Stand: 29.10.2019 19:00 Uhr

Kriegsreporter: "Realität stellt alles in den Schatten"

Wie viel Risiko ist Berichterstattung wert? Carsten Stormer reist immer wieder nach Syrien, berichtet über den Krieg - er sieht tote und traumatisierte Menschen, gerät selbst in gefährliche Situationen. Dort funktioniert der Reporter, ohne nachzudenken. Das Nachdenken, sagt er, komme später. Wenn man beschreiben wolle, was es bedeute, unter ständigem Bombardement zu leben, müsse man das selber erlebt haben.

Kriegsreporter: "Realität stellt alles in den Schatten"

ZAPP -

Kriegsreporter wollen die Geschichten des Kriegs dokumentieren. Dabei riskieren sie ihr Leben - und ihre Psyche. Julia Leeb und Carsten Stormer geben Einblicke in ihr Seelenleben.

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Erlebtes sorgt für posttraumatische Belastungsstörungen

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Carsten Stormer berichtet seit vielen Jahren aus Kriegsgebieten: "Die Realität stellt alles in den Schatten, was man sich zuhause ausgemalt hat."

Stormer ist einer der wenigen Journalisten, der offen über seine posttraumatischen Belastungsstörungen spricht: "Abends im Bett oder eine Woche später kommt die Verarbeitungsphase. Und das ist wirklich unschön. Ich will die Bilder nicht loswerden. Und das sind auch Sachen, die einem Antrieb verschaffen. Ich will sie nicht verdrängen. Sie sind da. Ich muss mit ihnen leben." Damit leben oder sie verdrängen.

"Ich bin schwer verletzt worden"

Reporterin Julia Leeb wollte über die Proteste auf dem Tahrir-Platz berichten. Dabei geriet sie in der aufgebrachten Menge zwischen die Fronen. Ihre Kleider wurden zerrissen. Aber nicht nur das: "Ich bin schwer verletzt worden und mich hat jemand an den Haaren in ein Zelt gezogen." Dass sie aus dieser Situation lebend herausgekommen ist, kann sie selber kaum fassen. Wenn sie sich heute ein Handyvideo anschaut, das im Netz auftauchte und sie in einem wütenden Mob zeigt, sieht sie nicht sich, sondern eine andere Person. "Mir tut die Person leid, aber das bin nicht ich. Mir tut diese Person sehr leid, weil sie unglaubliche Angst hat."

Jeder Einsatz kann tödlich enden

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"Wie viele andere bin ich eigentlich ein Antikriegsfotograf - weil ich das hasse, was ich sehe", erklärt Julia Leeb.

Julia Leeb reist viel durch Afrika und sucht die Geschichten hinter dem Krieg. Wie Carsten Stormer weiß sie, dass jeder ihrer Einsätze für sie tödlich enden kann. Aber es ist ihr wichtig, Geschichten zu erzählen, die sonst nicht beschrieben würden. Julia Leeb und Carsten Stormer sehen sich nicht als Kriegsreporter. Im Gegenteil: Ihre Geschichten seien vielmehr Geschichten gegen den Krieg. Und genau deshalb gehen sie immer wieder ins Risiko. Das treibt sie an.

Dieses Thema im Programm:

ZAPP | 30.10.2019 | 23:20 Uhr