Stand: 14.06.2017 13:37 Uhr

Spezieller Umgang: Journalisten und die AfD

von Timo Robben
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AfD-Politiker Alexander Gauland auf dem nr17-Podium - das gefiel nicht jedem.

Die Jahreskonferenz von Netzwerk Recherche 2017 in Hamburg: Alexander Gauland betritt die Bühne des großen Saals. Rund 200 Journalisten warten gespannt auf den Auftritt des AfD-Vizevorsitzenden. Er sitzt zusammen mit der AfD-Expertin Melanie Amann ("Spiegel") und dem ARD-Aktuell-Chefredakteur Kai Gniffke auf dem Podium "'Populisten' und 'Lügenpresse' - die AfD und die Medien". Eine Einladung, die nicht bei allen Mitgliedern der Journalistenvereinigung Netzwerk Recherche gut angekommen ist.

Gauland.

Spezieller Umgang: Journalisten und die AfD

ZAPP -

Mit der AfD reden oder nicht? Das Netzwerk Recherche wollte und lud AfD-Vize Gauland aufs Podium - was nicht allen gefiel. Ein Mitglied trat deshalb aus der Vereinigung aus.

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Journalistin kündigt NR-Mitgliedschaft wegen Gauland-Auftritt

Die renommierte Journalistin Andrea Röpke hatte deshalb sogar ihre Mitgliedschaft beim Netzwerk Recherche gekündigt. Gegenüber ZAPP sagt sie dazu: "Er ist jemand der die Politik von Björn Höcke und den anderen völkisch-nationalistischen in den eigenen Reihen ganz klar mitträgt. Gauland ist einer den man nicht als einzelne Person, als Charmeur, als einen netten Ansprechpartner verstehen muss, sondern als einen Vertreter einer Partei die höchstgefährlich ist für den sozialen Frieden, für die Demokratie und den Humanismus und als solchen würde ich ihn verstehen."

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"'Populisten' und 'Lügenpresse'"

Mitschnitt der Podiumsdiskussion "'Populisten' und 'Lügenpresse' - die AfD und die Medien" von der Netzwerk-Recherche-Jahrestagung 2017 mit Alexander Gauland, Kai Gniffke und Melanie Amann. extern

Experte fordert mehr inhaltliche Auseinandersetzung

Auch der Experte für Rechtsextremismus, Andreas Speit, wünscht sich im Umgang der Medien mit der AfD mehr inhaltliche Auseinandersetzung: "Es sind viele Menschen innerhalb dieses Milieus, die sich mit politischer Erfahrung dort einbringen - die wissen, wie man Auftritt, die wissen, wie man sich dem verschiedenen Publikum gegenüber verhält, die wissen, welche Themen man wie präsentiert. Und das, glaube ich, müssen wir wesentlich ernster nehmen und nicht so tun, als würden uns Leute entgegentreten, die nicht wissen, was sie eigentlich machen. Ich bin da immer wieder erschüttert, mit welcher Arroganz da aus der Medienwelt wirklich - um es deutlich zu sagen - dem Rechtspopulismus entgegengetreten wird."

Umgang mit der Partei bleibt umstritten

Videos
09:30

Lamby: "AfD braucht Journalisten als Feindbild"

12.04.2017 23:20 Uhr

Doku-Filmer Stephan Lamby konnte die AfD-Vorsitzende Frauke Petry lange begleiten. Für ihn war sie sehr zugänglich. Andere schließt sie aus. Die Partei insgesamt nutzt Journalisten als Feindbild. Video (09:30 min)

Wie also umgehen mit der AfD, einer Partei, die mittlerweile in den Landtagen sitzt? Die Journalisten kritisieren sich gegenseitig dafür, dass sie über jede Provokation von AfD-Funktionären berichteten. Deswegen Alexander Gauland auszuladen, sei aber nicht der richtige Weg. "Solange es eine kritische Auseinandersetzung mit der AfD gibt, kann ich da gar nichts gegen sagen. Und das habe ich hier erlebt", sagt der Dokumentarfilmer Stephan Lamby ("Nervöse Republik"). "Natürlich ist es richtig, jemandem wie Gauland auch hierher einzuladen. Auch mit ihm zu reden, mit ihm zu diskutieren. Wir wollen hier die Positionen abgleichen", so der Podiumsteilnehmer Kai Gniffke. Wie mit der Partei in Zukunft umgegangen wird, bleibt also umstritten.

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Journalisten in der "Nervösen Republik"

12.04.2017 23:15 Uhr

Doku-Filmer Stephan Lamby hat für die "Nervöse Republik" ein Jahr lang Spitzenpolitiker und Medienmacher begleitet. Herausgekommen ist ein Blick hinter die Fassaden des Politikbetriebs. mehr

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Medien und Populisten: Welche Rolle spielen Talkshows?

23.11.2016 23:20 Uhr

Die Verbreitung von Ressentiments in Deutschland ist gewachsen, so das Ergebnis einer Studie. Schuld daran sind auch die Medien, die extreme Positionen präsentieren und gesellschaftsfähig machen. mehr

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"Netzwerk Recherche" tagt - Preis für Leyendecker

Fake News, Hate-Speech und Twitter-Politik: In Hamburg diskutieren mehr als 700 Journalisten über Medienthemen. Beim Treffen des "Netzwerks Recherche" wurden zwei Journalisten ausgezeichnet. mehr

Dieses Thema im Programm:

ZAPP | 14.06.2017 | 23:20 Uhr