Stand: 15.04.2020 10:00 Uhr

Italien: Die Welt im Ausnahmezustand

von Gudrun Kirfel

Italien hat in Europa mit das schärfste Ausgangsverbot. Die Menschen dürfen nur ausnahmsweise das Haus verlassen, etwa wenn sie zum Arzt oder zum Einkaufen müssen. Und sie müssen dafür eine schriftliche Bestätigung bei sich haben. Diese strikten Regeln hat Ministerpräsident Guiseppe Conte am Karfreitag noch einmal um drei Wochen verlängert.

Italien: Die Welt im Ausnahmezustand

ZAPP -

In Italien herrscht ein strenges Ausgangsverbot. ARD-Korrespondentin Ellen Trapp behilft sich von Rom aus mit einem Netz an Zulieferern, die übers Land verstreut sind.

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Muss in Rom bleiben: Ellen Trapp.

Für die ARD-Korrespondentin in Rom, Ellen Trapp, bedeuten diese Ausgangsverbote das Ende ihrer normalen Arbeit. Aus Rom kommt sie zurzeit gar nicht mehr raus. Aufgezeichnete Video-Anrufe sind zu einem ihrer Hauptwerkzeuge geworden. "Ich freue mich auf die Zeit, wo Interviews wieder ganz normal geführt werden und nicht via Skype", hofft sie. Im Moment sagen ihre Gesprächspartner häufig, sie stünden nur in dieser Form für ein Interview zur Verfügung. "Was ich als Fernsehjournalistin nicht nur bildlich nicht schön finde, ich habe auch lieber den persönlichen Kontakt."

Ostersegen ohne Menschenmengen

Über die Ostertage war Trapp überwiegend mit dem Papst beschäftigt. Der Kreuzweg an Karfreitag wurde vom Kolosseum auf den fast menschenleeren Petersplatz verlegt. Auch die Messe am Ostersonntag und der Segen "Urbi et Orbi" fanden ohne Pilger statt und wurden stattdessen im Fernsehen und im Internet übertragen. Trapp wünscht sich, wieder reisen zu können, um Geschichten außerhalb der heiligen Stadt zu recherchieren. Das ARD-Studio Rom ist auch für Griechenland zuständig, die Situation in den Flüchtlingslagern dort kann sie sich derzeit nur via Telefon berichten lassen.

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Papst Franziskus während der Osterfeierlichkeiten im Petersdom.

Um trotzdem weiter aus ganz Italien und Griechenland zu berichten, hat sich Ellen Trapp ein engmaschiges Netz aus Producern und freien Kamerateams aufgebaut. Will die Korrespondentin eine Geschichte realisieren, recherchiert sie Ansprechpartner vor Ort, verabredet Interviews und schickt dann die ortsansässigen Teams los, die ihr anschließend das Bildmaterial überspielen. "Das ist journalistisch gesehen natürlich nicht optimal, wir haben das früher alles selber gemacht, indem wir selbst im Land unterwegs waren, aber das ist ja im Moment leider nicht möglich."

Pressefreiheit in Italien gewahrt

Grundsätzlich gilt in Italien Pressefreiheit: Über die Zahl der Toten, die Zustände in den Kliniken wird ungefiltert berichtet. Nur indirekt schränkt das Corona-Virus die Pressefreiheit ein, weil es die Reisefreiheit nimmt. Wer sich nicht frei im Land bewegen kann, nicht mit den Menschen draußen sprechen kann, um sich ein eigenes Bild zu machen, recherchiert anders.

Abends behält Ellen Trapp die Bilder, die sie tagsüber geschnitten hat, die Gespräche, die sie geführt hat, im Kopf, nimmt sie mit nach Hause. "Ich habe gestern mit einer Frau in Bergamo gesprochen", erzählt sie, "und wenn sie aus ihrem Alltag erzählt, wer alles noch auf der Intensivstation liegt, wer alles gestorben ist, da werde ich ganz klein am Telefon." Bei ihr in Rom seien es "Kindergartenprobleme", verglichen mit der Situation in der Lombardei, wo gerade eine ganze "Opa-und Oma-Generation ausgelöscht werde". Diese Corona-Krise, glaubt sie, werde etwas mit den Menschen machen und auch an ihr als Journalistin hängenbleiben.

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Dieses Thema im Programm:

ZAPP | 15.04.2020 | 23:20 Uhr