Stand: 23.11.2016 17:30 Uhr

Journalisten unerwünscht: Die Strategie der AfD

"Pressefreiheit, Pressfreiheit!" skandieren Demonstranten vor der abgeriegelten Kehler Stadthalle in Baden-Württemberg. Sie protestieren gegen AfD-Positionen und gegen den Ausschluss von Journalisten vom Landesparteitag. Während drinnen die AfD-Mitglieder ihre Kandidaten für den Bundestag aufstellen, warten Journalisten auf Informationen aus der Halle. "Wir sehen uns gezwungen, hier herumzulungern und das ist mir in meiner doch etwas längeren Zeit als politischer Journalist noch nie passiert", sagt Stefan Hupka von der "Badischen Zeitung".

Journalisten unerwünscht: Die Strategie der AfD

ZAPP -

Beim Landesparteitag der AfD Baden-Württemberg waren Journalisten unerwünscht. Stattdessen gab's Infos auf einer abschließenden PK und per Social Media. Experten sehen darin eine Strategie.

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Presseausschluss aus Angst vor "negativen Momenten"

Kurz zuvor hatte der AfD-Landessprecher Lothar Maier den wartenden Journalisten mitgeteilt, dass sie unerwünscht seien. Seine Begründung: "Es war auch die Erfahrung aus Parteitagen, dass die wenige negativen Momente, die es gegeben hat, gesendet und verbreitet und die wohlüberlegten Redebeiträge wenig oder gar nicht gesendet worden sind." Nun also gar keine Berichterstattung aus dem Inneren. Jedenfalls nicht von den traditionellen Medien. Stattdessen berichtet die AfD auf ihrer Facebook-Seite vom Parteitag. Während also die Fernsehkameras nur die Außenfassade der Kehler Stadthalle aufnehmen können, sind Bilder von der Abstimmung drinnen auf Facebook zu sehen. Und das ist offenbar so gewollt.

AfD setzt auf Social Media statt auf klassische Medien

Die Partei ist in den sozialen Medien sehr erfolgreich und hat mehr Facebook-Likes als SPD und CDU zusammen. Insgesamt mehr als 300.000 Menschen folgen ihr bei Facebook. Die "Spiegel"-Journalistin Melanie Amann untersucht seit langem die Kommunikations-Strategie der Partei: "Die AfD ist sehr clever dabei, sich ihre eigenen Kanäle zu suchen. Am Anfang war es aus der Not geboren, weil man einfach nicht stattfand in vielen Medien. Und deswegen musste man sich über Facebook die Menschen ran ziehen. Mittlerweile ist das aber eine Strategie, über die sehr gezielt kommuniziert wird. Und das ist inzwischen bundesweit auf Facebook eine ausgefeilte Strategie."

Netzstrategie birgt Risiken

Für Melanie Amann ist das auch ein Vorgeschmack auf den Wahlkampf: "Ich glaube, wir werden sehen, dass die AfD zunehmend auf die Nutzung traditioneller Medien verzichtet. Wichtig ist für sie, die Community zu erreichen. Das werden wir auch im Bundeswahlkampf erleben. Gezielte Botschaften, um die Community zu mobilisieren." Doch das könne irgendwann auch zum Nachteil werden: "In gemäßigten Kreisen, die die AfD ja auch erreichen will, kommt das gar nicht gut an - diese Art von Pressezensur. Die AfD will ja nicht nur die Wutbürger treffen, sondern auch Menschen, die noch die klassischen Medien konsumieren. Und wenn sie da nur negativ stattfindet, könnte es sein, dass sie da auch Wähler verlieren", glaubt Melanie Amann.

AfD ist mit Parteitagsablauf zufrieden

Den Ablauf des Parteitags aus Sicht der AfD gibt Alice Weidel, Kandidatin für den Bundestag, in einer abschließenden Pressekonferenz wieder: "Wir haben einen sehr erfolgreichen Parteitag hinter uns. Wir haben sehr effizient gearbeitet. Und es war mitnichten - wie vorher kolportiert - zum Schämen. Im Gegenteil: Wir konnten eine sehr gute Liste zusammen stellen." Die Journalisten konnten sich davon kein Bild machen.

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ZAPP | 23.11.2016 | 23:20 Uhr