizenzrechte von zahlreichen Filmstudios wie beispielsweise Disney. Doch die wollen Netflix und Co. nicht mehr den Markt überlassen, gründen eigene Streaming-Dienste und ziehen ihre Inhalte von den anderen Anbietern ab.

Zarges: "Es ist offen, wer sich durchsetzen wird"

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Welcher Streamingdienst wird das Rennen machen? Journalist und Streaming-Experte Torsten Zarges sieht viele Vorteile bei Amazon, Apple und Disney. Netflix wird es schwer haben.

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Der Markt zerfasert, keiner hat alles im Angebot

Viele Nutzer befürchten daher, dass der Markt zerfasert und sie bald schon zig Abonnements abschließen müssen, um ihre Lieblingsfilme und -serien anschauen zu können. Ein Abo kostet in der Regel zwischen 4,99 und 15,99 Euro - je nach Umfang des Angebots, Qualität der Übertragung (SD oder HD) und Anzahl der Geräte, auf denen die Inhalte gestreamt werden können.

Eigenproduktionen sollen Kunden locken und binden

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Streaming-Fan Hammersen sieht die Zerfasserung des Streaming-Marktes kritisch - das Angebot auf den Plattformen wird kleiner und exklusiver. User aber aus Kostengründen nicht alles abonnieren.

Zumindest bislang ist es aber eher so, dass die Nutzer von dem hohen Konkurrenzdruck auf dem Streaming-Markt profitieren. Denn das Angebot explodiert, jeder Anbieter möchte sich mit möglichst kreativen und aufwendigen Eigenproduktionen von der Konkurrenz abheben. Im Jahr 2018 investierte allein Netflix 18 Milliarden Dollar in seine "Originals". Zum Vergleich: Alle kommerziellen Fernsehsender in Deutschland investierten im gleichen Zeitraum zusammengerechnet 4,5 Milliarden Euro.

Netflix ist mit 171 Millionen Abonnenten der Platzhirsch

Netflix hat einen Vorsprung im von den US-Medien ausgerufenen "Streaming-Krieg": 171 Millionen Menschen weltweit haben bereits ein Netflix-Abo (zum Vergleich: ca. 150 Millionen haben Amazon Prime abonniert). Was die Fülle des Angebots und die intuitive Bedienung angeht, kann derzeit kaum ein Streaming-Dienst mit dem Marktführer mithalten. Und für Disney und Co. ist es gar nicht so einfach, die eigenen Inhalte von Netflix abzuziehen: Die Filmstudios haben teils langjährige Lizenzverträge mit Netflix abgeschlossen. Wer den "Streaming-Krieg" gewinnt, wird sich also erst in ein paar Jahren zeigen.

Streaming-Dienste eine Bedrohung fürs TV

Für das lineare Fernsehen stellt der Erfolgszug der Streaming Services eine Bedrohung dar. Wer schaut noch den Blockbuster auf ProSieben mit allen Werbeunterbrechungen, wenn er ihn auch streamen kann? Wer wartet darauf, dass die ARD eine aufwendig gedrehte Naturdoku ausstrahlt, wenn er sie und andere Dokus jederzeit bei seinem Streaming-Dienst abrufen kann? Die öffentlich-rechtlichen Sender bauen daher ihre Mediatheken aus, wollen sie zu eigenständigen Plattformen machen.

TV-Sender setzen auf eigene Streaming-Angebote

Die kommerziellen TV-Sender in Deutschland haben in den vergangenen Jahren ebenfalls eigene Streaming-Dienste ins Leben gerufen: die RTL-Gruppe die Plattform TVnow, ProSiebenSat1 zusammen mit Discovery das Angebot Joyn. Beide Dienste stellen ihren Nutzern nicht nur das Programm der hinter ihnen stehenden Sendergruppen zur Verfügung, sondern werben - nach dem Vorbild von Netflix und Co. - auch mit exklusiven "Originals" für sich: Angeboten, die nur Abonnenten von TVnow beziehungsweise Joyn zur Verfügung stehen.

Doch ob die Sender mit ihren begrenzten Budgets mit den aufwendigen Produktionen von Netflix, Amazon Prime und den US-amerikanischen Filmstudios mithalten können, ist fraglich.

Streaminganbieter Deutschland
AnbieterKosten
Netflix7,99 Euro Basis / 15,99 Euro Premium
Amazon Prime7,99 Euro
SkyTicket9,99 Euro Serien / 9,99 Euro Filme / 9,99 Euro Sport
Apple+4,99 Euro
MagentaTV7,95 Euro
DAZN (Sport)11,99 Euro
Joyn+6,99 Euro
TVnow4,99 Euro
Disney+ (ab 24.3.)6,99 Euro

 

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ZAPP | 05.02.2020 | 23:20 Uhr