Stand: 25.02.2020 12:00 Uhr

Promi-Fotos: Deals zwischen Stars und Paparazzi

von Andrea Richter
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Werden gestellte Paparazzi-Fotos an die Medien verkauft, gibt es "60 Prozent für den Promi und 40 Prozent bleibt", verrät Fotograf Heiko Wessling im Interview mit ZAPP.

Früher, als Paparazzo, musste Heiko Wessling manchmal stundenlang auf seinen "Abschuss" warten. Heute verabredet er sich lieber, trifft Promis zum Shooting. Das Setting wirkt oft privat: Babyshopping, Weihnachtsbummel, Restaurantbesuch. Die Bilder müssen natürlich wirken, die Protagonisten unbefangen aussehen, als seien sie tatsächlich unbeobachtet. Fotografen nennen das "gestellten Abschuss".

Promi-Fotos: Deals zwischen Stars und Paparazzi

ZAPP -

Stars erwischt und abgelichtet beim Einkaufen, am Strand, in der Bar - Paparazzi-Fotos sind in vielen Magazinen zu sehen. Doch der Schein trügt, viele Fotos sind gestellt.

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"Gestellter Abschuss": Gewinn für Fotografen und Promis

Solche inszenierten Geschichten sind auch für Prominente ein Gewinn. Sie arbeiten mit einem Fotografen, dem sie vertrauen, wählen gemeinsam die besten Bilder für die Veröffentlichung aus und behalten so die Kontrolle über das publizierte Image. Heiko Wessling teilt sich manchmal sogar das Honorar: "60 Prozent für den Promi und 40 Prozent bleibt. Immer noch besser als ein verpasster Abschuss", findet er. Weitere Profiteure dieser arrangierten Bilder: die Unternehmen und Marken, die sich für ein solches Shooting anbieten.

Kostenloser Urlaub für Promis durch bestellte Shootings

Agenturen wie die von Kay Kirchwitz in Berlin vermitteln solche Deals. Sie bringen Prominente, Fotografen und Medien zusammen. Manchmal bestellen Redaktionen auch ein Shooting. Für solche Anlässe werden Packages geschnürt, zum Beispiel mit Hotels oder Urlaubsresorts. Die Promis machen kostenlosen Urlaub, das Magazin hat seine Hochglanzstrecke. Der Name des Urlaubsresorts darf gerne genannt werden, das ist Teil des Deals. Ein klassischer Promi-Deal war der Malediven-Urlaub von Jenny Elvers 2013.

Gestellte Shootings in Zeiten von "Fake News" legitim?

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Fotograf Kay Kirchwitz hat sich auf Promi-Fotos spezialisiert.

Die Redaktionen wüssten, dass es solche Kooperation gibt. "Und die freuen sich ja immer, besonderes im Winter oder im schmuddeligen Herbst, über solche schönen Bilder in der Karibik mit hellblauem Wasser und hellblauem Himmel, so der Agenturchef. Auf die Frage von ZAPP nach den gestellten Abschüssen antworten die meisten Promis eher ausweichend, gar nicht oder nennen es "Shooting mit Zustimmung". Ob diese inszenierte Privatheit in Zeiten von "Fake News" legitim ist, fragt sich Agenturchef Kirchwitz selten: "Ich weiß nicht, ob sich die Leser da so viele Gedanken drüber machen." Der Wunsch, dem Promi nah zu sein, scheint ungebrochen. Deshalb lassen sich "gestellte Abschüsse" gut vermarkten. 

Social Media zerstört Paparazzi-Markt

Der klassische Paparazzo-Job dagegen stirbt in Deutschland langsam aus. Nicht zuletzt wegen der Preise. "Früher", so Wessling, "haben wir Tagessätze gehabt, da hat uns ein Magazin weggebucht für 1.600 Euro." Heute brächten manche Promifotos gerade mal 40 Euro. Zudem fotografieren viele Promis inzwischen selbst und stellen ihre Bilder auf Instagram, Facebook oder TikTok ein. Die Redaktionen können die Fotos einfach übernehmen - kostenlos.

Dieses Thema im Programm:

ZAPP | 26.02.2020 | 23:20 Uhr