Stand: 26.09.2016 11:30 Uhr Archiv

Regionalzeitungen in Männerhand

von André Kroll

Nicht nur in den Führungspositionen der Dax-Konzerne sind Frauen seit Jahren unterrepräsentiert, auch in der Medienlandschaft haben die Männer die Oberhand. Während die spärliche Besetzung bei den großen, bundesweiten Tageszeitungen und Magazinen - sozusagen der Medien-Bundesliga - jedem Szenekundigen bekannt sein dürfte, wurde nun die Regionalliga von der Vereinigung ProQuote unter die Lupe genommen: 100 Regionalzeitungen, die ihren Mantel noch selbst produzieren.

95 Prozent Chefredakteure

Das Ergebnis ist ebenfalls ernüchternd: Bei 95 Prozent der Zeitungen sind Chefredakteure im Amt. Und selbst deren Stellvertreter sind zu 82 Prozent Männer. Die komplette Übersicht mit Stellungnahmen der Redaktionen gibt's auf der Website von ProQuote. Äußern wollten sich allerdings die wenigsten, nur acht Prozent der Redaktionen haben geantwortet.

Worin liegt die Ursache dieses Ungleichgewichts? Kumpanei unter Männern? Fehlender Karriereehrgeiz der Frauen, sich auch in Führungspositionen zu bringen und zu behaupten? Oder die fehlende Vereinbarkeit von Beruf und Familie? Vielleicht eine Mischung aus allem, wobei Ulrike Trampus, Chefredakteurin von der "Ludwigsburger Kreiszeitung", vor allem die letzten beiden Punkte hervorhebt:

"Es ist wohl weniger die fehlende Bereitschaft von Verlagsspitzen, Frauen als Chefredakteurinnen auszuwählen, als die Vereinbarkeit von Beruf und Privatleben. Chefredakteurin oder Stellvertreterin muss man sein wollen und dafür auch den Rückhalt des privaten Umfelds haben und vor allem: sich den Job dann auch zutrauen. Von einer Forderung einer Quote halte ich nichts."

Vereinbarkeit von Familie und Beruf ein Problem

Michael Garthe, Chefredakteur von "Die Rheinlandpfalz", hat ähnliche Erfahrungen gemacht: "Bei der 'Rheinpfalz am Sonntag' gibt es eine Redaktionsleiterin. Alle vier stellvertretenden Redaktionsleitungen, die zuletzt frei wurden, haben wir ebenfalls mit Frauen besetzt. Nur eine davon hatte sich selbst beworben, die anderen drei habe ich überzeugt."

Solange sich nicht Familie und Karriere vereinbaren lassen, und - wenn es stimmt - geeignete Frauen erst überzeugt werden müssen, Führungspositionen zu übernehmen, wird sich auch an dem Zustand nichts ändern. Eine Frauenquote von 30 Prozent, wie sie ProQuote fordert, kann auf dem Weg zu mehr weiblichen Führungskräften hilfreich sein, ein Garant ist sie nicht. Wie die Verlage damit umgehen, wird auch Thema beim Zeitungskongress des BDZV (26. und 27. September) in Berlin sein.

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ZAPP | 28.09.2016 | 23:20 Uhr