Stand: 18.05.2020 17:27 Uhr

Medien fordern bessere Corona-Daten vom RKI

von Daniel Bouhs

Dutzende auf die Auswertung von Datensätzen spezialisierte Journalistinnen und Journalisten fordern vom Robert Koch-Institut (RKI) eine Art Super-Datenbank zu Corona - auch, um Verschwörungsphantasien eindeutige Fakten entgegenzusetzen. In einem "#OpenCoronaData-Appell" an RKI-Präsident Lothar Wieler vom Montag, den 45 Datenjournalisten unterzeichnet haben, heißt es unter anderem: "Um den gesellschaftlichen und politischen Diskurs über die richtigen Entscheidungen in dieser Krise evidenz- und faktenbasiert zu begleiten und zu bereichern", bräuchten Medien umfassende Informationen zur Epidemie. "Leider reichen die Daten, die das Robert Koch-Institut bisher veröffentlicht, dafür nicht aus."

Ein Ausschnitt der Fassade des Robert Koch-Instituts © imago images / Reiner Zensen
Datenjournalisten fordern vom RKI eine Art Super-Datenbank zu Corona.

Die Unterzeichner stammen aus diversen ARD-Redaktionen, dem ZDF, vom "Spiegel", von der "Süddeutschen Zeitung" und auch von Regionalzeitungen wie der "Stuttgarter Zeitung" und dem "Südkurier". Koordiniert hat die Initiative Johannes Schmid-Johannsen vom SWR. "Momentan basieren viele Verlaufskurven auf Schätzungen und Näherungen, damit sind sie gar nicht korrekt", sagt er gegenüber ZAPP. "Was wir brauchen, ist ein konsistenter Datensatz mit den wesentlichen Merkmalen zu jedem einzelnen Fall, zentral angeboten vom RKI, der uns auch über eine lange Zeit erlaubt, damit verlässlich zu rechnen - auch rückwirkend."

Datenjournalisten: RKI soll Pressestelle besser ausstatten

RKI-Präsident Wieler habe zwar nach diversen Nachfragen unter anderem dazu, wie die für Corona-Maßnahmen wichtige Reproduktionszahl (R) zustande komme, zu einem "Club der R-Interessierten" eingeladen, berichtet der SWR-Journalist. Der Chef-Mathematiker des Instituts habe dabei auch einiges erklärt. "Unsere Bitte, dass darüber hinaus auch noch Fragen oder ein extra Workshop zu Daten organisiert wird, wurde aber nicht erfüllt. Einige Kolleginnen und Kollegen haben auch sehr konkrete Datenanfragen gestellt, die meisten davon aber vergebens."

RKI-Pressesprecherin Susanne Glasmacher hatte bereits erklärt, dass das RKI die Flut an Presseanfragen schon lange nicht mehr komplett bewältigen könne. In dem Appell fordern die Datenjournalisten nun den Präsidenten auf: "Bitte tragen Sie auch Sorge dafür, dass Ihre Behörde (und insbesondere Ihre Pressestelle) personell, technisch und inhaltlich in die Lage versetzt wird, diesem datenbezogenen Informationsinteresse der Medien Rechnung tragen zu können."

"#OpenCoronaData"-Koordinator Schmid-Johannsen mahnt, das RKI müsse "in so einer Zeit" im Zweifel auch Geld in die Hand nehmen und einen Dienstleister beauftragen. "Andernfalls wird der Druck der Kritikerinnen und Kritiker auf uns alle zunehmen, wenn wir weiter nicht erklären können, woher die Daten genau stammen, wie die Datenlage tatsächlich ist und warum sie teilweise widersprüchlich sind." Derzeit veröffentlichten regionale Behörden teils unterschiedliche Daten.

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01.04.2020 | 23:20 Uhr