Stand: 30.09.2014 13:57 Uhr

Dubioser Seemann beschäftigt Journalisten

von Steffen Eßbach und Sabine Puls
Bild vergrößern
Ungewöhnliche Geschichten interessieren Journalisten.

Er konnte brillant erzählen, er trat gern in stattlicher dunkelblauer Kapitänsuniform auf und er wusste, dass außergewöhnliche Geschichten bei Journalisten oft auf außergewöhnliches Interesse stoßen. So berichtete ein dubioser Seemann einem Münchner Filmproduzenten von einem gewaltigen Goldschatz, den man nur noch aus einem Schiffswrack in der irischen See bergen müsse. Der Filmproduzent wollte natürlich dabei sein, die Geschichte klang zwar ungewöhnlich, aber sie war nicht unmöglich. Und so eine Story lässt sich immer gut erzählen - und verkaufen. Am Ende hat er viel Geld verloren und keine einzige Minute Filmmaterial im Kasten.

Aufnahme eines Prospektes, in dem Bilder von Goldmünzen zu sehen sind. © NDR

Dubioser Seemann beschäftigt Journalisten

ZAPP -

Geschichten wie "Gold im Schiffswrack" oder "Freikauf von Piraten-Geiseln" - das interessiert die Medien. Und wenn sich der Informant als Aufschneider herausstellt?

3,25 bei 4 Bewertungen

Mit von 5 Sternen

bewerten

Vielen Dank.

schließen

Sie haben bereits abgestimmt.

schließen

Angeblicher Freikauf von Geiseln

Anderen Journalisten vom NDR, ZDF und der "Zeit" tischte der schillernde Seebär eine zu Herzen gehende Befreiungsgeschichte auf. Langjährige Geiseln von somalischen Piraten sollten endlich mit in Europa gesammeltem Geld freigekauft werden. Große Summen, die der Informant selbst mit auftreiben wollte und die schließlich den Piraten im Austausch gegen seine Seefahrts-Kollegen übergeben werden sollten. Die Journalisten hörten natürlich interessiert zu, fingen an zu planen, zu recherchieren. Die einen drehten erste Bilder mit dem vermeintlichen Retter der Seeleute im Hafen, ein anderer Journalist engagierte sich so stark in der Geschichte, dass er bisweilen die Schwelle vom Journalisten zum Aktivisten überschritt.

Doch plötzlich tauchte der Informant ab, die Geiseln bekamen den Unmut der Piraten wegen des geplatzten Deals knüppelhart zu spüren und die Journalisten standen vor allem ohne da: ohne Geschichte, ohne Informant, zunächst sogar ohne eine schlüssige Erklärung, woran die Sache denn nun eigentlich gescheitert war. Wie gehen Journalisten mit solchen brillanten Märchenerzählern um, können sie diese immer rechtzeitig enttarnen - und wo ist der Münchhausen der Informanten eigentlich heute? ZAPP war auf Recherchereise quer durch Deutschland und Europa.

Mehr zum Thema

Hochstapler bringt Geiseln in Lebensgefahr

Der 53-jährige Andreas Holst aus Kiel wollte angeblich Geld sammeln, um Seeleute aus den Händen somalischer Piraten freizukaufen. Doch der Mann entpuppte sich als Hochstapler. mehr

Dieses Thema im Programm:

ZAPP | 01.10.2014 | 23:20 Uhr